Aachen: Schönes Licht, guter Ton, diskreter Auftritt

Aachen: Schönes Licht, guter Ton, diskreter Auftritt

Fertig. Sogar pünktlich fertig. Und es funktioniert auch alles. „Jetzt kann ich die Heiligtumsfahrt genießen“, sagt Dombaumeister Helmut Maintz, „in der Zeit wird nämlich nicht gebaut.“ Das hat er fürs Erste hinter sich. Dabei waren es nicht einmal große Baustellen, die er zu betreuen hatte. „Nur“ die Beleuchtung in der Domschatzkammer und neue Lautsprecher im Dom. Das klingt so einfach.

Aber wenn es so einfach wäre, hätte es wohl auch keine 145 000 Euro gekostet. Für diese Summe hat Ingenieur Ralf Wolters auch nicht bloß ein paar neue Lampen angeschraubt, sondern die Beleuchtung der Domschatzkammer komplett auf LED-Technik umgestellt. Das schont die Kunst und den Geldbeutel.

Hörprobe: Jürgen Beele, Helmut Maintz und Christoph Bonde (v. l.) testen die neue Lautsprecheranlage im Dom. Zu sehen ist von der wenig.

Die Kunst ist nämlich lichtscheu. „Deshalb hat man ständig die Kuratoren im Nacken, die einen auf das Schädigungspotenzial hinweisen“, sagt Wolters. Er kennt das, weil sein Büro darauf spezialisiert ist, wertvolle Ausstellungsstücke ins rechte Licht zu rücken. Entsprechend pingelig ging man deshalb schon bei der Auswahl der Leuchtmittel zu Werke. Sie wurden im Vorfeld vom Darmstädter Institut für Photometrik daraufhin untersucht, was sie Papier, Textilien oder Ölfarben womöglich antun.

Brillante Farben

Entstanden ist am Ende ein ausgeklügeltes System, mit 100 „Lichtquellengeneratoren“, die das Licht „verlustfrei“ durch Glasfaserkabel zu 800 bis 1000 „Lichtpunkten“ leiten. Die sind vor allem eines: unauffällig. Die Besucher sehen wenig Leuchten, aber viel Ausgeleuchtetes. „Die Brillanz der Farben“, schwärmt Wolters, „kriegt man nur mit der LED-Technik so hin.“ Und vor allem tauche man die Domschatzkammer in ein „kunstschonendes Licht“.

Dazu gehört auch, dass es in manchen Bereichen nur bei Bedarf leuchtet. Der Ingenieur zeigt dabei auf versteckte Päsenzmelder, die der elektronischen Steuerung Bescheid geben, wenn ein Besucher einen Raum betritt. Wenn keiner gucken kommt, bleibt das Licht aus.

Das spart auch Geld — und auch das war ein Motiv für die neue Beleuchtung. „Die Domschatzkammer hat 50 000 Euro Stromkosten pro Jahr“, erklärt Maintz. Dazu kommen Wartungskosten, weil die Mitarbeiter der Dombauhütte dreimal pro Woche defekte Halogenlampen ausgetauscht haben. Die Kosten der LED-Beleuchtung, von denen das Bundesumweltministeriums im Rahmen eines Förderprogramms 40 Prozent übernimmt, sollten sich nach Berechnungen des Dombaumeisters in zehn Jahren rentiert haben. „Wir rechnen mit Einsparungen von 22 000 Euro pro Jahr“, sagt Maintz. Darin eingerechnet sind die Effekte bei der Klimaanlage: Die hat es jetzt leichter, weil die LED-Leuchten weniger Wärme abgeben.

Über das Förderprogramm hinaus wurden noch 120 000 Euro investiert für die Notbeleuchtung, die zusätzliche Anstrahlung von Exponaten oder auch die Überarbeitung des gesamten Anstrichs. Fertig wurde es „auf den letzten Drücker“, sagt Maintz, der die Leistung der Handwerker dabei durchaus zu würdigen weiß. Gearbeitet haben sie morgens, bevor die Besucher kamen, und abends, wenn sie wieder weg waren.

Besser ging es Jürgen Beele und seinen Leuten auch nicht. Seine Alsdorfer Elektrofirma Mücher hat den Dom ebenfalls außerhalb der Öffnungszeiten streckenweise neu verkabelt. Wenn der letzte Besucher gegangen war, wurde bis Mitternacht gearbeitet. „2,6 Kilometer Datenkabel, 1,4 Kilometer Stromleitung, noch mal 900 Meter für die Mikrofone“, zählt Beele auf, „am Ende so insgesamt etwa fünf Kilometer.“

Technik gut versteckt

Gebraucht wurde das für eine neue Lautsprecheranlage, die mit den Boxen der heimischen Stereoanlage etwa soviel gemein hat, wie die neue Domschatzkammerbeleuchtung mit einer Neonröhre in der Garage. Von „aktiven digital steuerbaren Richtlautsprechern“, spricht Christoph Bonde, dessen Kölner Firma Steffens das Beschallungskonzept ausgetüftelt hat. Zweck der 120 000 Euro teuren Übung war eine bessere Sprachverständlichkeit. „Wir können jetzt jeden Bereich individuell beschallen“, erklärt Bonde, „Lautstärke, Frequenzgang, Schallaufzeit und Schallausbreitung sind individuell steuerbar.“ Damit die Besucher des Doms alles überall besser verstehen, müssen keinesfalls mehr Lautsprecher her. „Wir sind dem Dom zuliebe zu Minimalisten geworden“, sagt Bonde und verweist auf die Chorhalle. Früher waren dort zehn Lautsprecher installiert, jetzt sind es nur noch zwei — dezent angebracht in sieben Metern Höhe. Geschuldet ist das den „denkmalpflegerischen Anforderungen“, wie Bonde es formuliert. Dombaumeister Maintz bringt es auf eine Kurzformel: „Man will besser hören, aber sehen will man davon nix.“

Entsprechende Diskretion wurde auch von Beeles Leitungsleuten erwartet, die im Hohen Dom natürlich nicht hemdsärmelig große Löcher bohren konnten. Unterhalb der Fußböden, durch bestehende Durchbrüche oder alte Heizkanäle haben sie ihre Kabel gezogen. „Abends haben wir immer durchgezählt“, sagt Beele schmunzelnd, „damit keiner in einem Schacht vergessen wurde.“