Aachen: Rollator im Flur: Gehhilfe als Hindernis

Aachen: Rollator im Flur: Gehhilfe als Hindernis

Für die einen eine echte Hilfe, für andere ein störendes Hindernis: Ihren Rollator dürfe sie nicht im Treppenhaus abstellen, wurde einer 79-jährigen Burtscheider Seniorin jetzt von ihrer Vermieterin schriftlich mitgeteilt. Das sei „allein aus feuertechnischen Gründen (Einhaltung des Fluchtweges bei Brand) nicht gestattet”.

Nun fragt sich die Seniorin, wo sie ihre Gehhilfe parken soll. In ihre Wohnung im Obergeschoss des Mehrfamilienhauses könne sie das Ding wohl kaum mitnehmen, erklärt ihr Sohn gegenüber den „Nachrichten”. Die ältere Dame sei nicht mehr gut zu Fuß, eben deshalb brauche sie ja den Rollator.

Solche Parkprobleme mit den Gehhilfen sind kein Einzelfall. Hans Knops, der Geschäftsführer des Mieterschutzvereins Aachen kann daran quasi den demografischen Wandel festmachen: „Wegen der Überalterung der Gesellschaft gibt es heute weniger Scherereien wegen Kinderwagen im Hausflur”, sagt Knops, „heute sind es mehr die Rollatoren.”

Die müssten Vermieter letztlich wohl hinnehmen, meint Knops. „Wenn die Nutzung des Hausflurs dabei nicht beeinträchtigt wird, gehört das zum ordnungsgemäßen Gebrauch der Mietsache.”

Aber wo fängt die Beeinträchtigung an? Ein Durchkommen müsse schon noch möglich sein, meint Knops. In dem Schreiben an die Burtscheider Seniorin ist von einem Fluchtweg von mindestens 80 Zentimetern Breite die Rede.

Zudem verweist die Vermieterin darauf, dass die Feuerwehr vermehrt in Mehrfamilienhäusern die Einhaltung der Brandschutzverordnung überprüfen wolle.

Fluchtweg muss sein

Das mache die Wehr schon seit langem, weiß Rita Klösges vom städtischen Presseamt. Wenn Anzeigen vorlägen, würde denen natürlich nachgegangen. Und natürlich würde ständig „im üblichen Umfang” kontrolliert. „Man lernt ja aus Katastrophen”, sagt Klösges mit Blick auf die tragischen Brandunglücke an der Lütticher und der Trierer Straße vor einigen Wochen.

Natürlich müsse ein Fluchtweg vorhanden sein, betont die Mitarbeiterin des Presseamtes, „ein Flur ist kein Lager”. Entsprechend wenig Gefallen finden die Feuerwehrleute an Treppenhäusern, die mit allerhand womöglich noch brennbaren Möbeln vollgestellt sind.

Allerdings werde kein großes Fass aufgemacht, wenn eine Gehhilfe im Hausflur so abgestellt sei, dass der daneben verbleibende Fluchtweg nur noch 78,4 Zentimeter breit ist. „Das ist kein feuerwehrtechnisches oder bauordnungsrechtliches Problem”, so Klösges.

Ein rechtliches sollte es auch kaum sein, meint Axel Bierganz, Rechtsberater beim Sozialverband VdK. Er sieht die 79-jährige Burtscheiderin „relativ auf der sicheren Seite”. Das Abstellen eines Rollators im Flur müsse gestattet werden, wenn es keine andere Möglichkeit gebe, erklärt Bierganz mit Verweis auf ein Urteil des Landgerichts Hannover aus dem Jahr 2005.

Und als „andere Möglichkeit” gelte ein Gehhilfenparkplatz nur dann, wenn er barrierefrei erreichbar sei. Das könne etwa ein ebenerdiger Abstellraum sein, erklärt Bierganz, aber eben nicht der Keller oder ein Eckchen eine Treppe höher.

„Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg”, appelliert Rita Klösges an die Kompromissbereitschaft beider Seiten in solchen Fällen. Es gehe eben auch um das „sozialverträgliche Zusammenleben” in größeren Mehrfamilienhäusern. „Man sollte sich vernünftig einigen können.”

Zusammengeklappt im Flur

In Burtscheid hat das offenbar auch funktioniert: Der umstrittene Rollator stehe jetzt zusammengeklappt unten im Hausflur, berichtet der Sohn der 79-Jährigen.

Damit sei eine für alle Seiten akzeptable Lösung gefunden, erklärt die Vermieterin gegenüber den „Nachrichten”. Damit seien auch die übrigen Mieter im Haus zufrieden und fühlten sich nicht gestört.