Aachen: Rechte Fans: Randale nach Tivoli-Auftakt

Aachen: Rechte Fans: Randale nach Tivoli-Auftakt

Es ist nach 22 Uhr am Montagabend. Die Tivoli-Premiere misslingt: Alemannia unterliegt dem FC St. Pauli 0:5 und im neuen Stadion kämpft man um das Leben eines Pauli-Fans.

Im Umfeld der Partie gibt es indes noch einen Vorfall. Rechtsextreme Fußballfans versuchten nach dem Spiel auf der Jülicher Straße eine Wohngemeinschaft zu stürmen, in der junge Leute aus der linken Szene leben.

Die Angreifer skandierten dabei laut der Attackierten auch „Zecke verrecke”, eine Abwandlung der NSDAP-Parole „Rotfront verrecke”.

Noch gibt es wegen des Vorfalls bei der Polizei Unklarheiten. Auf Anfrage teilte Polizeisprecher Michael Houba mit, seine Behörde ermittele wegen Beleidigung und Hausfriedensbruchs, möglicherweise auch wegen eines Körperverletzungsdeliktes.

Die Polizei geht nämlich auch einem Vorfall um 19 Uhr nach, laut Houba eine „Auseinandersetzung zwischen Linken und Rechten”. Hier gebe es eine Geschädigte. Der Ablauf der Taten und mögliche Zusammenhänge soll nun mittels Zeugenaussagen geklärt werden.

Nach Recherchen unserer Zeitung schwelt der Konflikt schon länger. 2008 hatten etwa Neonazis Teile der WG-Bewohner, die seinerzeit noch woanders lebten, nachts verfolgt und später das Haus mit Hakenkreuzen und der Parole „Anti-Antifa” besprüht.

Schon Anfang 2009 soll es im Bereich Jülicher Straße zu Jagdszenen und Bedrohungen durch Neonazis gegenüber jungen Leuten aus der Punk- und linken Szene gekommen sein.

Ausgangspunkt der rechten Aktionen war laut der Betroffenen auch eine Gaststätte, in der Fußballfans, Hooligans und Neonazis verkehren. Die Polizei beobachtet zu besonderen Anlässen das Treiben dort.

Am Montagabend hatten, so Zeugen, gegen 19 Uhr ein WG-Bewohner und Besucher, die als antifaschistische Pauli-Fans erkennbar waren, das neben der Kneipe liegende Haus verlassen. Am Hansemannplatz hätten Rechtsextremisten die Gruppe „überfallen”.

Den Tätern gelang freilich offenbar die Flucht. Die Polizei konnte später nur noch die Personalien eines Mannes feststellen, der sich aggressiv gegenüber den „Linken” verhalten habe.

Welche Rolle der Mann bei der vorangegangenen Tat spiele, sei unklar, sagt Polizeisprecher Houba.

Teile der Rechten sollen später wieder in der Kneipe gefeiert haben. Bis zum Spielende soll auch die Polizei dort Präsenz gezeigt haben. Doch nachdem die Beamten abgerückt seien, so ein Betroffener, hätten die Rechten die WG-Bewohner durch Rufe provoziert.

Die Haustür sei provokativ mit NPD-Aufklebern beklebt worden. „Eine Bewohnerin unseres Hauses fing an, die Tür wieder zu reinigen. Sie ist bepöbelt und bespuckt worden. Die âZecke verrecke´-Rufe wurden immer lauter.” Man goss Wasser auf die Rechten, die die Tür erneut bekleben wollten.

Beeindruckt habe sie dies nicht. Sie hätten versucht die Tür und deren Scheibe einzutreten, so ein Bewohner. Dann hätten die Rechten überall geschellt. Ein Nachbar habe dann wohl den Türöffner betätigt.

Rund „zehn Faschos” seien daraufhin ins Haus gestürmt. Die WG-Bewohner riefen die Polizei zur Hilfe, wehrten sich aber zugleich erfolgreich im Treppenhaus gegen die Eindringlinge. Bis zum Eintreffen der Polizei sollen diese noch rund zehn Minuten weiter aggressiv vor dem Haus herumgepöbelt haben.