Säuberung der Stolpersteine mit Symbolgehalt

Gedenken an die Pogromnacht: Schüler haben eine saubere Idee

Als besonderes Zeichen der Erinnerung reinigten jetzt in ganz Aachen Schülerinnen und Schüler Stolpersteine, die in den vergangenen Jahren in Gedenken an die Opfer des Holocaust verlegt worden waren. „In ganz Aachen sind das inzwischen 64 Steine an 29 Stellen“, sagt Matthias Fischer, Koordinator des Netzwerks Aachener Schulen gegen Gewalt und Rassismus.

Erst Anfang des Jahres wurden auf Initiative einer Schüler-AG des Einhard-Gymnasiums unter Leitung der pensionierten Lehrerin Waltraud Felsch vier Steine für die Familie Blankenstein verlegt. Jetzt trafen sich die Schülerinnen und Schüler erneut am Neumarkt, um die Steine blank zu putzen.

Sich erinnern und nicht vergessen: Genau darum geht es auch den jungen Leuten, die sich in ihrer AG aus eigenem Antrieb mit dem Schicksal jüdischer Familien beschäftigen. „Am Neumarkt lebte die Familie Blankenstein“, erzählen sie. Max, seine Frau Gertrud und ihre Kinder Erna und Alfred. Sie hatten zwar Schutz in den Niederlanden gesucht, wurden aber letztlich nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Vier Stolpersteine erinnern heute am Neumarkt 5 an ihre Existenz. Dort haben sie gelebt, dort war ihr Zuhause.

Die Einhard-Schüler kamen zur Erinnerung an die Reichspogromnacht gerne noch einmal an den Neumarkt, um die Gedenksteine auf Hochglanz zu bringen. „Diese Steine hier sind ja noch recht neu, aber an anderen Orten sehen sie wirklich schon sehr verblasst aus“, meinen die Einhard-Schülerinnen Cara Wolf, Ava Moayeri und Felicia Lehmann. „Wir wollten den Opfern ein Gesicht geben“, sagen sie und freuen sich gemeinsam mit ihrer AG über jeden Hinweis auf weitere Familienmitglieder der Blankensteins.

Die Erinnerung an die Opfer des Holocaust lebendig zu gestalten, findet auch Matthias Fischer sehr wichtig. Er möchte anregen, dass diese zunächst einmalige Reinigungsaktion nun jedes Jahr zur Erinnerung an die Pogromnacht stattfinden soll. Auch Waltraud Felsch und ihre Schülerinnen finden diese Idee sehr schön. Sie drapieren Rosen um die blank geputzten Gedenksteine am Neumarkt, um sie so ganz besonders hervorzuheben.

Neun Schulen unterwegs

Insgesamt waren in Aachen Schüler von neun Schulen unterwegs, darunter sogar eine Grundschule. Die Kinder der KGS Passstraße reinigten Steine unter anderem in der Heinrichsallee in Gedenken an Heinrich, Selma und Ruth Levy. Und an der Friedenstraße in Haaren kümmerten sich Schüler der GHS Drimborn um die Steine für Albert, Bernhard und Emil Levy und bekamen dabei Gelegenheit, mit dem Nachfahren Hermann Levy zu sprechen. „Das hat die Schüler schon beeindruckt“, sagt Matthias Fischer, der sie als Lehrer begleitet hat.

Der erste Gedenkstein wurde in Aachen vor zehn Jahren verlegt. Nach wie vor fertigt sie der Kölner Künstler Gunter Demnig an und verlegt sie dann auch selbst. Laut Fischer geht das Projekt weiter, und im kommenden Jahr werden wieder neue Gedenksteine verlegt. Immerhin spielt die Recherche zu Opfern des Holocaustes an vielen Aachener Schulen nach wie vor eine große Rolle.

Mehr von Aachener Nachrichten