"Rote Burg" am Aachener Büchel ist offiziell eröffnet worden

Kultur in Aachen : Im Büchel-Museum ist ein Traum wahr geworden

Mehr als ein Jahr lang hat er alle Kräfte mobilisiert, um seinem Traum konkrete Gestalt zu geben – und was für eine! Vor wenigen Tagen hat Jörg von der Laage mit zahlreichen Helfern, Sponsoren und Ehrengästen aus Politik und Verwaltung eine Art doppeltes Comeback im Haus am Büchel Nummer 14 gefeiert.

In den 60ern und 70ern nämlich hat der heute 71-jährige Psychotherapeut dort, in der nachgerade legendären Studentenpinte „Charly’s Leierkasten“, manches frisch Gezapfte verinnerlicht. Im November 2017 ist er zurückgekehrt – als frisch gebackener Hausherr. Von der Laage hat die ehemalige Bürgervilla, erbaut anno 1450, gekauft und mit enormem Aufwand saniert, um das betagte Baudenkmal in einen Kulturhort zu verwandeln, der seinesgleichen sucht. Und damit, apropos Comeback, einem ehemals berühmten, heute abseits der Fachwelt beinahe vergessenen Künstler auf seine Weise ein Denkmal zu setzen.

Bereits Anfang Dezember haben viele neugierige Aachener ihrerseits begonnen, die „Rote Burg“, alias Büchel-Museum, quasi zurückzuerobern. Die meisten, und nicht nur in Ehren ergraute ehemalige Stammgäste der urigen Altstadtkneipe, werden dabei aus dem Staunen nicht mehr herausgekommen sein. Denn von der Laage hat die alte Patriziervilla nicht nur mit reichlich Liebe zum Detail umgestaltet – von der Fassade über die raffinierte LED-Beleuchtung unter der Decke im Parterre bis hin zu den feinstens restaurierten Bodenfliesen im mittelalterlichen Gewölbekeller. Er hat damit zugleich das perfekte Interieur für seine wahre Passion geschaffen. Rund 200 Originalwerke des einst hochverehrten Malers, Zeichners und Illustrators Emil Orlik (1870-1932), zusammengetragen in den vergangenen 20 Jahren, präsentiert er nun im Haus am Büchel.

Stolzer Hausherr: Jörg von der Laage hat das neue Schmuckstück am Büchel mit enormem Aufwand und erlesenen Werken von Emil Orlik aufpoliert. Foto: ZVA/Harald Krömer

Der gebürtige Prager Orlik galt – unter anderem – als einer der versiertesten Schöpfer von Lithografien und Radierungen seiner Epoche. Viele große Zeitgenossen buhlten um seine Gunst. Berühmte Literaten wie Gerhart Hauptmann und Rainer Maria Rilke zählten zu seinem Freundeskreis. Ihre Konterfeis sind am Büchel nun genauso zu bewundern wie Porträts von Einstein, Mahler, Richard Strauss, Schopenhauer oder auch Leo Trotzki. Orlik wirkte nicht nur viele Jahre als Professor in Berlin, er war in jedem Sinn ein Wanderer zwischen den Welten, sagt von der Laage. „Er war ein Globetrotter, der seine Fähigkeiten vor allem in Arabien und Fernost ständig weiterentwickelt hat. Man kann sagen, dass er die handwerklichen und die kreativen Fertigkeiten seines Genres nach Jahrhunderten als einer der ersten wieder in seinen Arbeiten vereinigt hat.“ Von den japanischen Meistern habe der Künstler etwa gelernt, extrem aufwendige Lithografien auf bis zu zehn Steinplatten herzustellen. Feinste Pinselzeichnungen, raffiniert gearbeitete Aquarelle und Holzschnitte aus von der Laages umfangreicher Sammlung zeugen ebenso von seinem vielseitigen Können.

Anlass genug also, die neue Adresse in Sachen Kulturstandort im Kreise etlicher Helfer und Unterstützer, darunter OB Marcel Philipp, Bürgermeisterin Marianne Conradt, Alt-OB Jürgen Linden und Ex-Ministerin Ulla Schmidt, nun auch offiziell einzuweihen. Philipp lobte von der Laages Eigeninitiative als hervorragenden Beitrag auch vor dem Hintergrund der geplanten Neugestaltung des Altstadtquartiers. Wenige Stunden vor dem internen Festakt hatte von der Laage seinen jüngsten Stolz, einen frisch restaurierten französischen Flügel aus dem Jahr 1924, Richtung Büchel lotsen können, um auch einer musikalischen Ouvertüre die rechte Note zu verleihen. Denn mit Professor Herbert Görtz, Leiter der Musikhochschule, will er in Kürze weitere Konzerte am Büchel organisieren. „All das“, sagt er froh, „wäre ohne die Hilfe vieler Sponsoren und die hervorragende Zusammenarbeit mit allen beteiligten Ämtern keinesfalls möglich gewesen.“ Inzwischen sei der Förderverein des neuen Museums auf 73 Mitglieder angewachsen. „Und ich hoffe sehr, dass es noch viele mehr werden.“

Auch dieser Wunsch könnte wohl in Erfüllung gehen: Zu bewundern ist die „Rote Burg“ donnerstags, freitags, samstags und sonntags, jeweils von 12 bis 18 Uhr.

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