Aachen: Reibekuchen für die Grande Dame: Volkskünstlerin Gitta Haller wird 90

Aachen : Reibekuchen für die Grande Dame: Volkskünstlerin Gitta Haller wird 90

Eine große Volkskünstlerin feiert in dieser Woche ihren Geburtstag der ganz besonderen Art. Seit 1933 stand sie auf der Bühne, von der sie sich vor mehr als einem Jahr hinter die Kulissen zurückgezogen hat. Am Mittwoch wird Gitta Haller 90 Jahre alt.

Aachen verneigt sich vor dem vielfältigen Lebenswerk der explosiven, intuitiv tickenden Frau. Vor der launigen Kabarettistin an der Quetschbüll, einer wahren Öcher Chanconette mit rauchig-fulminanter Stimme, deren Energie jedes Bühnenbrett einem Härtetest unterzog und in nahezu jedem Saal zündete.

Gitta Haller: ein Künstlername, eine Marke. Kurzum: Et Jitta! Wo sie auftauchte, da herrschte Entertainment pur mit besonderer Haller-Würze: herzlich ohne Ende, zuweilen mit bissiger Brise. Als Grande Dame des Öcher Fastelovvends verzauberte sie über Jahrzehnte die Noblesse-Narren und Ritter des AKV — allen voran Norbert Blüm — bei furiosen TV-Auftritten, die sie als professionelle Herausforderung anging. Gittas Herz aber war dort, wo ihr spezieller Humor eine Mission hatte, schlicht und ergreifend Menschen Freude zu bereiten. Vor allem jenen, die in ihrem Alltag wenig zu lachen haben.

Spaziergang im Wald

Dieses Leben in den Zentren von Karneval und Festivitäten aller Art hat die 90-Jährige inzwischen hinter sich gelassen. Gitta Haller wohnt weiterhin in Würselen, ist jedoch umgezogen und freut sich jetzt auf die Abgeschiedenheit, „meinen Festtag allein mit der Familie zu feiern“. „Wir werden einen Spaziergang im Wald machen und vor allem freue ich mich auf das traditionelle Reibekuchenessen“, sagt das Geburtstagskind.

Der Clan der Uroma ist stattlich geworden: Tochter Doritt, die sich alltäglich um die Mutter kümmert, folgen die Enkelinnen Jenny und Sarah, deren Ehemänner Peer und Mehdi sowie die fünfjährigen Urenkel Shady und Leyla.

In deren Alter trat die Uroma mit ihrer Mama und drei Schwestern in der damaligen Aachener Westparkhalle mit dem Titel „Wir sind kleine Mädchen aus Amerika“ auf — dorthin ist sie freilich nie gekommen. „Weil man mich da nicht versteht“, ist Gittas Standardspruch darauf.

Immerhin durchkreuzte die junge Haller als Opern- und Musicalsängerin ganz Deutschland, war ab 1960 Mitglied des Domgrafenensembles, brillierte gemeinsam mit Stars wie Willy Millowitsch, Otto Höpfner, Heinz Schenk, Hanne Wieder oder Willi Hagara. Ein pralles, erfülltes, immer öffentliches Leben, von dem auch ungezählte Auszeichnungen wie der Thouet-Preis oder der Königsteinorden des Aachener Karnevalsvereins (AKV) berichten. Auch zur Ehrenmarketenderin der Oecher Penn wurde sie berufen.

Ungezählte Gratulanten werden am Mittwoch sicher für all die positive Kraft, die sie in viele Leben ausgestrahlt hat, danken. Und für die losgelassene Heiterkeit, für die sie in 85 Bühnenjahren gesorgt hat. Da wollen die „Nachrichten“ nicht zurückstehen und gratulieren herzlich zum 90. Geburtstag.