Aachen: Sanierung der Altstadt erfordert viel Ausdauer

Aachen : Sanierung der Altstadt erfordert viel Ausdauer

„Mit Hochdruck“, heißt es in einer am Freitag veröffentlichten Pressemitteilung, arbeite die Fachverwaltung der Stadt Aachen an der Auswertung von zahlreichen Stellungnahmen und Eingaben zum Bebauungsplan „Antoniusstraße/Mefferdatisstraße“, der auch Thema der Sitzung des Planungsausschusses am Donnerstagabend war.

„Es gibt sehr vieles, über das wir in Zukunft noch diskutieren müssen“, erklärt Harald Baal von der CDU, Vorsitzender des Planungsausschusses, im Gespräch mit den „Nachrichten“. Zunächst müsse man jedoch die Eingaben abarbeiten und sehen, welchen Einfluss diese auf die fortlaufenden Planungen im Altstadtquartier Büchel haben. „Von daher werden wir das Thema in der Fraktion nun erst einmal nicht mehr ansprechen, ehe wir keine neuen Informationen aus der Verwaltung haben“, sagt Baal.

Die Diskussion über die Frage, ob man den Rotlichtbezirk lieber außerhalb der Innenstadt ansiedeln solle, und wo, bezeichnet er als „akademische Debatte“. Er sagt: „Entweder schaffen wir es, das Altstadtquartier mit einem konzentrierten Rotlichtbezirk in der Antoniusstraße auf den Weg zu bringen, oder es tut sich viele Jahre lang gar nichts.“ Ein neues Verfahren, um ein irgendwie geartetes Laufhaus an den Stadtrand zu verlagern, würde die Planung um sicherlich zehn Jahre zurückwerfen.

Es geht nicht nur um Investoren

Ohnehin seien auf dem Weg zu einem neugestalteten Viertel im Schatten des Doms noch sehr viele Hürden zu nehmen: „Wir reden hier nicht nur über die potenziellen Investoren“, stellt Baal klar. Gemeint sind Norbert Hermanns, Gerd Sauren und die Familie Helmut Falter. Letzterer hatte bereits angekündigt, sein Engagement am Büchel ruhen zu lassen, sollte man der Aufforderung des Polizeipräsidenten, das Rotlichtviertel auszulagern, nicht nachkommen.

Die Gemengelage sei alleine dadurch sehr komplex, dass es 33 Grundstücksbesitzer in dem Bereich gibt. Hinzu kommen die Pächter, die die Bordelle betreiben — und ganz anders gelagerte finanzielle Anliegen haben dürften als die Investoren. Mindestens eine Viertelmillion Euro im Jahr, so schätzen Planungspolitiker, verdiene ein Bordellbesitzer mit einem Haus an der Antonius­straße.

„Nur andiskutiert“ habe man die Standortliste des Oberbürgermeisters, sagt Norbert Plum von der SPD. Generell herrsche aber zwischen den Fraktionen, die in der Sache teils sehr unterschiedliche Positionen vertreten, ein fairer Umgangston. „Es wird kein Porzellan zerschlagen“, erklärt Plum.

„Wir arbeiten einvernehmlich mit der Verwaltung zusammen“, erklärt auch der planungspolitische Sprecher der Grünen, Michael Rau, im Anschluss an die Sitzung des Planungsausschusses. Auch in seinen Augen ist die Suche nach einem Ersatzstandort für die Bordelle in Aachen nicht das Thema: „Wir befassen uns mit dem Bebauungsplan für das Altstadtquartier“, betont er. Das „Sträßchen“ ist dabei nur ein Randaspekt.

Anfang des kommenden Jahres will die Verwaltung dann eine fundierte Einschätzung darüber abgeben können, ob die vorliegenden Eingaben und Stellungnahmen Auswirkungen auf das bisherige planerische Konzept haben. Und erst dann können weitere Schritte im Bebauungsplanverfahren am Büchel eingeleitet werden, also die Offenlage und auch der Hochbauwettbewerb für den Südwestblock, wo heute noch das marode Parkhaus Büchel steht.

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