"Rückhalt"-Geschäftsführerin Agnes Zilligen kritisiert Bischof

Vergebliche Bemühungen um ein Gespräch : „Ein ganz schlechter Stil des Aachener Bischofs“

Am Anfang hat sich Agnes Zilligen nur gewundert. Mittlerweile aber ist sie richtig sauer. Bis es so weit war, hat es eine ganze Weile gedauert: ziemlich genau drei Monate. So lange versucht sie mittlerweile vergeblich, einen Kontakt zu Bischof Helmut Dieser oder Generalvikar Andreas Frick herzustellen.

„Ich habe im Januar aus der Zeitung erfahren, dass das Bistum Aachen beabsichtigt, eine externe und unabhängige Anlaufstelle für Opfer sexualisierter Gewalt einzurichten“, berichtet die Geschäftsführerin von „Rückhalt“. Der Verein berät und unterstützt seit vielen Jahren Mädchen und Frauen in der gesamten Städteregion, die Opfer sexueller Gewalt geworden sind. Im vergangenen Sommer wurde das Angebot auf betroffene Männer ausgeweitet. „Wir sind die Fachstelle schlechthin für die gesamte Städteregion und als solche auch anerkannt. Deshalb wollte ich mit dem Bischof da-
rüber sprechen, was das Bistum genau plant.“

Den ersten Versuch machte Agnes Zilligen mündlich. „Am Telefon wurde mir aber gesagt, ich möge bitte eine Mail schreiben.“ Gesagt, getan. Doch eine Antwort erhielt sie nicht. Mehrfach hakte Zilligen in der Folge telefonisch und schriftlich nach – ohne Erfolg.

Mitte April verfasste sie deshalb einen Brief an Andreas Frick mit dem Verweis „persönlich und dringend“ und gab ihn im Generalvikariat ab. Darin stellte sie unter anderem die Frage, warum „Rückhalt“ mit seinen drei Beratungsstellen bisher nicht angesprochen worden sei. Und warum der Verein bei der vom Bistum vermeldeten Gründung einer Arbeitsgruppe zur Entwicklung von Standards und Empfehlungen für die geplante Anlaufstelle nicht berücksichtigt worden sei. „Aber auch darauf gibt es bis heute keine Reaktion“, stellt die Geschäftsführerin kopfschüttelnd fest.

Inhaltlich will Agnes Zilligen den Vorgang nicht weiter kommentieren. Sehr deutlich aber äußert sie sich zu der aus ihrer Sicht verweigerten Kommunikation: „Das ist ein ganz schlechter Stil des Aachener Bischofs. Ich weiß nicht, warum das so ist. Aber ich habe den Eindruck, dass wir gezielt ausgeblendet werden.“

Derlei Vermutungen weist das Bistum von sich. Auf Anfrage unserer Zeitung erklärte Stefan Wieland, Leiter der Stabsabteilung Kommunikation im Bistum und Sprecher von Helmut Dieser, am Freitag: „Es war uns wichtig, der multiprofessionell besetzten Arbeitsgruppe und ihren Empfehlungen für die unabhängige Anlaufstelle für Betroffene von sexualisierter Gewalt nicht vorzugreifen.“ Und er verwies darauf, dass Bistumsreferentin Alexandra Schiffers in der Zwischenzeit „mehrere gute Gespräche“ mit Agnes Zilligen geführt habe.

Schiffers ist Referentin des Bistums und dort für die Koordination der Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger in der katholischen Kirche zuständig. Und sie hat in der Tat, wie Zilligen bestätigt, in dieser Woche Kontakt zu ihr aufgenommen. „Allerdings erst, nachdem ich angekündigt habe, die Presse zu informieren.“ Und: „Ich habe um ein Gespräch mit dem Bischof oder dem Generalvikar und um die Beantwortung meiner Fragen gebeten. Aber darauf ist sie nicht eingegangen.“

Immerhin könnte nach gut drei Monaten nun doch noch Bewegung in die Angelegenheit kommen. Auf die Nachfragen unserer Redaktion bei der Pressestelle des Bistums reagierte Sprecher Stefan Wieland am Nachmittag mit dem Hinweis, dass sich Andreas Frick per Mail bei Agnes Zilligen melden werde. Ob es auch zu einem persönlichen Gespräch kommen wird, ließ er allerdings offen.

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