Aachen: Schiffsverkehr auf Aachens Johannisbach?

Aachen: Schiffsverkehr auf Aachens Johannisbach?

Welch ein Strom! Wer am Ufer des Johannisbachs auf dem Aachener Lindenplatz in einem Straßencafé sitzt, kann seinen Stuhl auf der einen Seite des Wasserlaufs platzieren und die ausgestreckten Füße auf der anderen.

Und das soll mal ein schiffbarer Fluss gewesen sein? Stadtarchäologe Andreas Schaub hält das zumindest für denkbar. Die Vorstellung wird befeuert durch Ausgrabungen im Innenhof des Internationalen Zeitungsmuseums an der Pontstraße. Dort interessieren sich die Archäologen für Sedimentschichten, die Rückschlüsse darauf zulassen, wo der Johannisbach in längst vergangenen Zeiten einmal entlang geflossen ist.

Schaub bewegt die Frage, wie breit und tief der Wasserlauf einmal gewesen ist und ob zu gewissen Jahreszeiten womöglich Schiffe auf ihm verkehrt haben könnten. Angesichts des kleinen Bächleins, das abgesehen von einigen hundert Metern zwischen Lindenplatz und Pontstraße vorwiegend unterirdisch durch die Innenstadt fließt, mag das unwahrscheinlich klingen.

Für den Stadtarchäologen ist es aber auch nicht wahrscheinlich, dass Aachen immer auf dem Trockenen gelegen hat. „Eine Siedlung ohne nennenswerten Wasserlauf wäre ungewöhnlich”, sagt Schaub. Derartige Verkehrswege hätte man in früheren Zeiten gebraucht, um unter anderem Baumaterial heranzuschaffen. Kähne, die mit geringem Tiefgang schwere Lasten transportieren konnten, habe es schon in römischer Zeit gegeben.

Ob solche Schiffe womöglich in früherer Zeit in einen Hafen in Aachen einlaufen konnten, soll nun durch eine Analyse der Sedimentschichten geklärt werden. Das wird etwa ein bis zwei Jahre dauern, bis zur endgültigen Antwort fließt noch verhältnismäßig viel Wasser den Johannisbach herunter.

Mehr von Aachener Nachrichten