Aachen: Rot-Gelb Aachen: Den Billardsport entscheidend mitgeprägt

Aachen : Rot-Gelb Aachen: Den Billardsport entscheidend mitgeprägt

Vom allgemeinen Kneipensterben blieb der „Burghof“ in Eilendorf verschont. Die vier Billardtische im großen Saal neben dem Schankraum werden ihren Teil dazu beigetragen haben. Hier finden die Spieler des Pool-Billard-Clubs Rot-Gelb Aachen seit Jahren ideale Trainingsbedingungen.

Auf den Regalen an der Wand stehen unzählige Pokale, die von einer spannenden Vergangenheit erzählen, und ums Vielfache vergrößerte Zeitungsartikel dokumentieren die Erfolge. Werner Ertel, viele Jahre der erste Vorsitzende des Vereins, erzählt von Deutschen Meisterschaften, von Europameisterschaften und von Zeiten, in denen der Club gleich in zwei Bundesligen vertreten war.

Heute lehnt er sich entspannt zurück: Den Vorsitz hat er abgegeben, und die einst so quirlige Jugendabteilung existiert nicht mehr. „Die jungen Leute sind für Billard nicht mehr zu begeistern“, sagt er, „und wenn doch, wandern sie ab, sobald sie erfolgreich sind“.

40 Jahre gibt es den Pool-Billard-Club Rot-Gelb Aachen nun schon. Der runde Geburtstag wurde groß gefeiert, eine Festschrift erzählt von der Vereinsgeschichte. Angefangen hatte alles in Stolberg, hier wurde der Club vor 40 Jahren gegründet. In der Satzung vom 16. März 1977 wurden die Ziele festgelegt: Das Pool-Billard durch Clubkämpfe und Turniere zu verbreiten, war eines davon.

Und wer den Geschichten von Werner Ertel zuhört, wird schnell bemerken, dass gerade das gelungen ist. Björn Jansen, Vorsitzender des Stadtsportbunds, und Dieter Schwan, erster Vorsitzender des Pool-Billard Verbandes Rheinland West, loben Ertels Verdienste um den Billardsport in der Festschrift in den höchsten Tönen.

Die Billardtische in Ertels Lokal sind Wettkampftische. Wer höflich fragt, darf daran spielen. Die „Profis“ haben ihre eigenen Queues, die sie in speziellen Köchern transportieren. Beim „8-Ball“ werden die 15 Kugeln im Dreieck angeordnet, die schwarze Acht ist die letzte, die versenkt wird. Aber es gibt auch andere Varianten. Beim „14-1 endlos“ sagen die Spieler vor dem Stoß an, welche Kugel sie versenken wollen. Das Spiel ist dann zu Ende, wenn einer der Spieler eine zuvor festgelegte Punktzahl erreicht hat.

„Beim Billard spielt sich viel im Kopf ab“, meint Ertel. Und das gilt vor allem wohl auch für die „Winkelberechnung“. „Einfallswinkel gleich Ausfallswinkel, das wissen wir schon aus der Mathematik“, sagt er und führt gleich einmal vor, wie die Kugel gestoßen werden muss, um ans gewünschte Ziel zu gelangen.

Und der Punkt, an dem sie getroffen wird, spielt dabei eine erhebliche Rolle. Üben, üben und noch mal üben ist laut Ertel der einzige Weg zum Erfolg. Und wer es so richtig drauf hat, der versenkt beim „14-1 endlos“ 160 Kugeln, ohne dass der Gegenspieler überhaupt zum Zuge kommt. „Aber das gelingt wirklich nur den Besten“, meint Ertel.

Über viele Jahre hat er den Billardsport entscheidend mitgeprägt, sei es als Bundessportwart der Deutschen Billard Union, als Landessportwart des Billard Landesverbandes Mittleres Rheinland oder immer noch als Sportwart des Pool-Billard Verbandes Rheinland West. Und noch immer hat der 76-Jährige die Daten und Orte der großen Erfolge seines Vereins im Kopf. Rudi Zick war demnach 2013 der letzte Europameister des Vereins.

Während Ertel den Spielern zusieht, wie sie ihre Kugeln versenken, denkt er auch an seine zweite Leidenschaft: das Radrennfahren. Auch hier war Ertel erfolgreich, auch hier hat er ein ums andere Mal gewonnen: „Rund um Düren“ beispielsweise, aber auch eine Reihe von Rennen in Hamburg. Eine vergilbte Collage von alten Zeitungsausschnitten zeugt von dieser Zeit. Und Ertels Augen blitzen, als er sich daran erinnert. „Auf dem Treppchen zu stehen und die Nationalhymne zu hören, das ist mit Gold nicht zu bezahlen“, sagt er.

Viele Siege errungen

In der Festschrift zum 40-jährigen Bestehen zieht er ein Resümee mit Blick auf den Billard-Club. „Wenn wir zurückblicken, ist der Pool-Billard Club Rot-Gelb Aachen nicht nur sportlich erfolgreich“, schreibt er. Denn mehrere seiner Mitglieder seien mit dem Karlssiegel beziehungsweise mit dem silbernen Becher der Stadt Aachen ausgezeichnet worden und viele andere mit Ehrennadeln und Ehrenmitgliedschaften. Und sicher könnte Werner Ertel zu jedem der unzähligen Pokale in seinem Lokal eine Geschichte erzählen. Auch er selbst hat den einen oder anderen Sieg errungen.

Björn Jansen wünscht den Aktiven in der Festschrift weiterhin viel Erfolg und spannende Turniere. Und genau das werden sich wohl auch Werner Ertel und die Aktiven wünschen.

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