RWTH-Klimaforscher: 2018 war es in Aachen sehr warm, trocken und hell

Rekordverdächtiges Jahr : Im Juli 331 Sonnenstunden für Aachen

Das Jahr 2018 war in Aachen sehr warm, trocken und hell. Zu dieser Erkenntnis kommen die Fachleute vom Lehr- und Forschungsgebiet Physische Geographie und Klimatologie der RWTH. Sie haben für das zu Ende gehende Jahr die Daten der Klimamessstation auf der Hörn ausgewertet.

Schon die gemessene Durchschnittstemperatur ist rekordverdächtig. Mit 11,9 Grad Celsius wurde an der Klimamessstation des Geographischen Instituts die zweithöchste je in Aachen beobachtete Jahresmitteltemperatur ermittelt. Nur 2014 lag dieser Wert mit zwölf Grad noch höher.

Die Jahresmitteltemperatur liegt damit um 2,3 Grad über dem langjährigen Mittelwert, der im Zeitraum von 1901 bis 2000 an der Wetterstation des Deutschen Wetterdienstes in Aachen gemessen wurde. Seit acht Jahren war kein Jahr kühler als dieser langjährige Mittelwert, seit 1990 war dies überhaupt nur zweimal der Fall.

Besonders auffällig war nach Angaben der Experten um Professor Wolfgang Römer das Sommerhalbjahr 2018. Dabei war es in Aachen – wie in anderen Teilen Mitteleuropas – zwar nicht der heißeste Sommer, aber doch die Nr. 2 nach dem Jahrhundertsommer 2003. Die Temperaturhöchstwerte in den klimatologischen Sommermonaten Juni, Juli und August lagen mit 36,3 Grad Celsius, gemessen am 27. Juli, deutlich niedriger als der bisherige Höchstwert von 37,7 Grad Celsius (2015) und auch niedriger als 37,3 Grad Celsius im Jahr 2010 und 36,5 Grad Celsius 2003, so dass 2018 dabei Platz 4 einnimmt.

Das Temperaturmittel der Sommermonate 2018 war in Aachen mit 20,2 Grad Celsius nur wenig niedriger als 2003 (20,3 Grad), dem bisher wärmsten Sommer.

15 „heiße Tage" mit einem Temperaturmaximum von mehr als 30 Grad Celsius wurden gezählt. Normal: sind drei bis vier. Außerdem bescherte der Sommer 2018 den Aachenern 71 „Sommertage" mit einem Temperaturmaximum von über 25 Grad Celsius. Normal sind aus Sicht der Klimaforscher 54 „Sommertage“. Auch in dieser Hinsicht war das Jahr auffällig, aber nicht rekordverdächtig.

Die Anzahl der „Frosttage" (Temperaturminimum unter null Grad Celsius) war mit 43 geringer als normal (54 Tage). Die Zahl der Eistage, an denen das Temperaturmaximum unter null Grad liegt, also Dauerfrost herrscht, war mit neun Tagen ebenfalls niedriger als sonst üblich (zwölf bis 13 Tage).

Die für 2018 erwartete Niederschlagsmenge von 663 Millimetern in Aachen liegt nach den Erhebungen der RWTH-Fachleute sehr deutlich unter dem Durchschnitt der Jahre 1961 bis 1990 an der Wetterstation des Deutschen Wetterdienstes. Durchschnittlich fallen in Aachen 828 Millimeter. Seit 2003 gab es keine niedrigere Jahressumme. Damals gingen sogar nur 633 Millimeter Niederschlag nieder.

Auch im Vorjahr war der Niederschlag (765 Millimeter) bereits deutlich unterdurchschnittlich ausgefallen. Das war nach Angaben der Forscher mit ein Grund für die teils problematische Wasserversorgung in der Landwirtschaft.

Der Sommer 2018 dürfte nicht nur wegen der Wärme, sondern auch wegen der Helligkeit in Erinnerung bleiben, stellt Gunnar Ketzler vom Lehr- und Forschungsgebiet Physische Geographie und Klimatologie fest. Allein im Juli wurden mit 331 Sonnenstunden 134 mehr als üblich registriert. Das ist ein sattes Plus an Sonnenstunden von 40 Prozent.

www.klimageo.rwth-aachen.de

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