Aachen: Riesenandrang beim Altstadtflohmarkt

Aachen: Riesenandrang beim Altstadtflohmarkt

Bei strahlendem Sonnenschein schoben sich am Sonntag zum Altstadtflohmarkt die Massen durch die City. Viermal im Jahr zieht das Großereignis die Menschen in die Stadt - aber mit dem diesem Wetter hatte in der kalten Regenwoche noch niemand gerechnet, und so platzte die Innenstadt aus allen Nähten.

Wie üblich, hatte der Veranstalter das Händlerangebot handverlesen. Ramschige Neuware, wie sie auf vielen anderen Märkten zu sehen ist, sucht man hier - zum Glück - vergebens. Ein hochwertiges Sortiment mit vielen alten Schätzchen wurde - wortwörtlich - „aufgetischt”. Darunter viele Kuriositäten, zum Beispiel ein alter, noch funktionstüchtiger Kaugummiautomat mit einem Schlumpf als Bekrönung.

Antiquitäten im Sinne von Möbeln waren diesmal dünn gesät, dafür mangelte es nicht an anderen, gut sortierten Angeboten. Zum Beispiel hatte direkt hinter dem Hühnerdieb ein Spezialist für Glas zwischen 1900 und 1950 seinen Stand aufgeschlagen. Von der Jugendstil-Butterdose bis zur Deckenlampe reichte sein Angebot.

Gut verpackt

Etliche stolze Käufer sah man mit ihren neuen Besitztümern durch die Gassen ziehen. Das gut verpackte Geschirr unter dem Arm oder den - fast - neuen Schulranzen auf dem Rücken. Manche gönnten sich zwischendurch ein Eis - so wie der Mann, der sich am Hof in Gesellschaft seiner Ehefrau und einer originalen 50er-Jahre-Schaufensterpuppe sonnte. Anderen stand der Sinn nach Deftigem, und so wurde am Münsterplatz eine Portion Reibekuchen nach der anderen über die Theke geschoben.

Überhaupt gewinnt der Aachener Altstadtflohmarkt immer mehr Volksfestcharakter, wurde von den Besuchern schon mehrmals zum beliebtesten Flohmarkt Deutschlands gewählt. Grundsätzlich gilt das auch für die Händler, aber an diesem Sonntag war das Echo eher durchwachsen.

Zusatzkosten blieben den Verkäufern erst einmal erspart - denn Plastikdächer, bei deren Aufbau ein „Dachzuschlag” an den Veranstalter fällig wird, konnten im Kofferraum bleiben. „Es ist das erste Mal, dass ich an diesem Markt teilnehme und es nicht regnet”, lacht Regine Jansen.

Ihr Stand am Hof präsentiert ein breit gefächertes Sortiment, vom gebrauchten Kinder-T-Shirt bis hin zum Art Deco-Service. Doch trotz der vielen Besucher bleibt die Verkäuferin skeptisch: „Es ist zwar viel Publikum hier - aber eben auch viele Händler.”

Die Konkurrenz ist groß. Und das Geld sitzt im Moment nicht so locker, wie auch ihre Kollegen zu spüren bekommen. Roland Henn bietet am Münsterplatz marokkanisches Kunsthandwerk an. Ein schöner Stand, ausstaffiert mit Laternen, leuchtenden Stoffen, bunter Keramik. Aber wirklich gelohnt hat es sich nicht. „Für einen Flohmarkt geht es hier noch”, so sein Urteil aus Händlersicht. Nächstes Wochenende verkauft er auf einem Afrika-Festival in Würzburg und hofft auf besseren Umsatz.

Ähnlich geht es dem Secondhand-Spezialisten Joachim Müller schräg gegenüber. Er ist auf alte Kleidung spezialisiert, sein Schwerpunkt liegt in den 70ern. Viele Leute schauen vorbei, blättern die Kleider durch, probieren an. Aber nur wenige kaufen. „Noch einigermaßen”, ist sein persönliches Urteil. Dabei gehört er schon zum Stammpersonal beim Altstadtflohmarkt. Und nächstes Mal ist er auch sicher wieder mit dabei - auch wenn es sich nicht immer rechnet.