Aachen: Regatta-Prozess: Weitere Gutachten in letzter Minute

Aachen: Regatta-Prozess: Weitere Gutachten in letzter Minute

Eigentlich war das Schwurgericht unter Vorsitz von Richter Gerd Nohl bereit und willens, am Montag ein Urteil im Fall jenes Mannes zu treffen, der im September 2011 auf den Türsteher des Regatta-Clubs am Büchel geschossen hatte — das Opfer überlebte und wohnte dem Prozess bei.

Der wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung angeklagte Marsel Q. (39) hatte bereits früh die Tat eingestanden, alles schien glatt zu laufen. Am Freitag nun hörte das Gericht am Ende noch die fachliche Meinung eines LKA-Waffenexperten zum Schussgeschehen. Das geschah auf Antrag von Strafverteidiger Norbert Hack, danach wollte Richter Nohl die Beweisaufnahme schließen, dies natürlich im allseitigen Einvernehmen.

Kurz vorher aber flatterte dem Gericht in letzter Minute ein sogenannter Adhäsionsantrag auf den Tisch. Die das Opfer und gleichzeitigen Nebenkläger vertretende Anwaltskanzlei stellte auf den letzten Drücker den Antrag, zivilrechtliche Ansprüche noch im Strafprozess mitzuentscheiden. Damit versetzte die Vertreterin der durchaus renommierten Anwaltskanzlei dem Prozess einen unerwarteten Nackenschlag.

Sofort monierte Strafverteidiger Hack, dass man für eine solche Entscheidung neue Gutachten zu den gesundheitlichen Folgen der Schüsse brauche, von Schluss der Beweisaufnahme war zwischenzeitlich keine Rede mehr. Dann aber hatten die Nebenkläger ein Einsehen, zogen den Antrag zurück, die Ansprüche können auch in einem gesonderten Zivilverfahren durchgesetzt werden.

Dann plädierte Staatsanwalt René Gilles. Er kam in seinem Plädoyer zu einem moderaten Antrag, auch weil „das Abrechnungssystem im Club“ mit zum Verlauf beigetragen habe. Die Tat selber sei als gefährliche Körperverletzung zu werden, von versuchtem Totschlag war keine Rede mehr. Gilles beantragte drei Jahre Haft für den Angeklagten. Als nun die Anwältin der Nebenklage in ihrem Plädoyer gesundheitliche Folgen für das Opfer geltend machte, ging die Sache von vorne los. Jetzt ist die Beweisaufnahme erneut eröffnete, am Montag wird zunächst weiterverhandelt.

(wos)
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