RWTH „vergisst“ Übermittlung von Datensätzen an Aseag

Datenpanne : Rund 12.000 RWTH-Studenten ohne gültiges Semester-Ticket

Wegen einer Computer-Panne haben derzeit rund 12.000 Studierende der RWTH Aachen kein gültiges Semesterticket für Busse und Bahnen. Offenbar hat die RWTH diese riesige Anzahl von Datensätzen bei der Übermittlung an die Aseag, wo die Semestertickets ausgestellt werden, „vergessen“.

Betroffen ist somit mehr als ein Viertel aller RWTH-Studierenden. Aber auch bei der Aseag kämpft man weiter mit den Folgen einer IT-Erneuerung. So haben Abnehmer des Job-Tickets seit rund einem Jahr keine Rechnungen mehr erhalten.

Die betroffenen 12.000 Studierenden der RWTH Aachen sind derzeit quasi als Schwarzfahrer in Bussen und Bahnen unterwegs - allerdings unwissentlich und ohne eigenes Verschulden. Nach Informationen unserer Zeitung wurden die nötigen Daten zur Freischaltung der aktuellen Semestertickets nicht an die Aseag weitergeleitet. Bei der Aseag selbst wurden diese Studierenden dann als nicht mehr vorhanden „aussortiert“, ihre elektronischen Tickets wurden auf „ungültig“ geschaltet.

Die Hochschule bestätigt die Panne, die sich vorletzte Woche ereignet habe. Es habe im Zuge der Übermittlung einen Fehler gegeben, die Software habe den Vorgang an einem bestimmten Punkt abgebrochen. Da zu diesem Zeitpunkt bereits 30.000 Datensätze übermittelt worden waren, sei „der Fehler nicht als Fehler erkannt worden“, sagt RWTH-Sprecher Thorsten Karbach auf Anfrage. Man habe nun Sicherheitsmaßnahmen ergriffen, damit sich so etwas nicht wiederholt. „Das tut uns gegenüber den Studierenden natürlich sehr leid“, so Karbach.

Man habe nach der Panne umgehend Gespräche mit der Aseag und dem AStA aufgenommen, um schnell zu einer Lösung für die Betroffenen zu kommen. Diese seien auch schriftlich informiert worden. In dem Schreiben heißt es, dass ihnen postalisch ein neues Semesterticket zugestellt wird.

Zudem würden die Aseag und die Verkehrsverbünde, in denen das Ticket gilt, ihre Kontrolleure informieren, dass als Zwischenlösung der Studierendenausweis in Kombination mit dem Personalausweis als Ersatz akzeptiert würden. Sollte es dennoch zu Problemen oder gar Nach- und Strafzahlungen kommen, könne man das Kundencenter der Aseag oder direkt die RWTH ansprechen. „Wir ärgern uns darüber am meisten selbst“, sagt Karbach. Bislang sei diesbezüglich stets alles reibungslos gelaufen.

Die Aseag hat derweil auch selbst noch genug mit Computerproblemen zu tun, die sich nun bereits seit mehr als einem Jahr hinziehen. Grund dafür ist laut Vorstand Michael Carmincke, dass seinerzeit die Einführung eines komplett neuen, zwölf Millionen Euro teuren Computersystems und der Beginn der Umstellung auf elektronische „eTickets“ zusammenfielen.

Da man dafür quasi auf den letzten Drücker noch neun Millionen Euro Fördergelder des Landes bewilligt bekam, hab man bei der Umstellung wegen des strengen „Förderregimes“ unter großem Zeitdruck gestanden. Dadurch kam es im vergangenen Jahr zunächst zu Pannen bei der Ausstellung von hunderten elektronischer Schülerfahrkarten und Semestertickets sowie im Buchungssystem. In einzelnen Fällen waren auch die Nutzer von Seniorentickets betroffen.

Außerdem war der Kundenservice aufgrund einer Flut von Anfragen heillos überfordert. Diese Probleme habe man wegen der großen Außenwirkung vordringlich und mittlerweile auch weitgehend erfolgreich bearbeitet.

Die Folgen eines anderen Problems versucht man dagegen aktuell noch abzuarbeiten: Seit rund einem Jahr haben Abnehmer von Job-Tickets keine Rechnung mehr erhalten. Zeitweise führte das zu Außenständen von fast drei Millionen Euro in den Aseag-Büchern. Teilweise hätten Kunden - große Abnehmer sind unter anderem die Stadt Aachen mit knapp 2500 und die RWTH mit rund 1800 Job-Tickets - aber auch Abschlagszahlungen geleistet. 25 Prozent der Rückstände habe man derzeit aufgearbeitet, so Carmincke.

Eine große Gefahr, durch diese Probleme viel Geld zu verlieren, sieht die Aseag nicht. Insgesamt gebe es etwa 70 Unternehmen als Job-Ticket-Kunden, von denen zehn Großkunden etwa 90 Prozent des Gesamtvolumens ausmachten. Bei diesen Kunden bestehe kein Grund, eine Insolvenz zu befürchtet. Auch bei der Aseag selbst hätten die Außenstände keine existenziell nachteiligen Auswirkungen. „Die Aseag ist ausreichend liquide und hat keine Zahlungsschwierigkeiten. Das ist für uns nicht kritisch.“, erklärt der Vorstand.

Unter dem Strich geht die Aseag davon aus, die Probleme mit dem neuen Computersystem bis Ende des Jahres weitgehend lösen zu können. Dann stehen auch schon neue digitale Aufgaben ins Haus. So etwa die Einführung moderner und auf elektronische Tickets ausgerichteter Fahrscheinautomaten.

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