"Render"-Projektleiter setzt auf Erneuerbare Energien und die Kommunen

„Render“-Projekt läuft Ende September aus : Jens Schneider: „Wir können nur thematisieren und motivieren“

Das Ende ist in Sicht, und das heißt im konkreten Fall nicht unbedingt etwas Gutes. Am 30. September und somit nach insgesamt fünf Jahren Laufzeit wird das Projekt „Render“ abgeschlossen.

Der „Regionale Dialog Energiewende“, der sich hinter der Abkürzung verbirgt, ist zwischenzeitlich in den Energieplan 2030 für die Städteregion gemündet, die eigentliche Arbeit des Teams von Jens Schneider somit getan.

Es bleiben noch einige Wochen der einjährigen „Umsetzungsphase“, in denen der Projektleiter eine Tour durch die Fachausschüsse der zehn Städte und Gemeinden der Städteregion macht, um Fraktionen und Verwaltungen das 68-seitige Werk ans Herz zu legen – und mit ihm die dort aufgeführten Handlungsempfehlungen für die Energiewende zwischen Baesweiler und Monschau.

Nicht immer mit offenen Armen

Dass ihm dabei nicht immer ein Empfang mit offenen Armen bereitet wird, konnte Schneider beispielsweise in Roetgen erleben, wo der Verein „Natur-Landschaftschutz-Nordeifel“ die Fragestunde im Gemeinderat nutzte, um kräftig gegen den Energieplan zu wettern. Jens Schneider hat das nach eigener Aussage mit Gelassenheit aufgenommen. „Schließlich reden die Menschen vor Ort über unsere Arbeit. Und damit haben wir schon mal ein wichtiges Ziel erreicht.“

Dass es am Ende beim Reden bleiben und die Umsetzung ausbleiben könnte, sei allerdings nicht auszuschließen, räumt der Projektleiter ein. „Bei Forschungsprojekten besteht immer die Gefahr, dass die dort behandelten Themen nach dem Abschluss nicht weiterverfolgt werden und in der Schublade landen.“ Das sei auch bei „Render“ nicht anders. „Wir können nicht mehr tun, als zu thematisieren und zu motivieren.“ Handeln aber müssten nun die Kommunen und für sich entscheiden, wie sie mit den Handlungsempfehlungen des Energieplans und den drei aufgezeigten Szenarien des möglichen Ausbaus Erneuerbarer Energien umgehen.

Die Gefahr, dass einer Ausweitung der Windenergie mit dem von der Landesregierung vor wenigen Tagen verabschiedeten neuen Landesentwicklungsplan (LEP) ein Riegel vorgeschoben werden könnte, sieht Jens Schneider nach anfänglichen Befürchtungen nicht mehr. „Die juristische Einschätzung vieler Fachleute geht dahin, dass das Gesetz weiterhin von einem Grundsatz und nicht von einem Ziel spricht.“ Damit sei der viel diskutierte und oft kritisierte Mindestabstand von 1500 Metern zwischen Windrad und Wohngebiet keinesfalls unumstößlich, sondern könnte im Einzelfall auch reduziert werden.

Zu dieser Einschätzung kommt auch der Aachener Physiker und Windkraftpionier Horst Kluttig. Er empfiehlt gleichwohl, vor allem das Repowering, also die Modernisierung bereits bestehender Windkraftanlagen zu forcieren. Rund 30 gibt es in der Städteregion, elf davon stehen laut Kluttig im Stadtgebiet Aachen. „Damit könnte die Abdeckung des Strombedarfs durch Windenergie von zehn auf 20 Prozent verdoppelt werden“, betont Kluttig.

Geoportal als „wichtige Quelle“

Derweil wird Alexandra Ptock vom Amt für Mobilität, Klimaschutz und Regionalentwicklung versuchen, solche und andere Maßnahmen zur Stärkung der Erneuerbaren Energien zu flankieren. Das von der Städteregion entwickelte „Energis“-Tool soll zu diesem Zweck in das Geoportal integriert werden. „Dort wird man immer den aktuellen Stand der Erneuerbaren Energien und deren Entwicklung in Relation zum Projekt einsehen können“, kündigt Ptock an und stellt fest: „Das ist eine gute und wichtige Quelle, die wir intensiv bewerben müssen.“ Und die von den Kollegen des Katasteramtes und vom Klimaschutzmanager ebenso intensiv gepflegt und aktualisiert werden soll.

Jens Schneider dürfte damit nichts mehr zu tun haben. Auf ihn warten bei seinem Arbeitgeber, dem Forschungsinstitut für Wasser- und Abfallwirtschaft an der RWTH Aachen (FiW), vermutlich neue spannende Aufgaben und Projekte. Aber natürlich wird er die weitere Entwicklung im Blick halten – und darauf setzen, dass der Energieplan 2030 nicht in den Schubladen der Verwaltungen verschwinden wird.

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