Aachen: Rolling Stones für Karlspreis vorgeschlagen

Aachen: Rolling Stones für Karlspreis vorgeschlagen

Fritz Pleitgen hat ordentlich aufs Blech gehauen neulich im Rathaus. Bei der Verleihung des Marketing-Preises kritisierte der ehemalige WDR-Intendant die Rituale bei der Karlspreisverleihung und fragte rhetorisch, warum die Auszeichnung nicht mal den Rolling Stones verliehen werde. Die Steilvorlage nutzte der Rolling-Stones-Club Aachen/Stolberg umgehend und schlug die Stones für den Karlspreis vor. Die „Nachrichten“ sprachen mit Clubmanager Manfred Engelhardt über die Idee.

Soll das ein Witz sein?

Karlspreis für die Stones, fordert Manfred Engelhardt. Foto: Ralf Roeger

Engelhardt: Wir meinen das durchaus ernst, auch wenn Fritz Pleitgen das etwas flapsig gesagt hat. Die Rolling Stones sind schließlich lebende Legenden.

Was haben die Stones denn bislang zur europäischen Verständigung beigetragen?

Engelhardt: Sie haben bei ihren Auftritten überall Stürme der Begeisterung ausgelöst. Ihr Song „Street Fighting Man“ war die Hymne der 68er-Bewegung, die den Muff unter den Talaren weggeblasen hat. Mick Jagger besingt die Missstände in der Gesellschaft. Die Band hat im früheren Ostblock gespielt, in Warschau, Prag und Moskau. Nach dem Mauerfall haben sie es geschafft, nachdem sie vorher immer wieder abgewiesen worden waren.

Wäre gerade vor diesem Hintergrund nicht Udo Lindenberg mit seinem Sonderzug nach Pankow die bessere Wahl für den Karlspreis?

Engelhardt: Udo Lindenberg ist da sicher vergleichbar in seinem Bemühen, über die Mauer zu kommen. Und ein Udo-Lindenberg-Club könnte durchaus auf den Gedanken kommen, ihn für den Karlspreis vorzuschlagen. Aber Udo Lindenberg ist eher eine deutsche kulturelle Größe. Auf europäischer Ebene ist er nicht so populär. Bei den Rolling Stones ist das schon etwas anderes. Die haben mittlerweile ein Publikum, das mehrere Generationen umfasst, da gehen die Opas und die Enkelkinder zu den Konzerten. Wer weltweit so eine große Fangemeinde hat, der hat den europäischen Gedanken ja schon gelebt.

Mit dem Argument der großen und internationalen Beliebtheit ließe sich auch eine Verleihung des Karlspreises an das Münchener Oktoberfest oder den VW Golf begründen.

Engelhardt: Es geht schon um Personen. Die Bewegung, die letztlich zum Fall der Mauer geführt hat, wurde von Menschen getragen. VW ist aber ein Konzern. Das wäre etwa so, als würde man nicht die Rolling Stones mit dem Karlspreis auszeichnen, sondern ihr Produkt, also ihre Musik.

Fritz Pleitgen hat in seiner Rede nicht nur den Karlspreis erwähnt, sondern auch den Orden wider den tierischen Ernst. Dort werde immer verzweifelt nach Prominenten gesucht, meint er. Könnte ein Karlspreis für die Rolling Stones nicht ähnlich aufgefasst werden?

Engelhardt: Natürlich sind die Stones Promis, sie sind sogar weltweit prominent. Aber bei unserem Vorschlag sehen wir nicht auf ihre Prominenz, sondern auf ihre Verdienste. Außerdem hat Fritz Pleitgen selbst die Stones ins Spiel gebracht. Er hat zwar gesagt, diese Idee sei nicht von ihm. Aber er hat diesen Gedanken ausgesprochen, und das war für uns die Inspiration. Natürlich könnte man auch die Beatles vorschlagen, doch die Band gibt es nicht mehr. Aber die Stones sind noch da.

Wer sollte für die Stones denn die Laudatio halten?

Engelhardt: Es sollte ein Impresario sein, der für die Auftritte der Stones in Deutschland Sorge getragen hat. Der große Impresario Fritz Rau ist leider tot, aber es gibt da sicher noch andere, die da in Frage kommen. Aber es wäre auch vorstellbar, dass der große Stones-Fan Wolfgang Niedecken von BAP die Laudatio hält.

Im Rahmen ihrer Tour kommen die Stones im kommenden Frühjahr nach Deutschland. Würde es da passen mit der traditionellen Preisverleihung an Christi Himmelfahrt, oder müsste das dem Tourneeplan der Band angepasst werden?

Engelhardt: Die Stones würden sich mit Sicherheit nach dem üblichen Procedere richten. Außerdem geben die kein Konzert an Christi Himmelfahrt.

Mehr von Aachener Nachrichten