Aachen: „Reflex. Ausstellung Plan 2“: Zwischen Grauen und Schönheit

Aachen : „Reflex. Ausstellung Plan 2“: Zwischen Grauen und Schönheit

Ein langer schwarzer Vorhang verdunkelt einen Teil des ansonsten lichtdurchfluteten Raumes. Völlig neu sind Ansicht und Erlebnis des hallenartigen Kunstraums, besonders aber durch die Transparenzen der bemalten Plexiglas-Objekte und der schwebenden Bilder vor dem Fenster.

Enormen Aufwand haben Karin Odenthal und Arndt Lorenz nicht nur für ihre Künste, sondern auch für den Raum getrieben. Schneeweiß leuchten die Wände, irritationslos ist der Fußboden.

So kann sich alle Aufmerksamkeit sofort auf die Objekte richten, die den ersten Blickfang der Doppelausstellung der Bildenden Künstlerin und des Filmemachers richten. Plexiglas, mit deutlichen Gebrauchsspuren, zeigt eine zunächst abstrakte Malerei in verhaltenen Farben, die sich bei der Betrachtung als spiralige, bewegte Form erweisen. Fast immer geht es um Gedankenflüsse, Form- und Farbanalogien und ihre assoziativen, freien Entwicklungen bei Karin Odenthal, die für ihre Gemälde und Zeichnungen auf eine Fülle von Reise-Fotografien zugreifen kann.

Oft sind es Blicke in auf- und absteigende, bisweilen spiralige Treppen, die sie auch in ihrer Metaphorik interessieren. Erinnerungs- und Assoziationsketten werden bei ihr zu Poesie in Grau-Beige-Dunkeltönen — den Farben der Erinnerung. Morbide wirkt die Leichtigkeit des Plexiglases gegen die Papierarbeiten an der Wand und erst recht gegen die auf unterschiedlichen Höhen schwebenden transparenten Bilder, die sich mit jedem Luftzug bewegen und das Sonnenlicht durchscheinen lassen.

Videofilme unter anderem zum Thema Essen zeigt Arndt Lorenz im hinteren Teil der Räume. Rund zwanzig Personen hat er beim Kauen gefilmt und löst damit nicht nur intensive Betrachtung von Mündern aus, sondern auch eine Reflexion über das Essverhalten generell. Ihm geht es auch um die Fülle der Bilder und die Informationsflut, der Menschen generell ausgesetzt sind und Möglichkeiten der Reduktion dieser Flut. Nicht wegschauen kann der Betrachter bei seinem Film „Tanz der Paprika“, bei der eine rote Paprika in einer Schüssel sich unter dem Wasserstrahl munter bewegt.

Meereswellen

Ein großes Highlight der Doppelausstellung ist sicherlich das Gemeinschaftswerk der beiden Künstler, in dem Bilder und Filme ineinanderfließen und ein dynamisches Gesamtkunstwerk bilden. Von einem Sofa aus kann der Betrachter erleben, wie beispielsweise Meereswellen in ein Treppenhaus fließen und zurückströmen oder Lichter auf dem Wasser und ziehende Wolken die Dinge verändern.

Nur eher zufällig wird eine Textarbeit auf dem Boden direkt über einer Fuge gewahr, in der ein paar Zeilen aus einem Gedicht der DDR-Autorin Irmtraut Morgner zu lesen sind. Es geht um „das Grauen und die Schönheit“.

Bei der Vernissage gab es eine Tanzperformance von Julia Tokoreva und Sascha Bodarev, einführende Worte sprach Professor Wolfgang Becker.

Die Ausstellung hängt und steht bis zum 26. Juni, jeden Samstag gibt es in der Ausstellung eine Veranstaltung im Kunstwechsel an der Wilhelmstraße, geöffnet ist immer donnerstags bis sonntags von 17 bis 21 Uhr.