Aachen: Schlösser macht sich unbeliebt

Aachen: Schlösser macht sich unbeliebt

Unverständnis und Ärger erntet Aachens Kur- und Badedirektor Werner Schlösser, der derzeit nicht nur offen über den Weggang des Spielcasinos aus Aachen spekuliert, sondern zugleich auch Pläne für einen neuen Konzertsaal an gleicher Stelle propagiert.

Mehrere Politiker werfen ihm vor, damit gegen die Interessen der Stadt zu handeln. Schwer verärgert zeigt sich auch Peter Nolden, Betriebsratsvorsitzender des Spielcasinos.

Auslöser sind Gedankenspiele Schlössers, die er in seiner Eigenschaft als Vorstandsmitglied im Fördervein Haus für Musik am Mittwoch erneut vor Vereinsmitgliedern anstellte. Weil die ursprünglich verfolgte Idee, ein neues Konzerthaus über der Tiefgarage an der Monheimsallee zu errichten, finanziell nicht zu stemmen ist, bringt er nun eine Nachnutzung des Casinos als Konzertsaal ins Gespräch.

Pikant: Noch ringen Oberbürgermeister Marcel Philipp, Politiker aller Fraktionen und Casino-Betriebsrat intensiv um den Erhalt des angeschlagenen Aachener Spielcasinos.

„Der Erhalt des Standorts hat für uns oberste Priorität”, erklärte Philipp. Er verweist insbesondere auf die rund 150 Arbeitsplätze im Casino, aber auch auf knapp eine Million Euro, die jährlich über die Spielbankenabgabe in die Stadtkassen fließen. „Wir gehen davon aus, dass der Vertrag mit Westspiel erfüllt wird”, sagt Philipp.

Das Land hat erst jüngst die standortgebundene Spielbankerlaubnis für Aachen bis 2018 verlängert, der Pachtvertrag für die Casino-Säle im Neuen Kurhaus läuft bis Ende Juni 2016. Kein Geheimnis ist es jedoch, dass Westspiel nach Köln wechseln will. Unterstützung für diese Pläne gibt es offenbar auch in Teilen der Landesregierung, die sich von einem Betrieb in Köln höhere Einnahmen versprechen.

Bereits Philipps Vorgänger Jürgen Linden hat Westspiel vorgeworfen, den Aachener Standort systematisch herunterzuwirtschaften. Er werde „absichtsvoll gegen die Wand gefahren”. So gibt es bereits seit längerem Gedankenspiele, wie sich die Stadt im Fall des Weggangs positioniert. Klar ist, dass eine Ablösesumme in Millionenhöhe fällig wäre. Und auch über eine neue Nutzung als Konzertsaal wurde bereits nachgedacht - befeuert vom Verein Haus für Musik.

„Kontraproduktiv”

„Intern” gebe es keine Denkverbote, gesteht Philipp zu. Beschlüsse und Entscheidungen über anderweitige Nutzungen der Casino-Räume stünden aktuell aber gar nicht an. Dies betonen auch CDU-Fraktionschef Harald Baal und Grünen-Geschäftsführer Helmut Ludwig. Überlegungen zu einer Nachnutzung, wie sie Schlösser anstellt, stufen sie daher als „hochspekulativ” und „kontraproduktiv” ein.

Von einem „Affront gegen die Leute, die im Casino arbeiten”, spricht Hermann-Josef Pilgram, Grüner Finanzpolitiker. Das Casino sei eine Einnahmequelle für die Stadt, ein Konzerthaus sei eher ein Subventionsempfänger. Es gehöre offenbar zu Schlössers Strategie, das „Casino totzureden und totzuschweigen”, kritisiert Pilgram. So spiele die Spielbank in der touristischen Werbung seit Jahren keine Rolle mehr.

Auch Casino-Betriebsrat Nolden wundert sich über Schlössers Verhalten: „Er müsste eigentlich am Spielbank-Erhalt interessiert sein.” Stattdessen tue er so, als sei die Standortverlagerung schon beschlossene Sache. „Undenkbar, dass sich der Kurdirektor von Baden-Baden so verhalten würde.”

Für die SPD fragt sich Björn Jansen, Mitglied im Aufsichtsrat der Kur- und Badegesellschaft, was Schlösser „geritten hat”. „Es gehört nicht zu seinen Aufgaben, den Standort schlecht zu reden.” Schlösser habe „über die Stränge geschlagen”.

Unterdessen erklärt Schlösser, einst selbst Westspiel-Mitarbeiter, durchaus die Interessen der Stadt im Blick zu haben. Er gehe davon aus, dass das Casino „nicht mehr ewig” in Aachen bleibe. Mit einer Entscheidung rechne der 57-Jährige nach der Landtagswahl. Ein neuer Konzertsaal sei schon deshalb sinnvoll, um auch dem Eurogress mehr Luft für Kongresse zu verschaffen. Vor allem wegen der Sinfoniekonzerte müssten öfter Kongressanfragen abgewiesen werden.

Überrascht hat Schlösser mit seinem Vorstoß aber auch Vorstandskollegen im Verein Haus für Musik. Vorsitzende Ruth Crumbach-Trommler war bemüht, die Wogen zu glätten und erklärte: „Der Konzertsaal ist unsere Herzensangelegenheit, aber das höchste Gut ist natürlich der Erhalt der Arbeitsplätze im Casino.”

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