Aachen: Rusalka-Ensemble organisiert für die Theaterinitiative ein „Dinner auf der Bühne“

Aachen: Rusalka-Ensemble organisiert für die Theaterinitiative ein „Dinner auf der Bühne“

Der Saal ist in warmes beige-rotes Licht getaucht, die Gesellschaft hat sich zu Tisch begeben. Zur Vorspeise gibt‘s ein Oboenkonzert von Alessandro Besozzi, als Hauptgang wird Theodor Storms „Knecht Ruprecht“ und Bachs „großer Gott und starker König“ gereicht. Zum Dessert laben sich die Gäste an „Have yourself a merry little christmas“ und Henri Duparcs „Chanson Triste“.

Als Beilagen gibt‘s Lachs-Spinat Terrine, gefüllte Kalbsbrust und Orangenmousse. Und zwischendurch tosender Applaus und laute „Bravo“-Rufe.

Obwohl das „Dinner auf der Bühne“ der Theaterinitiative Aachen wegen des aufwändigen Bühnenbildes der Oper „Rusalka“ ins Spiegelfoyer des Stadttheaters verlegt werden musste, gestaltete sich der Abend bühnenreif. Für das zehnköpfige Ensemble von „Rusalka“ aus neun verschiedenen Nationen war es eine Möglichkeit, Lieder und Gedichte zu präsentieren, die sie an ihre Heimat erinnern. So stieg Schauspielerin Alice Lackner auf die Bühne und verkündete „Ich komme nicht aus Deutschland, sondern aus Bayern“, just bevor sie ein bayrisches Weihnachtslied anstimmte.

„Wir wollen mit diesem besonderen Abend den Freunden und Förderern der Theaterinitiative danken und natürlich auch neue Mitglieder anwerben“, erklärte Wolfram Hüttemann, stellvertretender Vorsitzender des Vereins. 2002 als Bürgerinitiative gegründet und seit 2006 eingetragen als gemeinnütziger Verein, möchte die Theaterinitiative das Theater fest in der Aachener Gesellschaft verankern. Die Philosophie: „Das Theater lieben heißt auch: Mitmachen bei der Theaterinitiative.“ Zurzeit hat der Verein rund 300 Miglieder, doch die treibenden Kräfte der Theaterinitiative wollen mehr.

Von den Mitgliedern werden keinesfalls nur finanzielle Spenden erwartet, denn im Zweifelsfall brauche man auch Persönlichkeiten die ihre Stimme für die Seite des Theaters erheben, betont er. „Aachen braucht Kultur, um zu atmen, denn diese Facette macht die Stadt lebenswert und gibt ihr eine Identität“, fügte Hüttemann hinzu. Daher wolle sich die Initiative dafür einsetzen, „dass nicht aus Haushaltsgründen in der Kultur geschnitten wird“, forderte er. Sein heimliches Ziel ist, die Mitgliedschaft in der Theaterinitiative so attraktiv zu machen, dass die Leute stolz darauf sind, mit von der Partie zu sein. „Kultur in Aachen, heißt Theater in Aachen, das ist wichtig“, sagte auch die erste Vorsitzende Ingrid Böttcher.

Im Moment dreht sich die Arbeit und das Engagement der Theaterinitiative um drei Projekte. „Erste Schritte“ ist seit 2009 eine Art Karrieresprungbrett, um in der Theater- und Bühnenwelt Fuß zu fassen. Die Teilnehmer werden finanziell gefördert und besetzen verschiedene Rollen bei Aufführungen am Stadttheater. Ehemalige Stipendiaten stehen jetzt auf den Bühnen der Welt, ob an der Berliner Staatsoper oder der ersten Oper in Salzburg. Die Stipendiatin des letzten Jahres, Camille Schnoor, sahnte schon drei Preise ab.

„Das Ziel ist die Stimme zu perfektionieren und sie in jungen Jahren auch zu schonen. Durch das Stipendium müssen die Sänger nicht jeden Auftrag annehmen“, erklärte Böttcher. Die diesjährige Stipendiatin Soetkin Elbers aus Flandern in Belgien sieht „Erste Schritte“ als einmalige Chance und Inspiration. „So etwas wünschen sich alle, es ist wie eine Brücke zwischen Studium und Beruf“, sagte die 27-Jährige dankbar. „Überall wird Erfahrung erwartet und genau hier kann ich sie sammeln.“ Umso mehr hat sie sich darüber gefreut, vor den Mitgliedern der Theaterinitiative singen zu können. „Man merkt, dass die Leute das Theater lieben“, sagte sie mit einem Lächeln.

Das zweite Projekt „Theater für alle“ dreht sich um Jugendliche aus theaterfernen Kreisen und soll ihnen helfen, die Schwelle zu überwinden und mitzumachen. „Eine Theaterpädagogin bereitet die Besuche vor und die Kinder und Jugendlichen können sich die Vorstellungen und Stücke selbst aussuchen“, erklärte Goetz Dyckerhoff vom Sozialwerk Aachener Christen, einem Träger des Projekts.

Einmalige Chance

„Jugend macht Theater“ wurde 2012 vom ehemaligen Stadtdirektor Wolfgang Rombey initiiert. Gemeinsam mit dem Fachbereich Kinder, Jugend und Schule der Stadt Aachen und dem Theater werden Kinder und Jugendliche aus Aachen Ost und Nord an das Schauspiel herangeführt. Denn Theater habe auch immer etwas mit Bildung zu tun und gerade für benachteiligte Jugendliche sei dies eine einmalige Chance. „Das hat letztes Jahr wunderbar geklappt und die Jugendlichen haben viel Selbstbewusstsein gewonnen“, fügte Rombey hinzu.

In der Zukunft sieht Ingrid Böttcher die Theaterinitiative als eine Kraft, die mit die Bürger mit Nachhaltigkeit an das Theater bindet und diese Bindung auch als selbstverständlich empfunden wird. „Wir hoffen, dass wir eines Tages auch Stipendien für mehrere Berufe rund ums Theater wie etwa Musiker oder Bühnenbildner finanzieren und fördern können“, blickte Wolfram Hüttemann in die zukunft.