Aachen: Richard Okon: Ein unermüdlicher Kämpfer für die Integration

Aachen : Richard Okon: Ein unermüdlicher Kämpfer für die Integration

Im Aachener Osten zählte Richard Okon über viele Jahre hinweg zu den prägenden und engagierten Persönlichkeiten. Leidenschaftlich hat sich der Diplom-Sozialarbeiter vor allem in der Offenen Tür (OT) Josefshaus für ein respektvolles Miteinander der Menschen unterschiedlichster Herkunft und unterschiedlichster Kulturen stark gemacht. Heiligabend ist er völlig überraschend und unerwartet gestorben.

Wie ein Lauffeuer machte die unfassbare Nachricht an den Weihnachtstagen die Runde im Viertel und im großen Kreis der Menschen, die ihn schätzten und ihm zugeneigt waren. Zu ihnen zählt ganz besonders auch Markus Frohn, Pfarrer der katholischen Pfarregemeinde St. Josef und Fronleichnam, die auch Träger des Jugendtreffs Josefshaus ist.

Richard Okon war sein erfahrendster Mitarbeiter, der seit vielen Jahren für die Pfarre aktiv war. „Wir verlieren einen Mitarbeiter, der auf seine besondere Art die OT geleitet hat und den wir von seiner menschlichen und fachlichen Seite sehr geschätzt haben.“ Frohn gab die Nachricht von Okons Tod bereits in der Messe am ersten Weihnachtstag bekannt.

Okon wurde 64 Jahre alt. Im Freundeskreis hatte er zuletzt immer wieder deutlich gemacht, wie sehr er sich auf seinen bevorstehenden Ruhestand in einem Jahr freute, und zugleich betont, wie wichtig ihm eine gute Übergabe des Josefshauses an einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin war. Im Ostviertel hat er sich gerade mit dieser Einrichtung, die auf die besonderen Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen im Viertel zugeschnitten war, einen Namen gemacht.

Bereits 1998 wurde er mit der Leitung der Kleinen Offenen Tür in der Schleswigstraße beauftragt, wo er ebenfalls schon Pionierarbeit in Sachen Integration leistete. Unter anderem begründete er damals auch die Puppentheaterreihe „Stars ohne Allüren“, die er später bewusst von der Barockfabrik ins multikulturelle Ostviertel verlegte, um gezielt auch Kinder mit Migrationshintergrund anzusprechen. Ohne Schwellenangst konnten sie erste Theatererfahrungen sammeln und sich beinahe nebenher mit der deutschen Sprache vertraut machen.

Förderte das Chaostheater

Das Theater war auch in der Folgezeit für Okon ein wichtiges Element seiner Arbeit. Er hat das 2004 gegründete Chaostheater gefördert und gemeinsam mit dem Regisseur Reza Jafari zu einer Institution in der Aachener Kulturlandschaft entwickelt — die Inszenierungen sind stets anspruchsvoll, greifen wichtige gesellschaftliche Debatten auf und geben den wechselnden multikulturellen Ensembles eine bedeutende Bühne.

„Seine kompromisslose Leidenschaft, für das, war er tat, hat mich begeistert“, sagt der für das Aachener Bistum tätige Journalist Thomas Hohenschue. Aus den Beratungen in der OT Josefshaus sei auch der Aachener Tag der Integration hervorgegangen, sagt Hohenschue. „Richard hat ihn mit angeschoben und mit seinem Herzblut für die Menschen gefördert.“

Seit mehreren Jahrzehnten war Okon auch für die SPD im Aachener Osten aktiv. Bei der letzten Kommunalwahl holte er dort für seine Partei das Direktmandat für den Städteregionstag. „Er wird uns fehlen, und sein Tod wird ein Riesenloch reißen“, erklärte Mathias Dopatka, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Aachen-Ost, der sich wie so viele andere bestürzt und fassungslos über die Nachricht von Okons Tod zeigte. Richard Okon hinterlässt seine Ehefrau Elisabeth und drei Kinder.

(gei)