Aachen: Schlechte Noten für Aachens Gewässer

Aachen : Schlechte Noten für Aachens Gewässer

Für Spaziergänger und Naturliebhaber sind die Bäche der ländlichen Stadtbezirke unentbehrlich: Haarbach, Inde, oder Wurm. Dort können sie die Natur genießen, und auch für viele Tier- und Pflanzenarten bieten sie einen sicheren Lebensraum.

Allerdings besteht immer dringender Handlungsbedarf, um Gewässer vor dem schädlichen Einfluss der Menschen zu bewahren. Bei einer Qualiltätsbewertung durch das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (Lanuv) kassierten Aachens Bäche schlechte Noten.

Die untere Wasserbehörde der Stadt Aachen und der Wasserverband Eifel-Rur möchten nun bis zum Jahr 2027 eine ganze Reihe von Maßnahmen umsetzen, um die Qualität von Aachens Gewässer zu verbessern. Und das ist wichtig, denn etliche erhebliche Eingriffe in die Natur machen den Bächen zu schaffen. Sie werden eingefasst, begradigt oder unter die Erde verlegt.

Eine weitere Belastung stellen die gereinigten Abwässer dar, die die Kläranlagen der Stadt in die Gewässer ableiten, oder Dünger und andere chemische Mittel, die über das Regenwasser in die Flüsse gelangen.

Viele Parameter spielen eine Rolle

Alle fünf Jahre bewertet Lanuv Gewässer nach einem landesweit einheitlichen Maßstab. Dazu werden Wasserproben von festgelegten Messstellen genommen, die repräsentativ für das Gewässer stehen. Bei den Proben wird zum einen auf die Wasserqualität, also Temperatur, Nährstoffe, und die Mengen bestimmter Schadstoffe wie Pflanzenschutzmittel geachtet.

Zum anderen wird der ökologische Zustand bewertet. Dazu zählen die Beschaffenheit des Uferbereichs, der Verlauf des Baches und ein möglichst vielfältiges Spektrum an Tieren und Pflanzen. Das Lanuv bezieht alle Kriterien gleichwertig und für das gesamte Gewässer — von der Quelle bis zur Mündung — mit ein. So kann schon ein einzelnes mangelhaftes Kriterium die Bewertung stark beeinflussen.

Mit Resten von Medikamenten

In Aachen wurde die Gesamtqualität zahlreicher Bäche als schlecht oder unbefriedigend eingestuft. „Dies scheint besorgniserregend, schaut man aber genauer hin, darf man wohl erst einmal aufatmen“, betont Walter Goffin, Leiter der Unteren Wasserbehörde im Fachbereich Umwelt. Denn die Wasserqualität in Aachens Gewässern ist überwiegend gut und auch anspruchsvolle Fische fühlen sich hier wohl. „Besonders im Südraum gibt es einige Arten wie den Edelkrebs, die nur in sauberen Gewässern zu finden sind“, bemerkt auch Elmar Wiezorek, Leiter des Fachbereichs Umwelt der Stadt Aachen.

Dass die Bewertung trotzdem so schlecht ausgefallen ist, liege an der Bandbreite der Faktoren. Der Verlauf der Inde wird zum Beispiel durch das Stadtgebiet Kornelimünster stark eingeengt. Die Wurm dagegen wird durch Medikamentenreste belastet, die sich noch im gereinigten Abwasser der Kläranlage Aachen Soers befindet.Deswegen arbeitet die Stadt zusammen mit dem Wasserverband Eifel-Rur an der Verbesserung der Gesamtqualität der Bäche.

Dazu ist zum Beispiel der Bau weiterer Filterstufen in den Kläranlagen der Stadt vorgesehen. Weiterhin werden dieses Jahr Renaturierungsmaßnahmen durchgeführt, durch die ein natürlicher Lebensraumwiederhergestellt werden soll.

Aber auch die Aachener Bürger können zum Naturschutz beitragen. Goffin erklärt: „Wer keinen Müll am Ufer zurücklässt, Pflanzenschutzmittel nur bedacht einsetzt und Putzwasser nicht achtlos wegkippt, schont die Gewässer.“

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