Aachen: Raus aus den Aachener Parkhäusern, rein ins Hilfesystem

Aachen : Raus aus den Aachener Parkhäusern, rein ins Hilfesystem

Parkhäuser dienen nicht immer nur als das, was ihr Name aussagt — und zwar zum Parken. Nein, Parkhäuser sind für einige Menschen auch ein prima Schlafplatz oder ein gutes Fleckchen, an dem sich etwas Geld erbetteln lässt. Es ist trocken, in den unteren Etagen meist auch warm und man ist gerade in den Abendstunden ungestört.

Parkhäuser können für Obdachlose ein Anlaufpunkt sein, der ihnen Schutz und ein kleines Einkommen garantiert. Allerdings kommt dies bei der Gesellschaft und auch den Betreibern der Parkhäuser in der Regel nicht besonders gut an.

„Viele obdachlose Menschen halten sich in Parkhäusern auf“, sagt Paul Heesel, Pressesprecher der Apag. Und das sorgt bei den Autofahrern für Unmut, wie er weiß. Früher, da habe man aus diesem Grund die Obdachlosen vertrieben, den Sicherheitsdienst und das Personal damit beauftragt, sich um das „Problem“ zu kümmern. „Das war nicht der richtige Weg“, sagt Herbert Sliwinski, Apag-Geschäftsführer. Daher ist die Apag vor fünfeinhalb Jahren auf die Caritas zugegangen.

Streetworker wie Mark Krznaric von der Einrichtung „Toddwar“, der Suchthilfe am Kaiserplatz, gehen seither gezielt und regelmäßig auf die Betroffenen zu und suchen mit ihnen gemeinsam nach Alternativen. Etwa 50 Menschen konnten sie in dieser Zeit davon überzeugen, Hilfe anzunehmen und die Parkhäuser zu verlassen. „Wir sind Parkhausbetreiber, keine Notunterkunftbetreiber“, sagt Sliwinski. Dennoch habe man eingesehen, dass langfristige Lösungen besser für alle Beteiligten seien. Zum Beispiel die Obdachsuchenden an das Hilfesystem in Aachen anzubinden. Da kommt dann unter anderem Krznaric ins Spiel.

„Es ist eine Zusammenarbeit, die gewachsen ist. Wir mussten unsere Mitarbeiter zum Umdenken bringen. Auch die Obdachlosen sahen zunächst teilweise nicht ein, die Parkhäuser verlassen zu müssen. Das hat sich in den vergangenen Jahren aber sehr positiv entwickelt“, sagt Sliwinski. „Wir wollen die Menschen zurück in die Gesellschaft holen. Daher gehen wir drei Mal pro Woche in die Parkhäuser“, sagt Krznaric.

Die Apag-Mitarbeiter geben der Caritas und „Troddwar“ Bescheid, wenn ein Obdachloser in einem der Parkhäuser ist. „So erreichen wir Menschen, die wir sonst nicht erreichen könnten“, sagt Krznaric. Vor Ort nämlich könnte er viel länger und ruhiger mit ihnen sprechen. „Ich erkläre ihnen dann, was ihr Aufenthalt auslöst. Ich kehre die Sichtweise sozusagen um und sage, dass Mütter mit ihren Kindern oft Angst haben“, so der Streetworker. Und niemand der Obdachlosen wolle genau das erreichen.

Kein Geld geben

„Ziel ist es, Leute an das Hilfesystem anzubinden, das in Aachen sehr gut funktioniert“, sagt Wolfgang Offermann, Sprecher der Caritas. Es gebe eine gute Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Hilfeangeboten. Wer einen Schlafplatz, eine Mahlzeit oder generell Hilfe bräuchte, der bekäme all das auch. Daher raten sowohl Offermann als auch Krznaric davon ab, den Obdachlosen Geld zu geben. „Das ist keine Hilfe“, so Offermann. „Es ist noch kein Obdachloser durch Bettelei aus der Situation wieder rausgekommen.“ Sehen Passanten einen Obdachlosen, denken sie, dass die Menschen materiell verarmt seien. Doch dies sei nicht immer der Fall.

„Die viel größeren Probleme sind die Bindungs- und Beziehungslosigkeit“, so Offermann weiter. Daher wollen Caritas und Apag Perspektiven schaffen und Dauerlösungen finden. „Manchmal beschweren sich Leute, weil sie den gleichen Obdachlosen mehrere Tage hintereinander im Parkhaus sehen“, sagt Sliwinski. Aber genau dort setzt die Caritas an. „Nicht jeder möchte Hilfe. Und vor allem nicht immer sofort. Manchmal dauert es“, so Krznaric. Wichtig sei es, zunächst Vertrauen aufzubauen. „Irgendwann macht es dann ,klick‘“, so Krznaric weiter.

Auch Offermann weiß, dass er nicht jedem helfen kann: „Wir sind dran, wir werden nicht nachlassen und nicht aufgeben. Aber wir können nicht die heile Welt versprechen.“

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