Aachen: Schmuckurkunde der Fan-Anleihe musste im Eurogress dabei sein

Aachen: Schmuckurkunde der Fan-Anleihe musste im Eurogress dabei sein

Die Alemannia biegt in den anstehenden juristischen Verfahren auf die Ziellinie ein. Jetzt hat das endgültige Ringen um eine Verlängerung der Spielzeit für die Insolvenzverwalter begonnen. In einer ersten von zwei Gläubigerversammlungen trafen sich am Montag im Aachener Eurogress etwa 200 sogenannter Anleihegläubiger.

Das sind Inhaber von Anteilen der Tivoli- oder Fan­anleihe, die 2008 für knapp fünf Millionen Euro von jedermann zu zeichnen war und die, wie der Aachener Insolvenzverwalter Prof. Rolf-Dieter Mönning erklärte, jetzt nach fünf Jahren am 16. August 2013 auslaufen und fällig wird.

Ende einer ersten Gläubigerversammlung im Eurogress: Die Zeichner der Tivoli-Anleihe wählten ihren Vertreter für die Gesamtgläubigerversammlung kommende Woche in Düren.

Ziel der Veranstaltung im Brüssel-Saal: Die Anleihegläubiger müssen sich in Anwesenheit und unter Kontrolle des Insolvenszgerichtes, das durch eine Rechtspflegerin vertreten wurde, auf einen Sprecher und juristischen Vertreter für die Gesamtgläubigerversammlung der Alemannia ­Aachen GmbH wie der Stadion GmbH am 23. Juli in der Arena Kreis Düren einigen. Der Einigungszwang bestehe nach dem „Schuldverschreibungsgestz von 1899“, erklärte der letztlich mit großer Mehrheit gewählte Vertreter, der Aachener Anwalt Johannes Klefisch, der bereits im Vorfeld der vom Amtsgericht terminierten Gläubigerzusammenkunft die Inhaberintressen gebündelt hatte.

„Wir sind jetzt hier im Euro­gress mit rund einer Million Euro der Gesamtanleihe vertreten“, erklärte Insolvenzrechtler Klefisch nach der Abstimmung gegen Mittag und bestätigte, dass es eine sehr ruhige Diskussion unter den letztlich wahrscheinlich leer oder mit einer geringen Quote ausgehenden Zeichnern der Tivoli-Anleihe gegeben habe. Die Befugnisse für den gewählten Vertreter sind umfassend: Er vertritt nicht nur die Anleihegläubiger auf der Versammlung am 23. Juli, er ist zudem klageberechtigt gegenüber dem sogenannten Emittenden der Anleihe, der Alemannia Aachen GmbH.

Mancher Halter der damals von der Alemannia-Spitze als „völlig sicher“ verkauften Anleihe kam zum Brüssel-Saal mit der gerahmtenSchmuckurkunde in der Hand. Denn das Insolvensgericht schreibt vor, dass der Teilnehmernachweis durch „Vorlage der Originalurkunde, durch eine Hinterlegungsbescheinigung oder durch die Vorlage eines Depotauszuges“ erbracht werden muss. Also hatte man die Schmuckanleihe, von ihr waren Zertifikate von insgesamt 1,6 Millionen Euro verkauft worden, für den Fortbestand der geliebten Alemannia für kurze Zeit von der Wand nehmen müssen.

Vorsichtiger Optimismus

Für Insolvenzverwalter Mönning herrscht momentan gedämpfte Zuversicht vor: „Wir haben hier deutlich gemerkt, dass es bei beinahe allen Fans nicht um das Erzielen einer Quote geht.“ Wenn sie könnten, würden viele auf ihre Anteile verzichten wollen, alleine um den Fortbestand des Vereins in der Regionalliga zu sichern.

Ob das dann wirklich geht, darüber wird erst am 23. Juli zu reden sein. Auch so prominente Teilnehmer wie Ex-Alemannia-Präsident Horst Heinrichs oder der einstige AKV-Präsident Horst Wollgarten kamen persönlich, um ihre Stimmrechte zu vertreten, selbst Aachens Kurdirektor Werner Schlösser war an Bord. Für Mönning ist man mit den neu geworbenen Sponsoren und den bislang gemachten Zusagen „auf einem sehr guten Weg“.

Man rechne mit einem Zuschauerschnitt von 5500, leider müsse man ob der Lage bei den Eintrittspreisen im „oberen Segment“ der Regionalliga bleiben, anders gehe es nicht. Am kommenden Freitag tage nochmals vor der entscheidenden Sitzung der aus fünf Vertretern bestehende Gläubigerausschuss. „Ich hoffe, dass wir nächste Woche eine belastbare Prognose vorlegen und den Spielbetrieb für die kommende Saison sichern können“, ist Mönning durchaus guter Dinge.

Mehr von Aachener Nachrichten