Aachen: „Rote Flotte“ weist zunehmend Lücken auf

Aachen: „Rote Flotte“ weist zunehmend Lücken auf

Eins möchte Dr. Ortrud Kamps gleich zu Beginn klarstellen: „Ich bin keine Querulantin“, sagt die 43-Jährige. „Als gebürtige Öcherin fahre ich seit Jahrzehnten mit der Aseag und bin immer zufrieden gewesen.“ Das Aachener Busunternehmen sei eigentlich sehr zuverlässig. Eigentlich.

Doch in der vergangenen Woche hat Ortrud Kamps andere Erfahrungen machen müssen. Gleich zwei Mal — einmal in Walheim, einmal in Brand — wartete sie vergeblich auf ihren Bus, der sie zur Arbeit in die Stadt bringen sollte. Freitagmorgen fielen sogar zwei Linien (65 und 70) hintereinander aus. Die Folge: „Ich kam zu spät zur Arbeit.“ Neben den Problemen, die das mit sich bringt, ärgert sich die Akademikerin vor allem über fehlende Informationen seitens der Aseag. „Sonst hätte ich mich ja auf die ausfallenden Fahrten einstellen können.“

Und dabei handele es sich keinesfalls um Einzelfälle. „Ein Herr, der mit mir an der Haltestelle wartete, erzählte, dass in letzter Zeit jede Menge Busse nicht gekommen sind“, erzählt Kamps den „Nachrichten“.

„Wir haben in den letzten beiden Wochen mit einem leicht erhöhten Krankenstand zu kämpfen“, bestätigt Unternehmenssprecherin Anne Linden. Angesichts der dünnen Personaldecke bei der Aseag komme es so eben zu den vermehrten Ausfällen. „Uns tut jede einzelne Fahrt leid, die ausfallen muss“, so Linden. Daher werde quasi bis kurz vor der Fahrt versucht, sie durch Umdisponierungen doch noch mit einem Fahrer zu besetzen. Das habe allerdings zur Folge, „dass es für uns unheimlich schwierig ist, die Kunden rechtzeitig zu informieren, wenn die Fahrt dann doch ausfällt“, erklärt die Sprecherin. „Wir haben 2000 Haltestellen, die können wir unmöglich mit kurzfristigen Aushängen bestücken.“ Auch eine „halbstündige Aktualisierung im Internet“ sei nicht möglich. „Stattdessen übernehmen auch Mitarbeiter aus der Werkstatt oder Verwaltung, die einen Busführerschein haben, zu Spitzenzeiten einzelne Fahrten, die andernfalls ausgefallen wären.“

Erhöhte Krankheitsanfälligkeit

Die dünne Personaldecke bei der „roten Flotte“ begründet Anne Linden mit den Folgen von abgeschlossenen Restrukturierungsmaßnahmen in der Vergangenheit. Hinzu komme eine erhöhte Krankheitsanfälligkeit durch die Belastungen des Berufes bei den meist älteren Fahrern. Doch es werde gegengesteuert. „Seit Jahresbeginn haben wir bereits 34 neue Fahrer eingestellt“, so Linden. Bis zum kommenden Jahr sollen noch rund zehn hinzukommen, so dass die Aseag dann über rund 425 Fahrer verfügen wird.

Direkt hinters Steuer können aber auch die Neuen nicht. „Die meisten müssen erst den Busführerschein machen und geschult werden“, sagt Linden. Aber immerhin: Besserung sei in Sicht.

Das tröstet Dr. Ortrud Kamps freilich wenig. „Mir wäre es lieber, es würden noch fünf Fahrten mehr ausfallen, wenn ich nur vorher darüber informiert würde. Dann würde ich einen Bus früher nehmen.“ Der aktuelle Zustand hingegen sei existenzbedrohend. „Wenn ich dauernd zu spät zur Arbeit komme, verliere ich irgendwann meinen Job.“

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