Aachen: Riesen-Investition: Bis zu 100 Millionen Euro für ein neues Schwertbad

Aachen : Riesen-Investition: Bis zu 100 Millionen Euro für ein neues Schwertbad

Wolfgang K. Hoever hat eine Vision. Der Vorstandsvorsitzende der Inoges AG, die im Jahr 2015 das marode Schwertbad übernommen hatte, möchte Aachen und die Städteregion bundesweit zu einer Pilotregion der Reha-Landschaft mit Vorbildfunktion machen. Am Freitagmorgen hat der Mann aus Krefeld bei einer Pressekonferenz in Burtscheid seine Pläne vorgestellt und erklärt, warum aus seiner Sicht auch die großen Krankenhäuser in Aachen und der Städteregion zusammenarbeiten sollten.

„Als wir in Aachen antraten, haben wir direkt gesehen, dass der Standort Potenzial hat, dass man Dinge verändern kann“, sagt Hoever. Doch seine Vorgänger hätten die Zukunftsarbeit vernachlässigt. Das soll sich nun ändern.

FOTO: HARALD KRÖMER DATE: 23.03.2018 Schwertbad PK, v.l. Wolfgang K.Hoever und Reinhard Strauch. Foto: Harald Krömer

Die Zahlen, die Wolfgang Hoever und Schwertbad-Geschäftsführer Reinhard Strauch mitgebracht haben, sind beachtlich: Seit der Übernahme des ältesten Badehauses Deutschlands wurde der Umsatz um 1,7 Millionen Euro auf 11,3 Millionen Euro gesteigert. Die Patientenzahlen sind ebenfalls in die Höhe gegangen, von 3041 auf 3467, und neun weitere Vollzeitstellen wurden geschaffen. Doch das, stellt Hoever klar, kann nur der Anfang sein.

Innovative Behandlungsmethoden

80 bis 100 Millionen Euro sollen in ein neues Reha-Zentrum investiert werden, am liebsten in Aachen. „Im besten Fall gelingt uns eine zentrale Standortlösung in Burtscheid“, sagt Hoever und hofft, dass alle Krankheitsbilder an einem Standort auskuriert werden können: Er spricht von den Bereichen Orthopädie, Rheumathologie, Psychosomatik, Kardiologie, Atemwegserkrankungen und — last but not least — Neurologie. Wichtig sei ihm, dass man vor Ort keine neue Konkurrenzsituation schaffe. Hoever: „Wir möchten nur Dinge in Aachen anbieten, die es bislang noch nicht gibt.“

Was das genau ist, das es noch nicht gibt, erklärt Hoever folgendermaßen: „Unsere Gutachten und Analysen haben ergeben, dass in der Region keine nennenswerte Anzahl neurologischer Frühhabilitation angeboten wird.“ Damit ist eine Behandlung von Patienten gemeint, die zwar nicht mehr auf der Intensivstation eines Krankenhauses liegen müssen, die für den Aufenthalt in einer „normalen“ Reha-Klinik aber noch nicht bereit sind.

Derzeit führe diese Behandlungslücke oft dazu, dass Patienten entweder weite, aufwendige Krankentransporte über sich ergehen lassen müssen, wenn sie etwa einen Rückfall erleiden. Das sei suboptimal, weil gerade in dieser ersten Phase von Heilung eine besonders effektive, qualitativ hochwertige Betreuung eine große Rolle für die Regeneration spiele, sagt Hoever.

Hinzu kommt ein weiterer Faktor: Denn viele dieser Patienten können gar nicht erst wohnortnah behandelt werden. „Doch gerade im Falle von Neurologiepatienten in dieser frühen Phase ist es für viele Angehörige sehr wichtig, den Kranken täglich besuchen zu können.“ In Anbetracht der Tatsache, dass es in der Region jährlich etwa 3000 Schlaganfallpatienten gibt, erwartet Hoever auch entsprechend hohen Bedarf für den bislang unterversorgten Bereich.

