Reitwege in Aachen sind jetzt gekennzeichnet

Reiten im Aachener Wald : Reitwege sind jetzt mit großem blauen Schild gekennzeichnet

Damit es zu weniger Unfällen und Verwirrungen kommt, sind im Aachener Wald nun alle Reitwege mit speziellen, blauen Schildern gekennzeichnet

Wenn Pferd und Reiter in vollem Galopp über einen Reitweg im Aachener Wald preschen und hinter einer Kurve plötzlich eine Frau mit Kinderwagen steht, erinnert das vielleicht an einen wilden Stunt. In Wahrheit ist es einfach nur gefährlich. „In diesem Fall handelte es sich um einen erfahrenen Reiter mit einem erfahrenen Pferd. Beide sind über den Kinderwagen gesprungen. Mehr als ein Schreck in den Gliedern aller Beteiligten ist zum Glück nicht passiert“, wusste Forstamtsleiter Gerd Krämer von einem guten Ende zu berichten. Doch diese filmreife Geschichte ist längst kein Einzelfall. Konflikte zwischen Radfahrern, Wanderern mit und ohne Hund und eben den Reitern gibt es wohl tagtäglich.

Dabei ist klar regelt – nämlich durch die Straßenverkehrsordnung – wer sich auf Reitwegen und Reitbanketten aufhalten darf: Pferde mit Reitern. „Während aber jeder die Bedeutung des blauen Schildes mit Radpiktogramm oder Fußgängersymbol kennt, ist das beim blauen Schild mit Reiter leider nicht so“, bedauerte Ulrike Völkel, Reitwegebeauftragte des Gemeindeforstamtes. Deshalb ist das Forstamt tätig geworden und hat die Beschilderung der Reitwege im Aachener Wald – immerhin 71 Kilometer, die von rund 1000 Reitern genutzt werden – verändert: Fortan sind Reitwege mit einem großen blauen Schild mit Reitersymbol gekennzeichnet, um die Sichtbarkeit zu verbessern. Auf ihnen dürfen nur Reiter unterwegs sein und müssen auch nicht mit Nicht-Reitern rechnen. Die Reitbankette – parallel neben dem Wanderweg verlaufende Reitspuren – sind durch kleinere Zeichen beschildert. „Und zwar auf der Seite des Weges, auf der das Bankett verläuft“, erklärte Völkel.

Rautenartige Holzpfeile

Um den Richtungsverlauf der zulässigen Reitwege aufzuzeigen, hat das Forstamt außerdem rautenartige Holzpfeile in der Nähe von Wegekreuzungen an Bäumen angebracht. Denn auch für die Reiter gilt: Sie haben auf Wegen für Radfahrer und Wanderer nichts zu suchen. „Wir hoffen, dass wir so die Konflikte der verschiedenen Gruppen von Erholungssuchenden minimieren und auch das Wissen über adäquates Verhalten erhöhen können“, sagte Krämer.

Entstanden ist die Idee in einer seit längerem bestehenden Arbeitsgruppe der verschiedenen Waldnutzer: Wanderer, Läufer, Mountainbiker und Reiter tauschen sich dort untereinander und mit dem Forstamt aus. „Am Anfang waren die Teilnehmer skeptisch, aber mittlerweile ist viel Gutes entstanden“, schätzen Krämer und Völkel diese Runde. „Zum Beispiel Schilder und Flyer, die zum Respekt vor der Natur und für ein gutes Miteinander aufrufen. Wir haben uns auch beim Ehrenamtstag der Stadt gemeinsam präsentiert und laden uns untereinander zu den jeweiligen Veranstaltungen ein.“ So entstehe mehr Verständnis – zum Beispiel auch, wie man sich einem Pferd mit dem Fahrrad am besten nähert: lieber freundlich rufen als wild klingeln oder gleich lieber gar nichts sagen. Und vor allem: Jeder sollte auf seinen Wegen bleiben. Dann muss auch niemand unfreiwillig zum Stuntman werden.

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