Aachen: Salvatorberg: Das Kloster wird verkauft

Aachen: Salvatorberg: Das Kloster wird verkauft

Der Gong in der Eingangshalle stammt aus Sri Lanka, und wenn er ertönt, wissen Gäste wie Gastgeber: Gleich gibt es was zu essen. Auf der Spitze des Salvatorbergs ist angerichtet, im kleinen Speisesaal des Oblaten-Klosters nehmen die Tischgenossen Platz - sie kommen aus aller Welt, viele geistliche Würdenträger haben in der Runde gesessen, die wunderbar stille Herberge auf ihrem steilen Hügelchen heißt denn auch kirchenintern „der kleine Vatikan”.

Doch die Tage des Ordens auf dem Salvatorberg sind gezählt: Wegen Personalmangels steht die Aachener Niederlassung der Oblati Mariae Immaculatae (OMI) vor der Auflösung, das Gästehaus wird verkauft. Wer die benachbarte Salvator-Kirche dann seelsorgerisch betreut, steht in den Sternen.

Anruf aus Mainz

„Wir bedauern das sehr”, sagt P. Hans Schöber, aber er weiß selbst am besten, dass die Zeiten sich geändert haben. Wo früher acht bis zehn Patres zu Hause waren, sind es heute noch ganze vier, der jüngste ist 70. Was die Sache nicht besser macht: Nachwuchs ist weit und breit nicht in Sicht. Schöber: „Wenn einer von uns krank wird, dann wird es ganz schwer.”

So kam vor einiger Zeit der Anruf aus Mainz, wo sich der Sitz der Mitteleuropäischen Provinz der Oblaten befindet (zuständig für Deutschland, Österreich und Tschechien). Danach war klar, dass die Tage Schöbers und seiner Mitbrüder in Aachen gezählt sind - ein genauer Termin steht nicht fest, aber es kann theoretisch ziemlich flott gehen. Dann nämlich, wenn sich zeitnah ein Käufer für Kloster und Gästehaus findet, dessen Vorstellungen mit denen der Stadt Aachen übereinstimmen.

Die Stadt spielt nämlich eine ganz wichtige Rolle bei allen Veränderungen auf dem Salvatorberg: Ihr gehört das Grundstück, sie ist sogar Eigentümerin der Kirche, sie hat den ersten Zugriff bei einem Verkauf des Klosterbaus. Sollte das Objekt an Dritte gehen, kann sie großen Einfluss nehmen auf die künftige Nutzung.

Ralf Olbrück von Pro Secur spricht daher von einem „nicht unkomplizierten Standort”, den man da in Aachen zu vermarkten habe. Die GmbH aus Köln ist Immobilienbetreuerin des Oblaten-Ordens und verfügt über einschlägige Erfahrungen - ob in Wien, Saarbrücken oder Treis-Karden an der Mosel, überall gab und gibt es wegen nachlassenden Interesses am Ordensleben Handlungsbedarf. Ein Vorgang, den nicht allein die Oblaten verkraften müssen.

Was Aachen angeht, befindet man sich laut Olbrück in der „Klärungsphase”; bis Ende des Jahres sollen mehrere Architekturbüros einmal aufschreiben, was so alles machbar wäre auf dem Salvatorberg. Schön fänden es die Beteiligten, wenn das Gästehaus unter anderer Leitung weiterbetrieben werden könnte, auch die Optionen Altenheim oder „repräsentativer Firmensitz” hätten vielleicht eine Chance.

Schicke Eigentumswohnungen oder gar eine Disco sind jedenfalls nicht angedacht, schon wegen der Verkehrsprobleme, „wir wollen ja in dieser Gegend kein neues Fass aufmachen, alles soll vernünftig ablaufen”.

Olbrück: „Wir wollen vor allem die Stadt Aachen nicht vor den Kopf stoßen. Wir könnten es uns leicht machen und ihr das Objekt gegen eine Abfindung übergeben. Aber nach den langen Jahren vertrauensvoller Partnerschaft wäre das nicht der richtige Weg.” Übers Knie brechen müsse man nichts, gleichwohl habe die Suche nach einem Käufer begonnen.

Derweil versucht die „Belegschaft” des Salvatorbergs, sich ins offenbar Unvermeidliche zu schicken - „der Mensch denkt, aber Gott lenkt”, fasst Pater Schöber die Gemütslage zusammen. Seit drei Jahren wirkt der 74-Jährige auf dem Salvatorberg, zuvor war er 20 Jahre lang in Südamerika und danach 20 Jahre in Südafrika tätig (die „Hünfelder Oblaten” sind ein missionarischer Orden). In Aachen fühlt sich der „Binger Bub” sehr wohl, denn „es ist eine wunderbare Aufgabe, die wir hier haben”.

Gäste aus aller Welt

Die Aufgabe: Seit mehr als 50 Jahren werden auf dem Salvatorberg jene Gäste untergebracht und betreut, die zu Besuch bei Misereor, Missio oder anderen Hilfsorganisationen sind. Zwölf Zimmer stehen zur Verfügung, im vergangenen Jahr wurden 1500 Übernachtungen gezählt. Viele Oberhirten wählen das Kloster der Oblaten als Quartier, der Promi-Faktor ist also recht hoch, das Wort vom kleinen Vatikan hat einen realen Hintergrund.

Und die vier prall gefüllten Gästebücher sind nicht nur Zeichen der Anerkennung, man kann auch einiges lernen bei der Lektüre. Zum Beispiel, dass die Mongolei einen eigenen Bischof hat und wie das Vaterunser auf Aramäisch aussieht - Bischof Jacques Isaac von der chaldäischen Glaubensgemeinschaft in Bagdad hat es hineingeschrieben.

Viel Lob wird verteilt für den angenehmen Aufenthalt auf dem Salvatorberg. Kein Wunder, sagt Hans Schöber, denn: „Wer hier nicht gut schläft, der hat ein schlechtes Gewissen.”