Rinderherpes: Fast 700 Kühe müssen in Aachen getötet werden

Krankheit wird bei Routineuntersuchung entdeckt : Rinderherpes bricht in drei Aachener Betrieben aus

Der Ausbruch kommt ziemlich überraschend, schließlich gilt Deutschland seit einigen Jahren als „BHV1-freie Zone“: Im Aachener Stadtgebiet aber ist jetzt in gleich drei landwirtschaftlichen Betrieben das hochansteckende Bovine-Herpesvirus 1 nachgewiesen worden.

Das hat Detlef Funken, Pressesprecher der Städteregion, auf Anfrage bestätigt. Nach Informationen unserer Zeitung sind insgesamt fast 700 Milchkühe betroffen. Sie werden alle im Aachener Süden gehalten und sollen auf Anordnung des Veterinäramtes in den nächsten Tagen geschlachtet werden, um eine weitere Ausbreitung der Krankheit, die im Volksmund auch Rinderherpes genannt wird, zu verhindern.

„Es handelt sich um eine sehr komplexe Angelegenheit und für die betroffenen Betriebe sicherlich um einen schweren Schlag“, erklärt Funken, unterstreicht aber zugleich: „Es besteht keinerlei Gefahr für die Bevölkerung. Weder durch den Kontakt mit den erkrankten Tieren noch durch den Verzehr von Fleisch oder Milch ist eine Übertragung auf den Menschen möglich.“

Allerdings können Menschen zur Verbreitung des Virus beitragen, wenn sie mit den Tieren in Berührung gekommen sind. Nicht auszuschließen ist das beispielsweise bei Tierärzten, Besamern oder Klauenpflegern – und natürlich bei Landwirten. Wohl auch deshalb hat das Veterinäramt in dieser Woche die Milchbauern aus der Städteregion zu einem Gespräch eingeladen.

Dass die Rinderseuche wieder ausbrechen konnte, obwohl sie in Deutschland als ausgerottet gilt, erklärt Georg Grooten mit Aachens grenznaher Lage. „In Belgien und den Niederlanden wird leider gar nichts zur Bekämpfung des ­BHV1-Virus getan“, beklagt der stellvertretende Kreislandwirt aus Seffent. Das habe in den vorliegenden Fällen für die betroffenen Betriebe schwerwiegende Folgen. Zwar zahlt das Land Nordrhein-Westfalen ebenso wie die Tierseuchenkasse eine Entschädigung für die zu tötenden Tiere. „Die kompensiert aber bei weitem nicht den tatsächlichen Schaden, mit dem der Landwirt rechnen muss, und auch nicht den ideellen Schaden“, kritisiert Grooten.

Prophylaktische Impfung nicht erlaubt

Eine prophylaktische Impfung ist unterdessen laut Landesverordnung auch in Grenzgebieten seit dem 1. Juli 2015 nicht mehr erlaubt. Das Impfverbot ist eine Voraussetzung für die Anerkennung als BHV1-freie Zone. Und das Impfen wird zudem als unangemessen eingestuft, weil rein statistisch gesehen, so erläutert Gregor Grooten, die Zahl der erkrankten Tiere bei unter 0,2 Prozent des Gesamtbestandes liegt. Zu ihnen zählen jetzt auch die knapp 700 Kühe aus dem Aachener Süden. Nach Angaben der Städteregion gibt es in Nordrhein-Westfalen derzeit rund 17.000 Milchviehbetriebe mit etwa 1,5 Millionen Stück Vieh.

Statt der Impfung sind in NRW regelmäßige Kontrollen in den Betrieben vorgeschrieben. Demnach müssen die Landwirte alle sechs Monate nachweisen, dass ihre Tiere gesund und somit seuchenfrei sind. Das BHV1-Virus lässt sich sowohl im Blut als auch in der Milch nachweisen. Auf diesem Wege ist dann auch der Ausbruch der Krankheit in einem ersten Aachener Betrieb nachgewiesen worden. „Zu den Maßnahmen, die daraufhin ergriffen werden, gehört auch die Untersuchung der Umgebung des Hofes in einem Radius von drei Kilometern“, berichtet Detlef Funken. Bei dieser ist das Veterinäramt dann auf infizierte Kühe von zwei weiteren Landwirten gestoßen.

Ob sich der Ausbruch der Seuche auf die jetzt ausgemachten drei Betriebe beschränkt oder weitere Fälle auftreten könnten, ist noch nicht abzuschätzen. Die Untersuchungen des Veterinäramtes sind jedenfalls noch nicht abgeschlossen.

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