Sanierung Lintertstraße läuft Planungen der Radvorrangroute zuwider

Sanierung Lintertstraße : Was Autofahrer freut, bringt Radfahrer in Rage

Autofahrer können über das frisch asphaltierte Stückchen Fahrbahn nun bequem hinwegrauschen, für Radfahrer aber ist es die reine Zumutung geworden, findet Martina Zschau von der Projektwerkstatt Fahrradfreundliches Brand.

Besonders ärgerlich aus ihrer Sicht: Die jetzt vorgenommene Fahrbahnsanierung auf der Lintertstraße hat nichts mit der Idee der Radvorrangroute zu tun, die dort zukünftig verlaufen soll.

Einigermaßen fassungslos haben die Mitarbeiter der Projektwerkstatt in den vergangenen Wochen mitverfolgt, wie an der Lintertstraße auf dem kurzen Abschnitt zwischen Sittarder Straße und Schönforststraße Fakten geschaffen worden sind, die der geplanten Radvorrangroute zwischen Brand und Innenstadt entgegenstehen. „Das hat uns völlig überrascht“, sagen Zschau und ihr Mitstreiter Herbert Kruff, die beim Ortstermin ganz praxisnah erleben, dass der ehemalige Radweg nach dem Umbau kaum mehr zu benutzen ist.

Eine neue Aufstellfläche für die Feuerwehr und neu angelegte Autostellplätze zwingen Radfahrer nun, die Fahrbahn zu nutzen. Grundsätzlich ist das zwar kein Problem, für ängstliche Radfahrer oder Kinder kann das jedoch schnell gefährlich werden. Vor allem aber widerspricht es völlig den Vorstellungen von einer komfortablen und sicheren Route für Radfahrer, die dort geschaffen werden soll und längst auch die Zustimmung aller politischen Gremien und der Verwaltung gefunden hat.

„Alle sind sich einig, aber bei der Umsetzung scheint die Koordination zwischen den Ämtern mangelhaft zu sein“, wundert sich Kruff. Dabei habe die Stadt einen sehr engagierten Mitarbeiter für die Radvorrangrouten, der aber allem Anschein nach nicht in die rund 252.000 Euro teuren Sanierungsarbeiten einbezogen worden sei.

Den Vorwurf mangelhafter Absprachen weist die Stadt allerdings zurück. Man habe den maroden Kreuzungsabschnitt sehr zügig sanieren müssen, erläutert Harald Beckers vom Presseamt. Eine weitergehende Umgestaltung im Sinne der Radvorrangroute sei hingegen nicht möglich gewesen, weil dafür noch gar keine Planungen vorhanden seien.

Es sei ein Dilemma, das für Außenstehende oftmals schwer verständlich sei, das aber vorkommen könne, sagt Beckers: Dringend notwendige Sanierungsarbeiten seien zuweilen nicht mit einer wünschenswerten Planung unter einen Hut zu bringen. Mit den notwendigen Beschlüssen zur geplanten Umgestaltung der Lintertstraße sei seiner Einschätzung nach kaum vor Ende 2020 zu rechnen.

Die kritische Situation auf dem Radweg ist laut Beckers Folge eines Hausumbaus, aufgrund dessen die Feuerwehraufstellfläche geschaffen werden musste. Die Stadt will durchsetzen, dass Autos dort nur noch längs abgestellt werden, damit sie den Radweg nicht versperren. Noch aber hält sich niemand daran, wie Zschau und Kruff immer wieder feststellen.

Und es gibt ja noch weitere Punkte, die sie zweifeln lassen, dass tatsächlich alle Mitarbeiter der Stadt die Belange der Radfahrer „auf dem Schirm haben“. Dazu zählt etwa der geplante Umbau der gegenüberliegenden Bushaltestelle, die erst nach einem Hinweis der Projektwerkstatt nochmals überplant wurde, damit sie auch zukünftig noch zur Radvorrangroute passt. Dazu zählt auch die neue Markierung einer Radfurt, die auf den alten und längst überholten kombinierten Rad-/Gehweg führt. Und dazu passen auch die Beobachtungen, die sie an der Südstraße gemacht haben, wo ein komplett neuer Straßenquerschnitt geschaffen wurde, eine komfortable und sichere Verkehrsführung für Radfahrer aber außer Acht gelassen wurde.

„Das alles vermittelt den Eindruck, dass zwar viel über Radvorrangrouten gesprochen wird, aber wenn es um die Umsetzung geht, ist es nicht mehr so wichtig und nur noch eine exotische Idee“, sagt Zschau. Kruff, der viel und gerne mit seinem Rad unterwegs ist, hat ähnliche Erfahrungen gemacht: „Immer wenn es Konflikte mit dem Autoverkehr gibt, wird zulasten der Radfahrer entschieden.“ Die Hoffnung auf ein Gelingen der Radvorrangrouten, deren Planungen seit April 2017 laufen, will er dennoch nicht aufgeben.