Aachen: Rotlichtmeile: Aachens Grüne begeistert vom Vorbild Antwerpen

Aachen : Rotlichtmeile: Aachens Grüne begeistert vom Vorbild Antwerpen

Antwerpen ist nicht Aachen. Doch das, was eine kleine Delegation der Grünen bei einem Besuch der flämischen Hafenstadt gesehen hat, genauer gesagt im Rotlichtviertel, könnte in ihren Augen ein wichtiger Denkanstoß sein für die Planungen rund um das Büchel-Quartier.

„Die Stadt Antwerpen hat ihr Rotlichtviertel auf drei Straßen im Schipperskwartier am alten Hafen konzentriert“, erklärt Melanie Seufert, frisch gebackene Fraktionssprecherin der Grünen, bei einem Pressegespräch am Montag. Gemeinsam mit der Prostitutionsbeauftragten habe man eine Begehung durchgeführt und festgehalten: Prostitution geht nach Ansicht der Grünen fairer und transparenter als in Aachen — und vor allem sauberer.

„Das Antwerpener Modell ist für uns ein Best Practice-Beispiel dafür, wie man Prostitution offen in die Stadt integrieren kann“, sagt Seufert. Im Jahr 1999 hätten sich alle betroffenen Akteure gemeinsam an einen Tisch gesetzt und seien das Thema Quartierserneuerung konzeptionell angegangen: Stadt, Polizei, Gebäudeinhaber. 2005 stand alles. „Dabei hat der Antwerpener Bürgermeister moderiert, nicht torpediert“, sagt Seufert und spielt auf die Liste von Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp mit alternativen Standorten für das Rotlichtmilieu an.

Wichtig seien den belgischen Planern folgende Aspekte gewesen: die Reduzierung der Kriminalität, keine Nachteile mehr für die Bewohner des Viertels, die bessere Versorgung der Prostituierten und die Eindämmung und Beherrschbarkeit der Prostitution.

Entstanden ist unter anderem ein Gesundheitshaus, in dem die Prostituierten kostenlos und anonym ärztlich behandelt werden. Erbaut hat das Haus die Stadt Antwerpen, betrieben wird es mit Hilfe von Krankenversicherungen. Keine Prostituierte darf in Antwerpen arbeiten, ohne bei der Stadt registriert zu sein. „Es gibt offiziell keine Zuhälter, nur Mietverträge zwischen den Gebäudebesitzern und den Sexarbeiterinnen“, erklärt Seufert.

Wichtig sei auch die Dienststelle der Polizei im Rotlichtbezirk, zwischen den Fenstern, in denen die Damen ihre Dienste anbieten. „Es geht um Sichtbarkeit, um Kontakt- und Vertrauensaufbau“, sagt Seufert. Das könne auch in Aachen funktionieren.

Natürlich gebe es auch in Antwerpen noch Probleme, beispielsweise durch illegale Prostitution in Wohnungen. Doch eine Verbesserung der Verhältnisse habe man durch den lohnenswerten Kraftakt in Belgien definitiv erreicht.

(slg)
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