Jugendtheaterfestival : Rohestheater nimmt erneut am Projekt Bina Mira teil

Jugendtheaterfestival : Rohestheater nimmt erneut am Projekt Bina Mira teil

Ein kleiner Junge erzählte einst von seiner Flucht vor dem Bosnienkrieg. Er erzählte es Heinz Jussen, Gründer und Vorsitzender des Aachener Netzwerks für humanitäre Hilfe und interkulturelle Friedensarbeit.

Daraufhin machte sich Jussen 1992 auf in den Balkan, um mehr von diesem Krieg zu erfahren, um zu helfen und zu verändern. Inzwischen war Jussen dutzende Male in Bosnien und rief nach und nach immer mehr Hilfsaktionen ins Leben. Eine davon ist das Jugendtheaterfestival Bina Mira, was übersetzt Friedensbühne bedeutet.

„Wir hätten nicht gedacht, wie groß das alles wird“, sagte Eckhard Debour während der derzeitigen Theaterproben in der Mies-van-der-Rohe-Schule, dem Aachener Berufskolleg für Technik. Debour ist Leiter des dortigen Rohestheater. Er war es auch, mit dem Jussen vor zehn Jahren in Kontakt trat, um bosnischen Jugendlichen durch Theater Perspektiven zu bieten.

Wichtige Begegnungen

Debour war der erste, der mit seiner Theatergruppe in die Stadt Tuzla fuhr, um Jussens Vorhaben zu verwirklichen. Und noch heute, Jahre nach dem Bosnienkrieg, sieht Debour Handlungsbedarf: „Aktuelle politische Entwicklungen fordern, dass sich die Jugendlichen weiterhin begegnen.“ Es seien diese Begegnungen und Austauschmöglichkeiten, die stärken und helfen würden — und das auf beiden Seiten.

Zum zehnten Mal nun findet das Festival Bina Mira statt. In der Zwischenzeit ist die Veranstaltung deutlich gewachsen und fand nicht nur in Bosnien, sondern unter anderem auch in Aachen und Eupen statt.

Jetzt hat sich Debour mit den zehn Schülern des aktuellen Ensembles nach Tuzla aufgemacht. Dort werden die jungen Schauspielerinnen und Schauspieler das Stück „Hier kommt keiner durch“ aufführen — auf Serbokroatisch. Es ist ein Schauspiel, das sich mit aktuellen Fragen der Migration auseinandersetzt.

„Bewusstsein für politische Entwicklungen“ solle bei den Jugendlichen geweckt werden, erklärte Debour. Und das gelinge dem Theater in herausragender Form. „Es verbindet alle Kunstformen“, erläuterte er.

Das Festival Bina Mira trägt ganz praktisch Früchte. Sowohl Gruppen aus Polen, Rumänien und Serbien als auch das Agora Theater aus Belgien und eine Theatergruppe der Alsdorfer Gesamtschule reisen dieses Jahr in die Festivalstadt Tuzla. Und auch die Aachener Teilnehmer scheinen vom gesellschaftspolitischen Theater und seinen friedensstiftenden Möglichkeiten überzeugt zu sein, wenn sie beim Proben zum Song „I will survive“ begeistert durch den Saal tanzen. Dann lebt in ihnen genau die Freude, die sie in Bosnien teilen möchten.

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