Aachen: Rechte treiben in historischem Gebäude ihr Unwesen

Aachen : Rechte treiben in historischem Gebäude ihr Unwesen

259 Jahre hat das Gebäude inzwischen auf dem Buckel. Und das sieht man auch. Das Bruchsteinhaus an der Lütticher Straße 599 steht seit Jahrzehnten leer und droht langsam aber sicher zusammenzubrechen, wenn nicht bald etwas getan wird. Und genau das will die Familie Mansour jetzt tun.

„Vor 16 Jahren hat mein Vater das Gebäude gekauft“, erzählt Abdellah Mansour, der in Aachen aufgewachsen ist, derzeit aber in Köln Betriebswirtschaftslehre studiert. Und nachdem sein Vater eine Garage hinter dem Gebäude eine zeitlang nur als Werkstatt genutzt habe, um an alten Autos zu basteln, solle nun mittelfristig wieder Leben einziehen in das Gebäude von 1759, in dem sogar Napoleon drei Nächte übernachtet haben soll. „Wir wollen das Haus wieder als Wohnhaus herrichten“, erzählt Abdellah Mansour. Ein Architekt habe bereits Pläne gemacht und ein Statiker sei auch schon da gewesen. Aber der war offenbar nicht der einzige, der sich das Haus zuletzt angesehen hat.

Deutschland-Fahne mit Hakenkreuz

„Nach Weihnachten haben wir entdeckt, dass hier offenbar Rechtsradikale gewütet haben“, erzählt Abdellah Mansour. Er habe eine Brandstelle im Haus entdeckt, eine Decke sei eingestürzt. Eine Deutschland-Fahne mit aufgemalten Hakenkreuz und der Aufschrift „Deutschland erwache“ habe er auch noch gefunden. „Außerdem haben die Leute einen Koran, den mein Vater hier liegen hatte, zerrissen, angekokelt und offenbar mit einem Luftgewehr darauf geschosssen“, berichtet er.

Die Aachener Polizei, die Abdellah Mansour nach seiner Entdeckung alarmiert hatte, bestätigt seine Angaben weitgehend. Straftaten wie Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung stünden im Raume, die Kriminalpolizei ermittle, teilte Polizeisprecherin Petra Wienen mit. Außerdem prüfe die Staatsanwaltschaft, ob es sich bei der besagten Fahne um ein Staatsschutz-Delikt handelt.

Diese Prüfung dauere noch an, erklärt Staatsanwalt Jost Schützeberg auf Anfrage. Derzeit gebe es aber noch keine Hinweise auf die Täter, auch weil die Spuren, die man vor Ort beispielsweise an Bierflaschen gefunden habe, noch nicht ausgewertet seien. „Das geschieht beim Landeskriminalamt und kann sicher bis zu sechs Monaten dauern“, so Schützeberg.

Abdellah Mansour, dessen Familie muslimischen Glaubens ist, glaubt nicht, dass es sich um eine gezielte Attacke auf seine Familie gehandelt hat. „Vielleicht haben sich die Täter auch nur zufällig unser Haus ausgesucht“, sagt er. Die Pläne seiner Familie durchkreuzen sie aber nicht. Im Haus Nummer 599 an der Lütticher Straße soll wieder Leben einziehen.