Rendite darf nicht alles sein

Rendite darf nicht alles sein

Das Thema Mieten ist kein Ruhmesblatt für die Stadt Aachen und ihren obersten Verwaltungschef Marcel Philipp. Er hätte es in der Hand, dämpfend auf die Mietpreise einzuwirken, doch er lässt das Gegenteil zu — und mit ihm auch die maßgeblichen Politiker der schwarz-rot geführten Ratsmehrheit.

Sie nehmen achselzuckend die seit langem geübte städtische Praxis hin, alle paar Jahre in unschöner Regelmäßigkeit die Mieten für die rund 2800 stadteigenen Wohnungen anzuheben. Alles im gesetzlichen Rahmen und orientiert am Mietspiegel, versteht sich. Doch was erlaubt ist, ist deswegen noch lange nicht gut. Denn die Stadt und die von ihr beauftragte Wohnungsgesellschaft Gewoge missbraucht den Mietspiegel, um damit die Mieten weiter nach oben zu schrauben. Jede neue Erhöhung, jede Vertragsänderung fließt in den nächsten Mietspiegel ein und ermöglicht so erst den nächsten Dreh an der Preisspirale. Da benehmen sich häufig private Vermieter anständiger, denen Rendite nicht alles bedeutet und die die Mieten oft über Jahre hinweg unangetastet lassen. Dumm nur, dass ausgerechnet solche günstigen Altverträge im Mietspiegel nicht berücksichtigt werden.

Wenn Politiker auf der einen Seite nach mehr bezahlbarem Wohnraum rufen, auf der anderen Seite aber eine offenkundig unsoziale städtische Mietpreispraxis akzeptieren, ist das nicht nur „schizophren“, wie es eine betroffene Mieterin ausdrückt, es ist auch schäbig gegenüber den Bewohnern, die nicht zu den Besserverdienenden gezählt werden können und die nun mal wieder ein Problem mehr haben, über die Runden zu kommen.