Aachen: Rhein-Maas-Gymnasium will Tablet-Klasse einrichten

Aachen : Rhein-Maas-Gymnasium will Tablet-Klasse einrichten

Statt mit zehn Kilo Schulbüchern im Ranzen sollen am Rhein-Maas-Gymnasium einige Kinder demnächst mit dem Tablet — knapp ein Pfund schwer — zur Schule gehen. Das Burtscheider Gymnasium möchte eine der neuen Fünferklassen im Schuljahr 2018/19 als iPad-Klasse führen — sofern ausreichend Eltern, die sich für das Rhein-Maas-Gymnasium entscheiden, ihr Kind mit einem Tablet aus dem Hause Apple lernen lassen wollen.

„22, 23 Schüler sollten es schon mindestens sein“, sagte Schulleiter Jochen Geradts, als er das Pilotprojekt jetzt gemeinsam mit der stellvertretenden Schulleiterin Monika Eck-Kämper, dem Oberstufenkoordinator Stefan Lindlahr und dem IT-Experten der Schule, Informatiklehrer Marc Straußfeld, erläuterte. Die Schulkonferenz habe die Einführung einer iPad-Klasse beschlossen, berichtete der Schulleiter.

„Moderne Schüler müssen mit modernen Medien umgehen können“, sagt Geradts, er sieht die Schulen hier in der Pflicht. „Wenn wir die Schüler auf die digitale Welt vorbereiten wollen, geht das nicht nur mit Informatik als Wahlpflichtfach in der achten Klasse oder mit einem Kurs in der Oberstufe“, ist Informatiklehrer Straußfeld überzeugt. Und auch zwei Computerräume für eine ganze Schule seien da nicht ausreichend. „Jedes Fach muss die Medienbildung umsetzen.“

Die Rahmenbedingungen für den Einsatz der iPads werden in den kommenden Osterferien geschaffen, kündigt Geradts an. Dann lässt die Stadt die Schule mit WLAN ausstatten. Eine leistungsfähige Internetverbindung hat das Gymnasium schon. „Wir sind ans Glasfasernetz der Fachhochschule angeschlossen“, stellt Lindlahr fest. „Genug Power haben wir also.“

Für die Geräte müssen allerdings die Eltern sorgen. Sie sollen die iPads für ihre Kinder anschaffen. 600 Euro pro Tablet werde das kosten, rechnet der Lehrer vor, inklusive Zubehör und den nötigen Apps. Bei Bedarf beteiligt sich das Rhein-Maas-Gymnasium mit bis zu 300 Euro an den Anschaffungskosten für jedes Gerät. „Die Teilnahme soll nicht an den Finanzen scheitern“, betont Geradts. „Wir sind darauf eingestellt, im Bedarfsfall für alle 29 Kinder in der Klasse die Hälfte der Kosten zu tragen.“ Das Geld für die ersten beiden Jahre sei gesichert. Mit dieser Anschubfinanzierung wolle man „das Vertrauen schaffen, dass das eine gute Sache ist“.

Marc Straußfeld, der nach dem Referendariat gerade am Rhein-Maas-Gymnasium seine erste Lehrerstelle angetreten hat, ist überzeugt, dass sich beim vernetzten Lernen mit dem iPad „höherwertige Ergebnisse“ erzielen lassen. Über die Endgeräte und das Whiteboard, die interaktive digitale Tafel, könnten Informationen und Arbeitsergebnisse mit wenigen Klicks der ganzen Klasse zur Verfügung gestellt werden, erläutert er. Bei der Auswahl der Tablets habe sich das Kollegium bewusst für die Apple-Geräte entscheiden, weil man hier die meisten Vorteile sehe. Aber auch in der digital vernetzten Klasse werden Stift und Papier weiter ihren Platz haben, versichert der Lehrer. „Für jedes Fach wird auch weiterhin ein Heft geführt.“

Bei den Informationsveranstaltungen für die Viertklässler-Eltern ist das Konzept der neuen iPad-Klasse bereits vorgestellt worden. „Einige Eltern haben sich auch sehr interessiert gezeigt“, berichtet Geradts. Dennoch sieht das Kollegium den Anmeldetagen fürs nächste Schuljahr diesmal mit besonderer Spannung entgegen. Wird die Tablet-Klasse eingerichtet, dann geht die Vorbereitung erst richtig los. Schließlich müssen die Lehrerinnen und Lehrer, die die Geräte im Unterricht einsetzen, entsprechend fortgebildet werden.

Auch andere Schulen testen

Vorbild in Sachen Tablet-Einsatz ist übrigens das städtische Gymnasium Würselen, das mit seinen iPad-Klassen sogar bundesweit für Aufsehen gesorgt hat. Das Aachener Einhard-Gymnasium testet den Einsatz von Tablets im Unterricht seit gut einem Jahr, aktuell mit zwei Klassen der Mittelstufe. Auch hier haben die Eltern die Geräte angeschafft, allerdings laufen dort unterschiedliche Betriebssysteme. Bereits im September hatten die Schulpolitiker die Verwaltung beauftragt, ein Konzept für Tablet-Klassen an den städtischen Schulen zu entwickeln, das für alle Schüler den Zugang zu geeigneten Geräten sicherstellt.

Mehr von Aachener Nachrichten