Schalge fordert Maßnahmen zur Personalgewinnung und -erhaltung

Städteregion als attraktiver Arbeitgeber gefährdet : „Stellenbesetzungssperre muss aufgehoben werden“

Es gibt Dinge, die können dem Personalrat einer großen Verwaltung gar nicht gefallen. Die Stellenbesetzungssperre gehört zweifellos dazu. Gerne wird sie als Mittel eingesetzt, um Kosten zu reduzieren, indem frei werdende Stellen für einen befristeten Zeitraum vakant bleiben.

Nicht auszuschließen aber ist, dass sich das in naher Zukunft ändern wird. Denn die Zeiten, in denen die Bewerber bei der Städteregion Schlange standen für einen Job, sind vorbei. Der Fachkräftemangel hinterlässt auch bei öffentlichen Arbeitgebern immer deutlichere Spuren, im konkreten Fall sind mittlerweile dutzende Stellen mangels Bewerber unbesetzt. „Das führt zu einer starken Belastung der übrigen Kollegen und damit letztlich auch zu einer Beeinträchtigung der Städterregion als attraktiver Arbeitgeber“, stellt Frank Schalge fest. Für den Vorsitzenden des Personalrats gibt es deshalb nur eine Konsequenz: „Die Stellenbesetzungssperre muss aufgehoben werden.“

Und das ist nur eine von mehreren Forderungen, die Schalge im Gespräch mit unserer Zeitung formuliert. Abgeschafft werden soll nach der Vorstellung des Personalrats auch die im Tarifvertrag zunächst auf ein Jahr befristete Übernahme von Auszubildenden. „Wir müssen junge Leute, die sich in der Ausbildung bewährt haben, sofort mit einem unbefristeten Vertrag ausstatten“, erklärt Schalge. Anderenfalls sei die Gefahr groß, dass sie sich um externe Alternativen bemühen. „Und dann verlieren wir qualifizierte Kräfte, die wir selber ausgebildet haben, an die Konkurrenz.“

Bei den Beamten müsse es zudem zügigere Beförderungen geben. „Man muss den gesetzlichen Rahmen nutzen und zum frühestmöglichen Zeitpunkt befördern.“ Das kostet natürlich Geld. „Aber dieses Geld nicht in die Hand nehmen zu wollen, wäre angesichts der Situation auf dem Arbeitsmarkt ein fatales Signal“, richtet er schon einmal einen Appell an die Politik, die sich voraussichtlich in der nächsten Sitzung des Personalausschusses am 12. Juni mit dem Thema beschäftigen wird.

Dann will der Personalrat auch seine Pläne für einen „Familienservice“ vorstellen. „Arbeitgeber, die attraktiv sein wollen, müssen heutzutage Vorsorge für ihre Mitarbeiter treffen und sie auch im privaten Bereich entlasten.“ Dieser Erkenntnis wollen die Arbeitnehmervertreter mit einem neuen professionellen Angebot Rechnung tragen und zukünftig beispielsweise Betreuungsmöglichkeiten für Kinder und Pflegeangebote für Angehörige organisieren. „Wir werden hierfür allerdings auf einen externen Anbieter zurückgreifen“, kündigt Frank Schalge an.

Die Leistungen müssen ausgeschrieben werden und sollen aus einem neuen Topf finanziert werden, den der Städteregionstag im Zuge der Haushaltsverabschiedung Ende vergangenen Jahres geschaffen hat. „Auf unsere Initiative“, wie Schalge zufrieden betont. Jeweils 100.000 Euro werden 2019 und in den Folgejahren für Maßnahmen zur Personalerhaltung und Personalgewinnung zur Verfügung gestellt. Etwa die Hälfte dieses Budgets will der Personalrat in einem ersten Schritt in den Familienservice investieren. Und noch in diesem Jahr soll es losgehen. „Wir haben keine Zeit zu verlieren“, findet Frank Schalge. „Denn der Bedarf ist groß.“ Und mit ihm die Konkurrenz.

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