Aachen: Rauchverbot dämpft die Lust am Spiel

Aachen: Rauchverbot dämpft die Lust am Spiel

Wegen des Nichtraucherschutzes in NRW muss auch das Aachener Spielcasino deutliche Einbrüche hinnehmen. Insbesondere im Automatenspiel sei eine starke Abwanderung der Raucher zu verspüren, was zu herben Einnahmeverlusten führe.

Während in anderen Spielbank-Standorten mit moderner Klimatechnik gegengesteuert werden kann, sieht die Westspiel-Gruppe für Aachen keine derartige Nachrüstungschance.

Das sei ein Nachteil, gibt Westspiel-Sprecher Manfred Mahlmann unumwunden zu. Denn offenbar geht die Lust am Spiel vielfach Hand in Hand mit der auf eine Zigarette. In Aachen habe man zwar an den beiden Standorten fürs klassische Spiel und das Automatenspiel Raucherlounges einrichten können, direkt am Spieltisch und an den einarmigen Banditen bleibt der Zug an der Kippe jedoch ein Tabu. Anders sieht das etwa in Hohensyburg und in Duisburg aus, wo mit technischen Mitteln für rauchfreie Raumluft am Platz gesorgt werden kann.

So oder so sei der Nichtraucherschutz für die öffentlich-rechtlichen Spielbanken jedoch zu einem großen Problem geworden, sagt Mahlmann. Schon geht in der Branche die Sorge um, dass einzelne Häuser bald geschlossen werden müssen, wie die Süddeutsche Zeitung jüngst berichtet hat.

Rapide Einbrüche

Die Beschränkungen durch den Glücksspiel-Staatsvertrag, die Konkurrenz durch gewerbliche Spielhallen und die Spielmöglichkeiten im Internet verschärfen zusätzlich die rapiden Einbrüche. Alles in allem seien die Einnahmen der Westspiel-Gruppe in den letzten fünf Jahren um gut ein Drittel zurückgegangen, sagt Mahlmann. „Wir leben in einem Verdrängungswettbewerb.” Und unabhängig vom Rauchverbot habe Aachen ohnehin ein „enormes Standortproblem”. Der Bruttospielertrag liegt deutlich unter zehn Millionen Euro, in Dortmund und Duisburg wird das Fünf- bis Sechsfache erspielt.

So tut sich einmal mehr die Frage auf, wie lange das Casino in Aachen noch gehalten werden kann. Bekanntlich favorisiert Westspiel seit langem einen Umzug nach Köln. Denn nicht zuletzt wegen der starken Konkurrenz im niederländischen Valkenburg gingen den Aachenern viele Gäste und damit auch Erlöse verloren.

Das sieht auch der Betriebsratsvorsitzende Peter Nolden so, der seit kurzem zudem Vorsitzender des Konzernbetriebsrats der Westspiel-Banken ist und sich um die Zukunft der rund 150 Aachener Spielbank-Kollegen Sorgen macht. „In Valkenburg sieht man heute unsere ureigenen Gäste”, sagt er. Zurückzuführen ist dies aus seiner Sicht jedoch einzig und allein auf unternehmerische Fehlentscheidungen.

Sowohl in Valkenburg als auch in allen NRW-Standorten gebe es an einem Standort ein Komplettangebot. „Nur in Aachen nicht.” Hier wurden das klassische Spiel und das Automatenspiel bekanntlich vor Jahren getrennt - das eine an der Monheimsallee, das andere am Alten Posthof. Für viele Spieler sei dies unattraktiv.

Eine unmittelbare Gefahr für das Aachener Casino sieht Nolden dennoch nicht. Die Konzession läuft bis 2018, betont er. Und wirtschaftliche Gesichtspunkte dürften für die Standortwahl öffentlicher Glücksspieltempel ohnehin nicht ausschlaggebend sein. Schließlich werde immer wieder postuliert, dass Spieler in den staatlich kontrollierten Häusern auch vor der Sucht geschützt werden sollen.

Westspiel ist eine 100-prozentige Tochter der NRW-Bank. Sie ist politisch eng vernetzt. So verweist Westspiel-Sprecher Manfred Mahlmann zwar darauf, dass man gerne nach Köln abwandern würde und dass es dafür im bestehenden Vertrag auch eine Öffnungsklausel gebe, dass man aber „nicht Herr des Verfahrens” sei.

Zu den gewichtigen Entscheidern gehört nun unter anderem auch der aus Aachen kommende Wirtschaftsminister Harry K. Voigtsberger. Nolden setzt darauf, dass Voigtsberger sich dem Standort verpflichtet fühlt. Denn auch die Stadt profitiert: Sie erhält jährlich knapp eine Million Euro aus den Spielbank-Gewinnen.