Aachen: RWTH eröffnet „Center for Next Generation Processes and Products“

Aachen : RWTH eröffnet „Center for Next Generation Processes and Products“

Wo früher noch Parkplätze waren, wird heute an der Zukunft geforscht. Am Mittwoch wurde an der Forckenbeckstraße auf dem Campus Melaten das „Center for Next Generation Processes and Products“ (NGP 2) eröffnet.

Gleich fünf RWTH-Lehrstühle, die zuvor über das ganze Stadtgebiet verteilt waren, arbeiten an dem neuen Standort nun unter einem Dach. Davon versprechen sich Land, Bund und RWTH neue Erkenntnisse in der sogenannten Bioökonomie.

„Unser Ziel ist der Wandel von einer erdölbasierten zu einer erneuerbaren Energieversorgung“, sagte Thomas Rachel, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesbildungsministerium. Man wolle damit ein Stück Verantwortung im Kampf gegen den Klimawandel übernehmen. Er erwartet, dass auch die kritischen Aspekte dieser Forschung berücksichtigt werden. Diese beziehen sich vor allem auf die Nutzung von Wasser und Boden, die zur Produktion von Biomasse benötigt werden und damit teilweise mit dem Anbau von Lebensmitteln konkurrieren.

Auch RWTH-Rektor Ernst Schmachtenberg plädierte dafür, bei der Forschung die gesellschaftliche Akzeptanz im Auge zu behalten. „Wir müssen in diesen politisch unruhigen Zeiten zeigen, dass die Investitionen der Gesellschaft in die Forschung auch sichtbare Resultate bringt“, sagte er. Der Neubau mit seinen 11.000 Quadratmetern Mietfläche hat immerhin rund 50 Millionen gekostet. Das Geld kam zu einem Teil aus dem Bundesbildungsministerium und zum anderen vom Land Nordrhein-Westfalen.

Das Herzstück des NGP 2 wird eine dreigeschossige Bioraffinerie sein, mit deren Hilfe die Umwandlung von Holz- und Grünmasse zu Biokraftstoffen erforscht wird. Vor allem wird es darum gehen, möglichst klimaneutrale Wertschöpfungsketten zu entwickeln und Produktionsprozesse in großem Maßstab zu testen. Am neuen Standort arbeiten Chemiker, Biologen und Biotechnologen zusammen.

Langfristig, so sagte Abteilungsleiter Dirk Meyer vom NRW-Forschungsministerium, könne in der Region ein grenzübergreifender Standort für führende Bioökonomie-Forschung entstehen. „Klimawandel und Ressourcenknappheit betreffen schließlich alle und sind daher auch nur gemeinsam zu bewältigen“, sagte er in Anspielung auf den Austritt der USA aus dem Pariser Klimaabkommen. Daran werden im NGP 2 ab jetzt rund 200 Forscher und sieben Institute mit Hochdruck arbeiten — denn die knappste Ressource ist noch immer die Zeit.

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