Rund 250 Menschen demonstrieren in Aachen für mehr Lohn

GEW und Verdi : Kaum Einschränkungen durch Warnstreik in Aachen

Mehr Lohn und mehr Gerechtigkeit für Angestellte des Landes: Mit diesen Forderungen sind am Dienstag rund 250 Männer und Frauen in Aachen auf die Straße gegangen. Die Auswirkungen des Warnstreiks von Verdi und GEW auf den Regelbetrieb in Schulen, der RWTH und der Uniklinik Aachen waren indes gering.

An einem regulären Dienstag stünde Annette Dornebusch jetzt vor ihrer sechsten Klasse in der Hauptschule Burtscheid. Englisch steht auf dem Stundenplan. Doch statt Vokabeln an die Tafel zu schreiben und Grammatikregeln zu erklären, hat die 59-Jährige eine rot-weiße Fahne in der Hand, einen GEW-Schal um den Hals gewickelt und pustet beherzt in eine Trillerpfeife. „Wir sind es wert“ und „Weil es um mehr geht“ steht auf den zahlreichen Plakaten und Transparenten, die die rund 250 Teilnehmer des Demonstrationszugs auf ihrem Weg von den Kurpark-Terrassen in Burtscheid zum Elisenbrunnen in die Höhe halten.

Die Gewerkschaft Verdi und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hatten für Dienstag im Regierungsbezirk Köln zu Warnstreiks aufgerufen, nachdem bei den Tarifverhandlungen für den öffentlichen Dienst der Länder auch die zweite Verhandlungsrunde am vergangenen Donnerstagabend ergebnislos zu Ende gegangen war. Sie fordern unter anderem sechs Prozent mehr Lohn, mindestens aber 200 Euro. Azubis sollen nach Ansicht der Gewerkschaften monatlich 100 Euro mehr erhalten. Neben Aachen gab es am Dienstag auch in Köln und Bonn regionale Streikkundgebungen. Dass Annette Dornebusch zu den Anwesenden am Elisenbrunnen gehört, ist für die Hauptschullehrerin eine Selbstverständlichkeit. Sie kritisiert vor allem, dass angestellte Lehrer im Vergleich zu ihren verbeamteten Kollegen deutlich weniger Geld verdienen. Eine nicht nachvollziehbare „Ungerechtigkeit“ sei das. „Schließlich leisten wir dieselbe Arbeit.“

An Wertschätzung mangelt es auch nach Ansicht von Marlene. Die junge Frau, die ihren kompletten Namen nicht in der Zeitung lesen will, absolviert an der Aachener Uniklinik eine Ausbildung zur Krankenpflegerin. Statt Kittel hat sie an diesem Morgen zur Streikweste gegriffen. „Gerade angesichts des Pflegemangels ist es wichtig, mehr Geld zu investieren, um den Beruf attraktiver zu machen“, sagt sie.

Dass diese Forderungen mehr als gerechtfertigt seien, davon ist Sebastian Krebs, stellvertretender GEW-Landesvorsitzender, überzeugt. „Das kostet die Länder Millionen. Das wissen wir. Doch das ist berechtigt, weil unsere Arbeit eine gute Bezahlung verdient“, sagt er zur Begeisterung der Streikteilnehmer am Elisenbrunnen. Nicht nur Angestellte des Landes haben sich vor der Rotunde versammelt. Auch einige Beamte, wie etwa Björn Schrader, zeigen sich solidarisch – in ihrer Freizeit wohlgemerkt. Denn Beamte dürften zwar selbst nicht streiken, seien aber durchaus von den Ergebnissen der Tarifverhandlungen betroffen, da sich diese mit einem Jahr Verzögerung auch auf die Besoldung der Beamten auswirke, erklärt Schrader, der für die Stadt Aachen tätig ist.

Abgesehen von vorübergehenden Straßensperrungen für den Demonstrationszug sind die Konsequenzen des Warnstreiks auf das Alltagsgeschäft in Aachen nur gering. „An der RWTH sind keine nennenswerten Auswirkungen auf den Regelbetrieb spürbar“, teilte Universitätssprecher Thorsten Karbach am Nachmittag mit. Auch an der Uniklinik sei es zu keinen nennenswerten Einschränkungen gekommen, sagte Mathias Brandstädter, Leiter der Stabsstelle Unternehmenskommunikation, auf Anfrage.

Viktor Petje, Verdi-Geschäftsführer für den Bezirk Aachen/Düren/Erft, ist mit der Resonanz dennoch zufrieden. „Wir könnten natürlich mehr sein, nach oben ist noch viel Luft. Aber für den ersten Auftakt können wir zufrieden sein.“ Ob diese Botschaft auch bei den Arbeitgebern ankommt, dürfte sich spätestens am 28. Februar zeigen. Dann beginnt in Potsdam die nächste Verhandlungsrunde.

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