Aachen: RWTH-Semesterstart: Maschinenbauer im Anmarsch

Aachen: RWTH-Semesterstart: Maschinenbauer im Anmarsch

Die „Erstis“ sind wieder in der Stadt: Professor Ernst Michael Schmachtenberg, Rektor der RWTH Aachen, hieß Montagmorgen gut 6300 neue Bachelor-Studierende im Audimax der Hochschule zum Semestereinstand willkommen.

Das Gros der Erstsemester versammelte sich um 11.30 Uhr in den Hörsälen an der Wüllnerstraße — die Einführung der Ingeneurswissenschaften stand auf dem Plan. Zwei Augenblicke dieses Vormittages gehören sehr wahrscheinlich in die Rubrik Momentaufnahmen: Zum einen fanden sich so gut wie alle Eingeschriebenen in den hölzernen Sitzreihen ein, zum anderen erntete Professor Schmachtenberg von seinen Zuhörern zeitweise Jubel und Beifall. „Sie wurden aus gut 40.000 Bewerbern ausgewählt, an der RWTH studieren zu dürfen“, sagte der Rektor. Ihren Stolz drückten die Studierenden mit Applaus aus.

Eine erste Erkenntnis der Bachelor-“Erstis“: Es kann eng werden in den Hörsälen. Bei der Begrüßungsrede von Professor Schmachtenberg mussten manche auf den Treppenstufen Platz nehmen. Foto: Ralf Roeger

Auch Schmachtenberg machte seinerseits keinen Hehl daraus, die Neulinge an einem Aushängeschild deutscher Universitäten zu begrüßen und zog einen Vergleich zum Fußballgeschäft: „Ich sehe die RWTH wie den FC Bayern München: Um den hohen Ansprüchen gerecht zu werden, braucht jeder hartes Training.“

Vor dem Audimax trafen sich viele Kleingruppen der jeweiligen Fachrichtungen. Bunte Plakate wie das der Fachrichtung E-Technik (rechts) erleichterten die Orientierung für die Neulinge. Foto: Ralf Roeger

Überzahl der Männer ist „egal“

Dieser Herausforderung nehmen sich momentan mehr als 41000 Studierende an; das Verhältnis männlich-weiblich liegt hier bei 69 zu 31 Prozent. Wie erwartet, sah sich Schmachtenberg bei den Erstsemestern der Ingenieurswissenschaften — diese machen mit 57 Prozent aller Studierenden den mit Abstand größten Anteil des Gesamtangebots aus — einer „homogenen Gruppe“ gegenüber.

Die Studentinnen, die sich in der Männerdomäne schlechthin an der RWTH, dem Maschinenbau, eingeschrieben haben, sehen ihre zahlenmäßige Unterlegenheit keineswegs problematisch.

„Es ist egal, dass hier so viele Männer sind. Vielleicht ist es sogar vorteilhaft — und irgendwie auch entspannter“, sagte die 21-jährige Julia aus Düsseldorf im Anschluss der Einführungsrede und ergänzte, dass „die Frauenquote steigt, auch wenn nur minimal.“

Ihre Bewerbungen an andere Universitäten konnte sie an einer Hand abzählen, das Renommee der RWTH war letztendlich der Ausschlag, Aachen als Studiums-Standort auszuwählen. Diese Ansicht teilte auch die 18-jährige Frederike aus Bottrop: „Die Universität hat einen Super-Ruf in dem Bereich und ich denke, dass ich daher später auf dem Arbeitsmarkt gute Chancen haben werde.“

In eine ähnliche Kerbe hatte bereits Professor Schmachtenberg in seiner Begrüßungsrede geschlagen und die Stellung der Ingenieurswissenschaften an der RWTH hinsichtlich ihres innovativen Charakters in der Gesellschaft und der Wirtschaft hervorgehoben.

Lockruf hallt bis nach Hamburg

Der Ruf der Ingenieurswissenschaften und der Hochschule hallt seit Jahren weit über die Landesgrenzen Nordrhein-Westfalens und hat zum diesjährigen Wintersemester auch wieder Bachelor-Aspiranten aus dem hohen Norden in die Kaiserstadt gelockt. „Ich wollte auf keinen Fall in Hamburg bleiben. Aachen war die Nummer eins“, erklärte Malte (21) seinen Umzug aus der Hansestadt ins Drei-Länder-Eck. Er habe zudem „richtig Bock auf Mathe, auch wenn es schwer wird.“

Die große Lust auf einen mathematisch-technichen Schwerpunkt leugnete auch die 19-jährige Charlotte aus dem rheinland-pfälzischen Westerwald nicht. Die Wahl ihrer Leistungskurse im Abitur mit Mathematik und Phsyik hatte ihren Weg ins Studium quasi vorgezeichnet — und dieser sollte auch nur an die RWTH führen: „Maschinenbau in Aachen war die erste Wahl. Ich habe mich auch nur hier beworben.“ Und wie ist Einstellung gegenüber der männlichen Dominanz in diesem Bereich? „Das weiß man doch, wenn man sich hier bewirbt“, sieht die Abiturientin den Start in den neuen Lebensabschnitt entspannt entgegen.

Gunnar, ebenfalls 19 Jahre alt und aus der Kleinstadt Thönse bei Hannover, freut sich neben den inhaltlichen Aspekten und dem sportlichen Angebot der RWTH noch aus einem ganz anderen Grund auf seine neue Heimat: „Ich finde es cool, endlich mal in einer Stadt mit Tausenden Gleichaltrigen zu wohnen. Bei uns im Dorf ist das doch recht übersichtlich.“

Den Kontakt zu ihren Kommillitonen können alle Neu-Studierende am Mittwoch, 8. Oktober, tagsüber bei der traditionellen Stadtrallye und am Abend bei der 35. „Aachener Shuttle Party“, die in Kooperation mit 14 Clubs und Discotheken stattfindet, knüpfen. Die Organisatoren erwarten bis zu 8000 Teilnehmer. Für den Hamburger Malte ein Grund, die Prioritäten der ersten Studiums-Woche mit einem Augenzwinkern zu setzen: „Mittwoch ist auf jeden Fall der wichtigste Tag dieser Woche.“

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