Aachen: RWTH-Rektor gratuliert schon den Erstsemestern

Aachen: RWTH-Rektor gratuliert schon den Erstsemestern

„Hey, wir sind jetzt Studenten“, ruft die junge Dame, die mit ihrer Clique in einer der vorderen Reihen im großen Hörsaal des Audimax sitzt. Was das genau bedeutet, erklärt dann RWTH-Rektor Ernst Schmachtenberg in launigen Worten. Den Himmel auf Erden verspricht er den Studienanfängern nicht.

Trotzdem erntet er am Ende seiner etwa halbstündigen Begrüßungsrede viel Applaus. Immerhin kann der Rektor den Erstsemestern schon gratulieren, obwohl die Einführungswoche gerade erst angefangen hat: „Sie haben eine der besten Entscheidungen ihres Lebens getroffen“, erklärt Schmachtenberg, denn ein Studium an der Aachener TH sei schon eine ganz wichtige Stufe auf dem Weg in die Chefetagen der Industrie.

„Wir bilden künftige Führungskräfte aus“, betont der Rektor. Diese Ausbildung sehe allerdings ganz anders aus als das, was die jungen Leute bislang in ihrer Schullaufbahn kennengelernt hätten.

Zum Beispiel die Sache mit der Pädagogik: „Haben wir hier gar nicht“, sagt Schmachtenberg. Die Zeiten, in denen Lehrer mehr oder minder erfolgreich versuchen, bei ihren Schülern Interesse für einen vielleicht eher ungeliebten Lernstoff zu wecken, sind für Studenten vorbei.

Bei ihnen geht die Hochschule davon aus, „dass Sie hier sind, weil sie genau dieses Fach lernen wollen“, so Schmachtenberg. Und lernen heißt für den akademischen Nachwuchs ab jetzt, sich das alles selbst zu erarbeiten. Einen Vorgeschmack darauf gibt schon das Begrüßungsritual des Rektors am Montagmorgen.

Die Anfänger in den Ingenieurstudiengängen werden in mehreren Schichten empfangen, Schmachtenberg spricht live im vollbesetzten großen Hörsaal, seine Worte und die Bilder seiner Präsentation werden in zwei kleinere Hörsäle übertragen.

Und anschließend müssen Hunderte „Erstis“ sich sputen, um nicht die Einführungsveranstaltung ihres Fachbereichs zu verpassen. Später dann lasse sich vieles im Studium online organisieren, erklärt Schmachtenberg. Er verschweigt aber auch nicht, dass die Anforderungen hoch und die Belastungen nicht ohne sind.

Gelegentliches Straucheln sei da „keine Schande“, betont Schmachtenberg. Und zum Abschluss weist er die Neuankömmlinge noch auf das rege Kneipenleben in Aachen hin. „Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps“, so der Rektor. Man müsse es halt sauber trennen.

(wb)