Aachen: Rund 900 Bäume fallen der Erweiterung des Klinikums zum Opfer

Aachen : Rund 900 Bäume fallen der Erweiterung des Klinikums zum Opfer

Die Politiker hörten die Zahl zum ersten Mal und sie haute sie um. Im Bereich des Universitätsklinikums ist für 600 zu pflanzende Ersatzbäume angeblich weit und breit kein Platz. Im Ausschuss für Umwelt und Klimaschutz reagierten die Politiker geschockt, verärgert und wütend.

In den nächsten 15 bis 20 Jahren wird bekanntlich das Gebiet rund ums Klinikum auf mehreren tausend Quadratmeter Fläche völlig umgekrempelt. Umbauten und Ergänzungen in einer Größenordnung von 750 Millionen Euro werden das Bild gewaltig verändern, etwa durch das riesige Operationszentrum auf einem Großteil des heutigen Parkplatzes und durch das geplante Parkhaus.

Beate Hoffmann vom Fachbereich Umwelt wartete mit der Hiobsbotschaft auf. Von der Kullenhofstraße bis über die heutige Parkplatzfläche hinaus werde es städtebaulich zu einer „gewaltigen Verdichtung“ kommen. Vier Bebauungspläne seien betroffen. Hoffmann rückte mit den Zahlen heraus, die den Umweltpolitikern förmlich das Blut in den Adern gefrieren ließen.

„In diesem Bereich fallen 900 Bäume den Maßnahmen zum Opfer“, sagte Hoffmann. Laut Baumschutzsatzung müssen für sie im Sanierungsgebiet in räumlicher Nähe neue Bäume gepflanzt werden. Für die 900 sind aber erst 300 Standorte gefunden.

Wohin also mit den anderen 600 Ersatzbäumen? Laut Baumschutzsatzung muss der Bauherr einen Ausgleich zahlen, wenn er keinen Ersatz anbieten kann. Klinikum und Land müssten 350.000 Euro berappen. „Geld ist aber nicht der Weisheit letzter Schluss“, sagte Beate Hoffmann.

Aufgebracht reagierte CDU-Vertreter Alexander Gilson. Er ist Bezirksbürgermeister des Stadtteils Laurensberg, zu dessen Einzugsbereich das Klinikum gehört. „600 Bäume, die nicht mehr im direkten Umfeld angepflanzt werden können. 600, das ist viel, das ist eine Zahl, die ich heute zum ersten Mal höre“, empörte sich Gilson. Als Bezirksbürgermeister von Laurensberg fühle er sich „verarscht“, habe sich doch auch die Bezirksvertretung schon Stunden mit der Problematik beschäftigt, ohne von der Zahl zu hören. „So sollten man nicht mit uns Kommunalpolitikern umgehen“, schimpfte Gilson.

„Herr Gilson hat mir aus der Seele gesprochen“, sagte Kaj Neumann von den Grünen. „Das ist eine Wahnsinnszahl, da muss man schlucken“, zeigte sich Heike Wolf (SPD) „schockiert“. Für Iris Lürken hat die Ausgleichszahlung von 350.000 Euro „für 600 Bäume von doch mindestens 80 Zentimeter Umfang den Charakter eines Ablasshandels“. Unter starkem Beifall ihrer Kollegen und aus den Zuhörerreihen sagte sie: „Wir sagen von hier aus: Nein, wir wollen keinen Ausgleich, wir wollen Bäume!“

Der Umweltausschuss folgte einstimmig einem Vorschlag von Alexander Gilson. Er nahm den Sachstandsbericht der Verwaltung „zur Kenntnis“, fügte dem Beschluss aber einen Absatz klipp und klar hinzu: „Der Ausschuss erwartet, dass die Ersatzpflanzungen im Geltungsbereich der Baumschutzsatzung vollzogen werden.“ Heißt: Alle 900 zu fällenden Bäume sind durch neue im direkten Klinikum-Umfeld zu ersetzen.

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