Diese Lücke will die Inoges AG in Aachen schließen, und zwar in den Räumen der geplanten neuen Reha-Klinik. Dabei legt Hoever viel Wert auf eine enge Zusammenarbeit mit dem Uniklinikum Aachen (UKA) der RWTH und dem Rhein-Maas Klinikum in Würselen. „Beide Häuser haben eine hohe Expertise im Bereich der Neurologie“, sagt Hoever. Ihm schwebt vor, dass ein Teil der 40 Betten für diese neurologischen Früh-Reha-Patienten vom UKA aus belegt werden, die anderen Betten von der Klinik in Würselen.

Standort: Die Gespräche laufen

Wo genau in Burtscheid die neue Reha-Klinik nun entstehen soll — die Rede war zwischenzeitlich von der Jägerstraße oder der Michaelsbergstraße — dazu will Hoever sich derzeit nicht äußern. „Die Gespräche laufen“, sagt er und betont aber, dass die Standortsuche mittlerweile gar nicht mehr die größte Hürde sei, die sein Projekt nehmen müsse. Als nächstes stehen Gespräche mit Kostenträgern an, also mit den Krankenkassen, die er von seinem Konzept überzeugen will.

Bei der AOK ist man damit schon mal auf offene Ohren gestoßen: „Wenn für Patienten mit schwerwiegenden akuten neurologischen Erkrankungen nach dem Krankenhausaufenthalt eine stationäre Rehabilitation erforderlich ist, gibt es derzeit in der Städteregion, im Kreis Düren und im Kreis Heinsberg keine Behandlungsmöglichkeit“, konstatiert Waldemar Radtke, Regionaldirektor der AOK Rheinland/Hamburg. Daher begrüße man die Schaffung eines solchen Angebots, das auf den bereits bestehenden Strukturen aufbaut und diese weiter vernetzt.

Um diese Vernetzung voranzutreiben, setzt die Inoges auf die Hilfe der Politik, sowohl auf kommunaler als auch auf Landesebene. Von Gesprächen mit der Bezirksregierung in Köln und mit dem neuen NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann erhofft er sich eine Menge. „Bei den Politikern in Aachen erfahren wir eine enorme Unterstützung bei unserem Anliegen“, sagt Hoever, alle Parteien seien für Gespräche offen und zeigten sich sehr hilfsbereit. Das gelte auch für die Stadtverwaltung.

Zufriedenheit in Bardenberg

Übrigens nicht nur für die Aachener Stadtverwaltung, sondern auch die in Würselen: „Der Standort Bardenberg, das alte Knappschaftskrankenhaus, ist für uns ein absoluter Glücksgriff“, sagt Reinhard Strauch. Nachdem man die Rheumaklinik in Aachen im vergangenen Jahr geräumt habe, sei man in Bardenberg sehr gut untergekommen.

Den Standort will die Inoges auch weiter ausbauen: Ein ganzer Bildungscampus soll hier entstehen mit einer Kranken- und Altenpflegeschule und mit einer Schule für Physio- und Ergotherapie. Hoever: „Wir suchen jetzt schon ständig nach gutem Fachpersonal. Und wenn wir unsere Pläne in Aachen umsetzen, werden wir letztlich auf rund 500 bis 600 Mitarbeiter aufstocken.“

Darüber hinaus spielt Bardenberg auch insofern eine Rolle, als dass man sich hier entwickeln könne, wenn die Lösung mit einem zentralen Standort in Aachen nicht funktioniere.

Hoever zeigt sich „optimistisch“, dass in den nächsten zwölf bis 18 Monaten alle wichtigen Gespräche geführt worden sind. In vier bis fünf Jahren, so seine Prognose, könnte aus seiner Vision von einem Pilotprojekt in der Reha-Szene, von der er gar nicht abrücken will, in Aachen Wirklichkeit werden. „Ganz normale Reha-Kliniken gibt es zur Genüge.“

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