Aachen: Schon mehr als 3000 scharfe Waffen in der Städteregion zerstört

Aachen : Schon mehr als 3000 scharfe Waffen in der Städteregion zerstört

Aachen: Mehr als 3000 Schusswaffen zerstört

Im Jahre 2012 sind 24.834 scharfe Waffen in der Städteregion regis­triert. Zu diesem Zeitpunkt startet Gunter Nürnberger gemeinsam mit seinem Team ein Projekt. Ziel: Der Bestand an Schusswaffen in der Bevölkerung soll sinken, vor allem Altbesitzer und Erben sollen dazu gebracht werden, über die Abgabe von Lang- und Kurzwaffen nachzudenken.

Das Ergebnis bisher: Aktuell sind 21.983 Schusswaffen in Stadt und Städteregion registriert, 2851 weniger als noch vor knapp vier Jahren. Vor dem Hintergrund, dass die Zahl an Sportschützen und Jägern im gleichen Zeitraum leicht zugelegt hat, geht Nürnberger von mehr als 3000 Altwaffen aus, die in dieser Zeit verschrottet wurden.

Eine Waffe darf besitzen, wer ein Bedürfnis nachweisen kann. Dazu gehören die schon angesprochenen Jäger (in der Städteregion aktuell 1579) und Sportschützen (1094). Aber auch Altbesitzer, die ihre Waffe noch aus Zeiten haben, als „Kleinkaliber-Langwaffen sogar im Versandhauskatalog zu bekommen waren, solange man volljährig war“, haben ein berechtigtes Bedürfnis, erklärt Nürnberger. Ebenso wie Erben. Denen schreibt der Staat vor, Waffen von einem Büchsenmacher sperren zu lassen, damit sie nicht mehr schussbereit sind. Er dürfe Altbesitzer und Erben aber nicht einfach enteignen. Bleibt das Mittel der Überzeugung. Und auf das setzt Nürnberger.

Nach dem Amoklauf von Winnenden 2009 wurde das Waffengesetz verschärft. Unter anderen Auflagen müssen Waffenbesitzer seitdem ohne begründete Zweifel an der sicheren Aufbewahrung ihrer Waffen Überprüfungen zulassen. Auf Hausbesuch bei Altbesitzern und Erben prüfen Nürnberger und seine Kollegen nicht nur die Aufbewahrung, sondern führen klärende Gespräche mit den Besitzern.

Mit Erfolg: Die Zahl der Altbesitzer ist von 1964 (Januar 2012) auf 1487 (Oktober 2015) gesunken. Die Zahl der Erben mit Waffenbesitz sogar von 611 auf 119. Was abgegeben wird, kommt in einen Raum im Keller des Präsidiums. In der Regel werden die gesammelten Waffen alle zwei Monate nach Wuppertal ins Landesamt für zentrale polizeiliche Dienste gebracht und anschließend vernichtet. Das Metall wird eingeschmolzen.

Ein klassischer Waffenschein im Sinne des Waffengesetzes, der dazu berechtigt, Waffen in der Öffentlichkeit bei sich zu tragen — zu führen, wie Fachmann Nürnberger sagt — wird nur in Ausnahmefällen ausgestellt. In der Städteregion existieren davon aktuell drei, verteilt auf Firmen der Sicherheitsbranche — Werttransport- und Bewachungsunternehmen. „Otto Normalverbraucher“, stellt Nürnberger fest, „hat gar keine Chance, diesen Waffenschein zu bekommen“. Anders sieht das bei dem sogenannten kleinen Waffenschein aus, der zum Führen etwa von Gas- und Schreckschusspistolen berechtigt. Voraussetzung dafür: Volljährigkeit und eine Überprüfung durch die Polizei. 1550 Inhaber eines kleinen Waffenscheins sind in der Städteregion derzeit unterwegs.

Die häufigsten Waffen, die bei Nürnberger Station machen, sind Kleinkaliberwaffen. Das höre sich nicht gefährlich an, es handele sich jedoch auch dabei um absolut tödliche Waffen, sagt Nürnberger. Selten seien dagegen Granaten und Drillinge (Langwaffen mit drei Läufen). Von Zeit zu Zeit landeten sogar historische Waffen im Kellerraum, teils mehrere hundert Jahre alt — im vergangenen Jahr sogar eine komplette Sammlung.

Der ehemalige Besitzer war verstorben und hatte verfügt, seine Sammlung an ein Museum zu geben. Das ist auch passiert, weil die Schusswaffen kulturhistorischen Wert hatten. Die Sammler seien übrigens auch eine Gruppe mit berechtigtem Bedürfnis, Waffen zu besitzen, erklärt Nürnberger. Allerdings eine sehr kleine: In der Städteregion sind derzeit 19 Waffensammler registriert.

Wer eine Waffe abgeben möchte, kann sich unter Telefon 0241/9577-61121 oder -61122 an Gunter Nürnberger wenden oder an jede Polizeidienststelle.