Aachen: Schau zeigt das schöne Gesicht von Srebrenica

Aachen : Schau zeigt das schöne Gesicht von Srebrenica

„Grenzen überschreiten“ ist der Titel der Ausstellung, die am Donnerstagabend im August-Pieper-Haus eröffnet wurde. Doch das hat nichts mit dem Dreiländereck und launigen Wochenendausflügen nach Eupen oder Einkaufsnachmittagen in Vaals zu tun — zumindest nicht auf den ersten Blick. Im Fokus steht eine andere Grenzregion Europas, deren Bewohner noch in jüngster Zeit blutige, grausame Erfahrungen machen mussten: Srebrenica in Bosnien-Herzegowina.

„Srebrenica ist ein Wort, das den meisten von uns noch in den Knochen stecken dürfte“, eröffnete Hausherr Karl Allgaier seine Begrüßungsrede und erinnerte damit an das Massaker, dem 1995 während des Bosnienkrieges mehr als 8000 Menschen zum Opfer fielen. Menschen, die sich unter dem Schutz der Blauhelm-Truppen in Sicherheit wähnten und es doch nicht waren.

Pater Joso Oršolić (kleines Bild) begleitet die Ausstellung aus Srebrenica nach Aachen ins August-Pieper-Haus, wo die 40 Kunstwerke noch bis zum 4. Mai zu sehen sind. Foto: Andreas Herrmann

Die mehr als 40 Kunstwerke, die für die nächsten fünf Wochen an der Leonhardstraße zu sehen sind, erzählen von Krieg und von Versöhnung, von Hoffnung und von Trauer. Mehrfach erscheint das Motiv der Pietà, der Mutter Gottes, die um ihren toten Sohn weint, ein Hauptmotiv der christlichen Ikonographie. Andere Künstler — wie Mehmed Klepo — arbeiten ungegenständlich, mit einzelnen Farbflächen.

Poetisch und höchst verstörend

Herausragend sind die Arbeiten von Ria Trdin, „Beten“ und „Versöhnung“. Die beiden Acrylbilder sind subtil und dennoch raumgreifend gemalt, poetisch und höchst verstörend.

All diese Werke sind an der Internationalen Akademie der bildenden Künste Srebrenica entstanden. Eine Initiative des dortigen Franziskanerklosters und insbesondere von Pater Joso Oršoli, der die Ausstellung auch nach Aachen begleitet hat. Seit zwei Jahren Pfarrer in Srebrenica, ist sein großes Anliegen, Frieden und Versöhnung in einer Region zu stiften, in der noch so viele Wunden offen liegen. „Ich bin mir sicher, dass es den Künstlern gelingt, auch das schöne Gesicht von Srebrenica in die Welt hinauszutragen.“

Bis nach Aachen ist es ihnen jedenfalls schon gelungen — was Petra Hahn zu verdanken ist. Die Aachenerin wurde bei einer Kulturreise nach Sarajevo auf die Initiative aufmerksam und hat keine Mühen gescheut, die Ausstellung in ihre Heimatstadt zu holen.

Alexander Lohe, Referent des Oberbürgermeisters, erinnerte in seinem Grußwort an einige weitere Bezüge zwischen Aachen und Bosnien-Herzegowina. So an einen Hilfskonvoi, den Mitglieder der Aachener Friedensbewegung 1992 gemeinsam mit Bundeswehrangehörigen spontan organisierten. Damals gelang es ihnen, mit Hilfsgütern durch die Frontlinie des Bosnienkrieges bis in das belagerte Tuzla vorzudringen. „Das war eine beeindruckende und mutige Initiative aus der Aachener Zivilbevölkerung heraus“, so Lohe.

Mehr von Aachener Nachrichten