Aachen: Regen war das größte Problem bei der Tour der Neuntklässler

Aachen : Regen war das größte Problem bei der Tour der Neuntklässler

„Das Projekt ‚Herausforderung‘ funktioniert auch unter widrigsten Umständen.“ Zu diesem Schluss kommt Koordinator Torsten Stahlmann von der 4. Gesamtschule, nachdem alle Schüler wieder wohlbehalten in Aachen eingetroffen sind.

Viel Regen und damit schwierigste Bedingungen haben das Projekt demnach in diesem Jahr geprägt. „Wenn ich so etwas in meinem Urlaub erlebt hätte, hätte ich abgebrochen“, meint Stahlmann und zollt seinen Schülern großen Respekt.

Die nämlich haben sich so leicht nicht unterkriegen lassen. Alle 17 Gruppen haben ihr Projekt durchgezogen, auch wenn der eine oder andere Schüler wegen Krankheit abbrechen musste. Denn schwere Erkältungen blieben bei dem schlechten Wetter nicht aus.

Am Samstag erzählten die Neuntklässler in der Aula der 4. Gesamtschule, Standort Heinzenstraße, von ihren Erfahrungen. Ihre Aufgabe war, 17 Tage lang ohne Eltern oder Lehrer eine besondere „Herausforderung“ zu bewältigen.

Nass bis auf die Knochen

Besonders hart getroffen hat es die Gruppe, die sich mit dem Rad auf den Weg ins niederländische Middelburg gemacht hatte. Der Dauerregen durchnässte sie bis auf die Knochen und die Folgen blieben nicht aus: „Wir waren alle angeschlagen“, sagen die Schüler. Am liebsten hätten sie die Fahrt gleich am Anfang abgebrochen, aber sie hielten durch. „Ich bin erstaunt, dass das gutgegangen ist“, kommentiert Schulleiter Hanno Bennemann den Einsatz seiner Schüler.

Die verschiedenen Gruppen passten ihre Routenpläne den schlechten Wetterbedingungen an und besuchten zum Teil nicht so viele Städte wie geplant oder verkürzten die Strecke. „Wir wollten eigentlich nach Amsterdam“, erzählen Louisa Klingel und Gina Canete Amo. Unterwegs wurden der Gruppe zwei Fahrräder geklaut, und obwohl schnell für Ersatz gesorgt war, sorgte das schlechte Wetter für so viele Probleme, dass die Schüler ihre Reise verkürzten.

Nur die „Engländer“, also die Schüler, die sich auf den Weg nach England gemacht haben, hatten keine Klagen mit Blick aufs Wetter. Weil sie mit dem „Eurostar“ durch den Tunnel bis nach Ashford fuhren, mussten sie zuvor erst einmal für die Finanzierung sorgen. „Denn so eine Fahrt ist teuer und im Budget des Projekts eigentlich nicht vorgesehen“, meint Stahlmann. So verkauften die Schüler im Vorfeld Waffeln, die einen reißenden Absatz fanden, zumal die Mensa gerade zu dieser Zeit laut Schulleiter Hanno Bennemann ausgefallen war.

In England machten die Schüler mit dem Fahrrad eine Städtetour durch Kent und begegneten dabei überaus freundlichen Menschen. Eine Dame hatte sie eingeladen, in ihrer luxuriösen Villa zu übernachten, und als sie die jungen Leute nach einem üppigen Frühstück auch noch zu einem Zoobesuch einladen wollte, hielten die Schüler erst einmal Rücksprache mit ihrem Koordinator Torsten Stahlmann. „Sie wollten wissen, ob sie so viel Gutes überhaupt annehmen dürfen“, erzählt er. Da eine solche Einladung aber eindeutig der Sprachförderung dient, hatte er keine Bedenken.

Die England-Reisenden wollten mit den Menschen in Kontakt kommen und möglichst viel Englisch sprechen. „Und das ist ihnen gelungen“, meint Miriam Hindriks, die die jungen Leute während ihrer Reise gemeinsam mit Jasmin Willner begleitet hat. Für sie sei die Herausforderung gewesen, sich nicht einzumischen und die jungen Leute entscheiden zu lassen.

„Das ist gar nicht so leicht“, meint Miriam Hindriks. Sie studiert in Osnabrück Biologie und Physik. Von einem Freund hat sie von dem Aachener Projekt „Herausforderung“ gehört, bei dem sich jetzt zum zweiten Mal Schüler Situationen oder Fahrten aussuchten, die sie in besonderem Maße auf die Probe stellen. Miriam Hindriks bewarb sich als Begleiterin und wurde genommen.

Auch für Jasmin Willner war es „ein ganz neues Gefühl, die Führung abzugeben“. „Das war eine „Supererfahrung“, sagt sie. Die Begleitpersonen sind meistens Studenten der RWTH oder auch der Katho. Sie werden für die Fahrt geschult, sollen aber nur dann eingreifen, wenn es gar nicht anders geht.

Die Schüler der 4. Gesamtschule machen sich jeweils in der neunten Klasse auf den Weg. Aber bereits ein Jahr zuvor beginnen sie, sich Gedanken zu machen, wohin sie ihre „Herausforderung“ führen könnte. Emmanuel Narco-Koranteng hatte da keinen Zweifel. Er will Profi-Basketballer werden und kam in einem Sportinternat unter.

Dort trainierte er mit Spitzensportlern und arbeitete als Gegenleistung für seinen Aufenthalt in der Geschäftsstelle. Außerdem half er nach dem Abendessen, die Tische abzuräumen und zu spülen. „Das Training war super“, sagt er, und er habe keine Schwierigkeiten gehabt, mitzuhalten. Sein Traum: Ein fester Platz in einem solchen Internat.

Zelt von Baum getroffen

Bis auf kleinere Zwischenfälle ist das Schulprojekt „Herausforderung“ trotz des schlechten Wetters also mehr oder weniger glatt über die Bühne gegangen. In Hamburg mussten Schüler zusehen, wie dicker Hagel auf ihr Zelt niederprasselte, und auf einem Campinglatz in den Niederlanden traf ein Baum das Zelt der Schüler. Außer dem Schaden am Zelt passierte glücklicherweise nichts. Entschädigung für ihr Zelt bekamen die Schüler allerdings nicht.

In der Aula der 4. Gesamtschule lauschten jetzt auch Schüler der achten Klasse und deren Eltern den Geschichten ihrer Mitschüler. „Für die Eltern ist es nicht leicht, ihre Kinder ziehen zu lassen“, sagt Schulleiter Hanno Bennemann. „Da müssen wir jedes Mal aufs Neue Überzeugungsarbeit leisten“, sagt er. Das Durchhaltevermögen der Schüler dürfte aber auch die Eltern beeindruckt haben.

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