Aachen: Rudolf Henke zählt zu den Spitzenverdienern im Bundestag

Aachen: Rudolf Henke zählt zu den Spitzenverdienern im Bundestag

Der Aachener Bundestagsabgeordnete und Ärztefunktionär Rudolf Henke (CDU) hat es erneut auf die Liste der zehn Spitzenverdiener im Deutschen Bundestag des Internetblogs „abgeordnetenwatch.de“ geschafft. Mit seinen vielen einträglichen Nebenjobs hat er demnach seit Beginn der Legislaturperiode im November 2013 bis heute mindestens 252 000 Euro hinzuverdient.

Nachdem vor fünf Jahren vor allem der frühere Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) die Republik mit seinen Nebenverdiensten in Wallung versetzt hat, finden sich inzwischen ausschließlich Vertreter der Unionsparteien auf der Liste der Top Ten.

Weit abgeschlagen bleiben weiterhin die beiden Aachener Bundestagsabgeordneten Ulla Schmidt (SPD) und Andrej Hunko (Linke). Letzterer verzeichnet überhaupt keine Nebenverdienste, Ulla Schmidt hat im Laufe der Legislaturperiode bisher mindestens 40 000 Euro hinzuverdient — als Mitglied des Philips-Aufsichtsrats und als Beiratsmitglied der K&S Sozialbau AG.

Darüber wird Henke nur müde lächeln können, der bereits vor Jahren gegenüber den „Nachrichten“ zugab, „ordentlich nebenher“ zu verdienen. Seine Haupteinnahmequelle ist weiterhin seine Präsidentschaft der Ärztekammer Nordrhein, die ihm monatlich mindestens 7000 Euro zusätzlich einbringt, es kann aber auch mehr als doppelt so viel sein.

Der Grund für diese Unklarheit ist, dass die Bundestagsabgeordneten nicht die genaue Höhe ihrer Nebeneinkünfte bekanntgeben müssen, sondern lediglich „Stufen“ angeben. Im Falle der Henke-Präsidentschaft ist dies „Stufe 3“ für monatliche Einkünfte zwischen 7000 und 15 000 Euro. Als Vorsitzender der Ärztegewerkschaft Marburger Bund verzeichnet Henke weitere Monatseinnahmen zwischen 3500 bis 7000 Euro. Die Allianz Krankenversicherung, das St. Antonius Hospital Eschweiler und die Deutsche Ärzteversicherung tragen ebenfalls zu einem ansehnlichen Salär bei.

Jede Einrichtung überweist jährlich zusätzlich zwischen 7000 und 15000 Euro an Henke für seine Dienste. Seine Nebenverdienste sind damit höher als die Diät des Bundestagsabgeordneten von derzeit monatlich 9082 Euro. Der Blog „abgeordnetenwatch.de“ geht davon aus, dass die Nebeneinkünfte in Wahrheit noch wesentlich höher sind, da nach den geltenden Veröffentlichungsregeln des Bundestags immer noch viele Einkünfte verschleiert werden könnten.

Der Blog fordert daher „die Offenlegung aller Nebeneinkünfte vom ersten Euro bis zum letzten Cent sowie die namentliche Nennung aller Geldgeber“. Nur so würden sich finanzielle Abhängigkeiten und mögliche Interessenkonflikte offenlegen und kritisch hinterfragen lassen.

Für eine Stellungnahme war Henke nicht zu erreichen. Zuletzt hatte er jedoch stets darauf verwiesen, dass er seine parlamentarischen Pflichten zu keinem Zeitpunkt vernachlässigt habe. Zudem kämen seine beruflichen Erfahrungen und Kenntnisse sowie sein ärztliches Fachwissen auch der Arbeit des Bundestages zugute.

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