Aachen: Reaktor in Tihange soll nicht wieder hochfahren

Aachen : Reaktor in Tihange soll nicht wieder hochfahren

„Das Anliegen ist klar, und Dringlichkeit ist geboten“, betont Superintendent Pfarrer Hans-Peter Bruckhoff. Gemeinsam mit Vertretern des Evangelischen Erwachsenenbildungswerks und des Solarenergie-Fördervereins Deutschland unterzeichnete das Oberhaupt des Evangelischen Kirchenkreises Aachen jetzt einen Offenen Brief an NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft sowie an Landesumweltminister Johannes Remmel gegen die geplante Wiederinbetriebnahme des belgischen Atomkraftwerks Tihange.

Im Haus der Evangelischen Kirche machten Bruckhoff sowie Jürgen Groneberg, Leiter des Evangelischen Erwachsenenbildungswerks Aachen, Rüdiger Haude und Susanne Jung vom Solarenergie-Förderverein Deutschland sowie Pfarrer Harry Haller, Vorsitzender des Erwachsenenbildungsausschusses im Kirchenkreis Aachen, und Ralf Welter, Diözesanvorsitzender der Katholischen Arbeitnehmerbewegung, ihre gemeinsame Position deutlich.

„Unser Ziel ist, dass der Reaktor nicht wieder hochgefahren wird“, betont Groneberg. Die Resolution des Stadtrats vom Mittwoch gegen Tihange begrüße man sehr. „Unser Brief war aber schon vorher geplant. Wir möchten ein deutliches Zeichen setzen. Politik und Zivilgesellschaft müssen an einem Strang ziehen“, sagt Groneberg.

Konkret fordern die Aachener Kirchen und Umweltschutzinitiativen von der Landesregierung, dass das Atomkraftwerk Tihange 2 vom Netz bleibt. In Zeiten, in denen Radioaktivität und Klimawandel die Umwelt bedrohen, setzt sich der Solarenergie-Förderverein Deutschland für Speicher-, Wind- und Sonnenstrom als Ersatz für Kohle- und Atomenergie ein.

„Es ist wirklich dringend. Auch die unzureichende Katastrophenvorsorge gibt uns großen Anlass zur Sorge“, mahnt Haude. Die Bürger hätten ein Recht, genau zu erfahren, was vor Ort los ist und wie man nun zur Abwehr der Gefahren vorgehe, die vom maroden Atomkraftwerk Tihange ausgehen.

Bereits 2008 hatte die Evangelische Kirche ihre Position klar formuliert. „Wirtschaften für das Leben heißt, dem Leben aller zu dienen. In Tihange aber sind Profite und Rendite privatisiert, während die Gefahren und die Schädigungen die Schöpfung allgemein bedrohen“, erklärt Bruckhoff. Das sei ethisch verwerflich. „Es geht um Menschenleben, die nur 60 Kilometer von Aachen entfernt in Huy fahrlässig bedroht werden. Das ist ein unkalkulierbares Risiko. Als KAB setzen wir uns für den Erhalt der Schöpfung und den vernünftigen Umgang mit den vorhandenen Ressourcen ein“, sagte Welter. In ihrem Brief nehmen die Kirchen und Umweltschutzinitiativen auch Bezug auf eine Regierungserklärung von Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Sie stellte 2011 angesichts der Reaktorkatastrophe von Fukushima fest, dass selbst ein Hochtechnologieland wie Japan die Risiken der Kernenergie nicht sicher beherrschen könne.

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