Aachen: Rund 20 Millionen Euro? Neuer Marktliner hat plötzlich Chancen

Aachen : Rund 20 Millionen Euro? Neuer Marktliner hat plötzlich Chancen

Jede Krise bietet neue Chancen — nach diesem Motto können viele Aachener Politiker inzwischen sogar den Abgasbetrügereien der Autoindustrie etwas Gutes abgewinnen. Denn die Stadt kann sich offenbar berechtigte Hoffnung auf eine zweistellige Millionenförderung aus Berlin für eine emissionsfreie Mobilität machen.

Rund 20 Millionen Euro hält Oberbürgermeister Marcel Philipp für durchaus realistisch, wie er am Mittwoch in der Ratssitzung erklärte. Die Chancen seien groß, dass damit schon bald Realität wird, was noch wie eine Zukunftsvision klingt: ein hochmoderner selbstfahrender Elektrobus in der Altstadt zum Beispiel.

Der Dieselgipfel, an dem auch OB Philipp Anfang September im Berliner Kanzleramt beteiligt war, macht‘s möglich. Aachen ist eine derjenigen Städte, die wegen miserabler Luftwerte von Dieselfahrverboten bedroht ist und denen nun schnell geholfen werden soll. Eine Milliarde Euro sind insgesamt 28 Großstädten in Aussicht gestellt, um bis Mitte nächsten Jahres die Gerichte milde zu stimmen, die sich mit den Klagen der Deutschen Umwelthilfe befassen müssen.

Welche Luftreinhalteprojekte in den einzelnen Städten gefördert werden sollen und nach welchen Kriterien das Geld verteilt wird, muss noch geklärt werden, führte der OB aus, der erst am Dienstag von einem weiteren Treffen in Berlin zurückgekehrt ist. Er zeigt sich zuversichtlich, einen „angemessenen Teil“ nach Aachen holen zu können.

Zwei große Oberthemen

Beste Chancen auf eine Förderung hätten alle Projekte unter den Oberthemen Elektrifizierung und Digitalisierung. Und da stehe Aachen auch dank der Hochschulforschung gut da. Längst werden hier Elektrofahrzeuge in unterschiedlichsten Größen gebaut, da sollte auch ein autonomfahrender „Marktliner“-Bus kein Problem sein.

Was sonst noch förderfähig sein könnte und wie viel Geld womöglich die Stadt selbst noch beisteuern muss, soll bis Anfang November feststehen. Schwierig ist das Verfahren wegen des enormen Zeitdrucks und der aktuell fehlenden Handlungsfähigkeit der Bundesregierung. Bis Mitte nächsten Jahres soll das Geld im Grunde schon ausgegeben werden.

Denkbar ist vieles — von der Anschaffung weiterer Elektrobusse bis hin zum Ausbau der Radinfrastruktur. Vor allem die Grünen haben bereits sehr konkrete Vorstellungen, über die sie gerne hätten abstimmen lassen. Doch am Ende verständigten sich zunächst alle darauf, dem OB für seine weiteren Verhandlungen in Berlin ausdrücklich den Rücken zu stärken. Die Förderanträge sollen sich an den Zielen des bestehenden Luftreinhalteplans orientieren und nun zügig formuliert werden.

Einzig die AfD wollte da nicht mitstimmen. Mit ihr werde es keine autofreie Stadt und „kein Zurück zur Kutsche“ geben, sagte Mohr. Davon hatte allerdings auch sonst keiner geredet.

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