Aachen: Schilderposse: Statt Werbung gibt es nur noch Dübellöcher

Aachen : Schilderposse: Statt Werbung gibt es nur noch Dübellöcher

Juristen im Streit — das kann knifflig werden! Selbst wenn der Anlass „nur“ ein Werbeschild ist, das offenbar in einer Nacht- und Nebelaktion und womöglich auf Geheiß des Vermieters und bekannten Aachener Großinvestors Gerd Sauren Mitte der Woche abgeschraubt wurde und seitdem verschwunden ist. Das „Opfer“ heißt Reinhard ­Poetsch, und es fühlt sich regelrecht nach „Absurdistan“ versetzt.

Poetsch hat als Fachanwalt für Insolvenzrecht und Geschäftsführer der Kanzlei Phoenix vor vier Jahren die Büroräume in dem Eckbau an der Wilhelmstraße und Gottfriedstraße bezogen. Er erinnert sich noch gut an die komplizierten Mietverhandlungen, die sich seinerzeit über Wochen hinzogen und in denen es auch um einen für ihn existenziellen Punkt ging: die Werbeanlage an der Außenfassade. „Meine Interessen sind sehr einfach: Ich brauche die Sichtbarkeit zur Wilhelmstraße.“ Der Eingang liegt hingegen an der kleinen Gottfriedstraße.

Im Mietvertrag wurde ihm dies auch zugesichert, und so beauftragte Poetsch eine Werbefirma, das entsprechende Schild zu gestalten, das auch den Anforderungen des Vermieters entsprach. Kein Plastik, ansehnlich gestaltet, hochwertig und letztlich rund 6000 Euro teuer.

Jahre war Ruhe an der Schilderfront, doch dann bezog die Barmer Ersatzkasse die Räume entlang der Wilhelmstraße. Und die bangte nun ihrerseits um ihre „Sichtbarkeit“, lag doch der Eingang zu ihrer Geschäftsstelle direkt unter einem „Phoenix“-Werbeschild.

Diese Irreführung der Kundschaft sei nicht länger hinnehmbar, machte Sauren Anfang der Woche per Brief an ­Poetsch geltend und verlangte die Entfernung des Schildes. Poetsch warf er vor, auf bereits im Dezember versandte Schreiben nicht reagiert zu haben. Außerdem gebe es eine Absprache, wonach Poetsch sein Schild wieder abschrauben müsse, sobald die Flächen an der Wilhelmstraße vermietet seien.

„Hanebüchen“ nennt Poetsch diese Argumentation. Er habe einen eindeutigen Mietvertrag, Nebenabsprachen seien nie getroffen worden. Und schon gar nicht hätte er 6000 Euro für ein Schild ausgegeben, das er kurzfristig hätte wieder entfernen müssen.

Sorge um den guten Ruf

Noch unglaublicher aber findet er es, dass das Schild am Mittwoch, nur wenige Stunden nach Eingang des Schreibens, plötzlich weg war. Seine größte Sorge ist nun, dass seine Kundschaft denken könnte, sein Büro „habe die Klamotten eingepackt“ und dichtgemacht. „Wir sind ein junger aufstrebender Laden, und wir sind weiterhin hier“, betont er.

Klein beigeben will er gegen eine der Größen im Aachener Immobiliengeschäft jedenfalls nicht, und schon gar nicht soll der Name „Phoenix“ von der Bildfläche an der Wilhelmstraße verschwinden. „Wir haben ja versucht, über ein neues Beschilderungskonzept ins Gespräch zu kommen“, sagt ­Poetsch. Es gebe genug Platz an der Fassade, sich auch mit der Barmer zu einigen, ist er überzeugt. Eine Reaktion sei aber ausgeblieben.

Zwischenzeitlich hat Poetsch nicht nur Strafanzeige bei der Polizei wegen Sachbeschädigung und Diebstahls gestellt, sondern einen Anwalt beauftragt. Der hat Sauren bereits aufgefordert, das Werbeschild wieder „unbeschädigt und fachmännisch“ an die vertraglich vereinbarte Stelle zu montieren. Die gesetzte Frist bis Freitagmittag ließ Sauren freilich verstreichen. Zu sehen sind weiterhin nur leere Dübellöcher.

Ob Sauren überhaupt weiß, wo das Schild ist, konnte auch durch einen Anruf der „Nachrichten“ nicht in Erfahrung gebracht werden. Er halte sich derzeit im Ausland auf und war am Freitag auch für seine Mitarbeiterinnen nicht zu erreichen, hieß es.

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