Rund 350 Fahrradfahrer nehmen in Aachen am „Ride of Silence“ teil

„Ride of Silence“ : Starkes Zeichen für mehr Sicherheit für Radfahrer

„Die Stimmung ist gut, und die Stadt ist aufgewacht“, sagt Organisator Jan van den Hurk am Mittwochabend mit Blick auf den „Ride of Silence“. Traditionell fährt dabei ein Fahrradkorso die Orte an, an denen Radfahrer zu Tode gekommen sind. An den dort aufgestellten weißen Geisterrädern versammeln sie sich für eine Gedenkminute.

Für Kerstin Paul ist es ein ganz besonderer Tag. Sie kannte die Frau, die im Februar an der Vaalser Straße verunglückt war, und hat seitdem die Fahrradsaison noch nicht wirklich wieder eingeläutet. Mit ihren Begleitern kritisiert sie die Situation für Radfahrer in Aachen, und die drei nehmen dabei kein Blatt vor den Mund.

Reiner Nerlich ist seit 30 Jahren mit dem Rad in Aachen unterwegs und sagt, dass in dieser Zeit nichts besser geworden sei. Obwohl ihm noch nie etwas passiert sei, habe er schon viele Beinahe-Unfälle erlebt. „Radfahren in Aachen ist gefährlich.“ Das meinen auch Kerstin Paul und Elke Wölfle. Trotzdem fährt Elke Wölf­le fast immer mit dem Rad zur Arbeit ins Uniklinikum. Die Teilnahme am „Ride of Silence“ ist für sie selbstverständlich. Auch die Unterschriftenliste zum Radentscheid haben die drei schon unterschrieben. Denn sie wünschen sich, dass das Radfahren in Aachen endlich sicherer wird.

Jan van den Hurk, der nicht nur den „Ride of Silence“ organisiert, sondern auch zum Radentscheid-Team gehört, ist da ganz optimistisch, auch wenn er einräumt, dass diese Veränderungen Zeit brauchen. Aber er ist überzeugt, dass sich die Situation für Radfahrer künftig verbessern werde.

Anne Stockmeyer, Fahrradfreundliches Eilendorf, blickt konzentriert auf einen Stadtplan, der Aufschluss über die Route gibt. Vom Sammelpunkt am Hauptbahnhof geht es an diesem Mittwoch Richtung Hansemannplatz, dann weiter zum Ponttor, Schanz, Vaalser Straße und schließlich über die Franzstraße zurück zum Markt. Ein großes Polizeiaufgebot sichert den Fahrradkorso ab. So entspannt wie an diesem Tag sind die Radler sonst eher selten unterwegs. Heute müssen sie sich keine Gedanken über andere Verkehrsteilnehmer machen: keine Busse, keine Lkw, die ihnen gefährlich werden könnten.

Ride of Silence: Demo erinnert an getötete Radfahrer

Rund 250 Teilnehmer hatten sich angemeldet, rund 350 sind letztendlich gekommen. Auch Andreas Düspohl, Leiter des Zeitungsmuseums, hat sich unter die Radler gemischt. „Ich bin seit 30 Jahren nur mit dem Rad unterwegs“, sagt er, betont aber, dass das in Aachen wirklich nicht ungefährlich sei.

Nach einer guten Stunde Fahrt in kollektivem Schweigen kommen die Radler schließlich am Markt an und beenden den Tag mit einem Klingelkonzert. Dass so viele gekommen sind, wertet Jan van den Hurk als gutes Zeichen auch für den Radentscheid: Er hatte in seinem Lastenrad 4000 Unterschriftenlisten dabei, die offensichtlich auch beim „Ride of Silence“ rege nachgefragt wurden.

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