Aachen: RWTH: Futuristischer Pavillon endlich fertig gestellt

Aachen : RWTH: Futuristischer Pavillon endlich fertig gestellt

„So baut man in Zukunft“, ist Ernst Schmachtenberg überzeugt — eine nicht eben düstere Vision des RWTH-Rektors jüngst bei der Eröffnung des neuen „3T-Pavillon“ an der Mies-van-der-Rohe-Straße. Das neue, in Glasfassade gehüllte Gebäude ist das Resultat von über zwölf Jahren Forschung mit Textilbeton — und es überzeugt nicht nur aus optischen Gründen.

Aus dem althergebrachten Baumaterial Beton immer wieder etwas Neues hervorzubringen, ist seit jeher die ständige Herausforderung moderner Architektur und Bauingenieurskunst. „Es gibt stahlbewehrten Beton, aber eben auch welchen, der mit Textilfasern verstärkt wird“, erklärte Schmachtenberg. Anders als beim Stahlbeton werden hierbei keine Streben verbaut, die korrosionsanfällig sind, sondern viel dünnere und hochfeste Carbonfasern. Dadurch war es in diesem Fall möglich, die Deckenkonstruktion aus vier hyperbolischen Einzelschalen herzustellen.

Diese sechs Zentimeter dicken Konstrukte laufen zu vier Säulen zusammen und verleihen dem Glashaus eine helle Leichtigkeit — und das trotz 200 Quadratmetern überdachter Fläche. Damit sie nicht weit transportiert werden mussten, wurden die Schalen direkt neben der Baustelle von der Firma „GQ Quadflieg“ in einem Zelt in Form gebracht und per Kran auf die tragenden Säulen gehoben.

Dass es überhaupt eines Tages zur Eröffnung dieses — im technischen Sinne — futuristischen Pavillons kommen wird, war dabei keinesfalls sicher. Immer wieder stockte die Bauphase, weil die finanziellen Mittel knapp wurden. „Zwischendurch dachten wir, wir müssten das Gebäude wieder abreißen“, sagte Josef Hegger, Prodekan des Instituts für Massivbau an der RWTH.

„Jetzt aber sind wir froh und stolz, dass wir es fertig geschafft haben.“ Ein Erfolg, der vor allem durch die Rückendeckung der Studentenschaft zustande kam. „Ohne die Studenten, die die Gelder dafür bereitgestellt haben, wäre das nicht möglich gewesen“, erkannte auch der Dekan der Fakultät für Bauingenieurwesen, Dirk Vallée. Diese entscheiden über die Verwendung der Fördergelder des Landes NRW und unterstützten damit das Projekt entscheidend. Hinter vorgehaltener Hand habe aber schon so manch einer den Vergleich zu gewissen Bauvorhaben in Berlin und Hamburg gezogen, wie ein Studentensprecher schmunzelnd anmerkte.

Elf Institute

Über zwölf Jahre interdisziplinärer Entwicklung waren nötig, um den Textilbeton technisch soweit zu erforschen, dass er effizient im Gebäudebau eingesetzt werden kann. Im Sonderforschungsbereich „Textilbewehrter Beton“ arbeiteten elf Institute unter der Leitung von Hegger. Eine gedeihliche Zusammenarbeit, wie sich erkennen lässt. In Zukunft wird der Pavillon den Studenten als Lernraum zur Verfügung stehen. So können sich die künftigen Baupioniere vielleicht vom berühmten Blick an die Decke inspirieren lassen.

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